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Auch der zweite Luftbogen am künftigen Nordportal steht. Am 5. Januar beginnt der Vortrieb.

Prominenz für die Oberauer Umfahrung

Magdalena Neuner ist Tunnel-Patin

Oberau - Sie war die Wunschkandidatin - und war offenbar „sofort begeistert“ von der Aufgabe: Biathlon-Star Magdalena Neuner aus Wallgau ist Patin für den Tunnel Oberau. Am 14. Januar wird dort erstmal gefeiert. 

Er wollte sie unbedingt haben. Magdalena Neuner war Karsten Läufers Wunschkandidatin. Und der Münchner hat sie bekommen: Der Biathlon-Star aus Wallgau übernimmt die Patenschaft für den Oberauer Tunnel. Dieser heißt künftig Magdalena-Tunnel. Eine entsprechende Tafel wird ab 14. Januar das Nordportal zieren.

Im August hat das Team um Läufer, der das Bau-Großprojekt in Oberau für die Firma Marti leitet, erstmals Kontakt mit Neuner aufgenommen. Zunächst per E-Mail, dann habe sein Kollege auch mit der 28-Jährigen telefoniert. Der Tenor der Gespräche und des Schriftverkehrs laut Läufer: „Magdalena Neuner war sofort begeistert. Sie fühlt sich geehrt.“ Dabei haben ihr die Berg- und Tunnelbau-Spezialisten genau erklärt, welche Aufgaben mit einer solchen Patenschaft verbunden sind. Denn mit einem einmaligen, pressewirksamen Vorbeikommen, Händeschütteln und Nett-in-die-Kamera-Lächeln ist es nicht getan.

Irdische Vertreterin der Heiligen Barbara

Magdalena Neuner war Wunschkandidatin als Tunnel-Patin.

Eine Tunnelpatin vertritt auf Erden die Heilige Barbara und damit die Schutzpatronin der Bergleute. Diese erwarten, dass die Patin von Zeit zu Zeit auf der Baustelle vorbeischaut, mit den Mineuren spricht, auch mal eine Brotzeit vorbeibringt und ein Bier mittrinkt. „Hintergrund ist, dass Schaden von den Mineuren abgewendet wird“, erklärt Läufer.

„Diese Tradition ist den Arbeitern sehr wichtig.“ Das hat Josef Seebacher, Sprecher der Autobahndirektion Südbayern, in den vielen Jahren des Tunnelbaus erfahren. Beispielsweise ruht an jedem 4. Dezember die Baustelle. Dann feiert die Vortriebsmannschaft den Barbaratag. Zudem sagt die Regel: Außer der Tunnelpatin darf keine Frau die Baustelle betreten. In Oberau aber wird sich diese Tradition nicht ganz umsetzen lassen. „Wir haben eine Bauleiterin. Da bestehen wir schon drauf, dass sie die Baustelle auch betreten darf“, sagt Seebacher lachend. Beim Bau des Farchanter Tunnels jedoch wurde dieser Grundsatz „noch strikt eingehalten“, erinnert sich der Sprecher der Autobahndirektion an die Jahre zwischen 1995 und 2000, als nur Karin Stoiber, Ehefrau des ehemaligen Ministerpräsidenten, als weiblicher Besucher willkommen war.

"Überglücklich" über Neuners Zusage

„Überglücklich“ zeigt sich Läufer über Neuners Zusage. Der 38-Jährige und sein Team wollten nicht „einfach irgendeinen Prominenten, der mit der Region nichts zu tun hat“. Diese Haltung passt zur Philosophie des Schweizer Unternehmens Marti, das eine Niederlassung in Stuttgart betreibt. Denn sie bindet Unternehmen vor Ort ein. Von den Tiefbauarbeiten bis zum Catering: Firmen aus dem Landkreis kommen zum Zug – auch die Zimmerei von Neuners Ehemann Seppi Holzer ist eingebunden.

Hinzu kommt das Marti-Team samt der Spezialisten für den Tunnelbau, die aus ganz Europa anreisen. Etwa 50 Arbeiter werden im Januar auf dem Oberauer Sportplatz ihr Quartier beziehen. Der 5. Januar ist gerade für die Vortriebsmannschaft ein wichtiger Tag: der Tag des Anschlags. Das Team gräbt am künftigen Nordportal zum ersten Mal in den Berg; zunächst an der westlichen Röhre, in der Autos in sechs Jahren nach Garmisch-Partenkirchen rollen sollen. Knapp zehn Tage später „haben wir schon etwa 20 Meter geschafft“, vermutet Seebacher. Eine gute Strecke für das sogenannte Anschlagfest. Dazu lädt die Firma Martin für Mittwoch, 14. Januar 2016, ein: Pressevertreter, Mitarbeiter – und natürlich Tunnelpatin Magdalena Neuner. An diesem Tag wird nicht nur das Magdalena-Schild befestigt, sondern auch eine Figur der Heiligen Barbara aufgestellt. Dafür richten die Mineure extra eine kleine Nische ein. Am Ende der Bauzeit – wenn alles nach Plan läuft also 2021 – wird sie Neuner übergeben.

"Einen zweiten Kramertunnel wird es nicht geben"

Die Wallgauerin ist nicht die erste Sportlerin, die eine Tunnelpatenschaft übernimmt. Auch Maria Höfl-Riesch wurde diese Ehre zuteil: Am Kramertunnel vertritt die Skifahrerin aus Garmisch-Partenkirchen die Heilige Barbara. Sie ist damit Patin eines Tunnels, durch den so schnell kein Auto rollen wird. Seit 2013 herrscht Stillstand, das neue Planfeststellungsverfahren lässt auf sich warten, Umweltschützern erwägen Klagen. Das alles soll bei Neuners Umfahrung anders werden. Seebacher jedenfalls verspricht: Man habe aus den Erfahrungen gelernt. „Einen zweiten Kramertunnel wird es nicht geben."

Katharina Bromberger

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