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Auf einem neuen Sprungtisch und einem neuen Trampolin können die Turner des TSV Mittenwald dank zahlreicher Sponsoren trainieren. Die Freude darüber ist groß. Doch die Halle bereitet Sorgen.

Nur die Trainingsgeräte sind europameisterlich

Halle bereitet Mittenwalder Turnern Sorgen

Mittenwald - Zu kurz, zu niedrig, zu alt. Seine Turnhalle bereitet dem TSV Mittenwald Sorgen. Jetzt besonders, da sich ein Mitglied auf die Turn-Europameisterschaft 2016 vorbereiten soll.

Diese Turnhalle ist alles andere als europameisterlich. Doch genau eine solche bräuchte Alina Zunterer. Denn mit der 16-Jährigen stellt der TSV Mittenwald erstmals in der Geschichte eine Turnerin im Bayernkader. Daraus geht die deutsche Nationalmannschaft in der Mannschaftsdisziplin TeamGym hervor. Also könnte, wie berichtet, im kommenden Jahr eine Turnerin aus dem Isartal bei den Europameisterschaften im slowenischen Maribor antreten. Ihre Trainingsbedingungen aber sind bisweilen etwas abenteuerlich. Die über 90 Jahre alte Turnhalle stellt das Turnteam und die Verantwortlichen vor gehörige Herausforderungen.

Eigentlich könnte alles perfekt sein; gerätetechnisch trainieren Zunterer und Co. auf Top-Niveau. Denn dank großzügiger Gönner hat der TSV einen Sprungtisch und ein Trampolin für rund 5800 Euro angeschafft, die europameisterlichen Ansprüchen entsprechen. Doch eignen sie sich nur bedingt für die Mittenwalder Halle aus den 1920er Jahren.

Anlauf zum Sprung von der Straße aus

Ihren Anlauf starten die Turner (hier Alina Zunterer) schon im Eingangsbereich der Halle.

Das neue stattliche Gerät braucht eine wesentlich längere Anlaufstrecke und erzeugt viel längere Sprungweiten als die alten Tische. Somit gibt es nun ein Platzproblem. „Wir mussten bei schönem Wetter sogar die Vordertüre aufmachen, damit die Turnerinnen und Turner von der Straße aus Anlauf nehmen konnten“, sagte Ruth Schmaus, die langjährige Trainerin der Gruppe TeamGym, bei der offiziellen Vorstellung der neuen Geräte. Auch während dieser Präsentation mussten die Jugendlichen vom Eingangsbereich aus Anlauf nehmen. Darüber hinaus kann der Tisch bis zu 1,60 Meter hoch gestellt werden, die Sprünge sind höher und atemberaubender als je zuvor. Doch weigern sich vor allem junge, kräftige Männer, in der TSV-Halle zu turnen: „Einige haben Angst, gegen die Bühne zu springen.“

Probleme, die TSV-Vorsitzender Georg Hornsteiner kennt. „Der Turnverein ist nach wie vor im regen Gespräch mit der Marktgemeinde Mittenwald“, sagt er. Mehr will er zum Thema „Neue Turnhalle für Mittenwald“ nicht sagen. Doch in Anbetracht der rund 350 Kinder, die jede Woche im TSV-Saal und in der nicht mehr sonderlich ansehnlichen Schulsporthalle an der Mittelschule trainieren, wäre der Bedarf groß. „Zumal wir ja nicht der einzige Verein sind, der die Halle regelmäßig nutzt.“

Um Pläne für Dreifach-Turnhalle ist es ruhig geworden

Schon oft in der jüngsten Vergangenheit strebten Isartaler nach einer neuen Sportstätte. Zwischen 1986 und 1992 gab es sogar einen eigenen Förderverein dafür. Doch schlief das Projekt ein. 2013 dann ein Lichtblick: Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) machte die Hallenpläne des Marktgemeinderats öffentlich. Geplant war demnach eine Dreifach-Turnhalle am Mauthweg für rund 3,6 Millionen Euro. Seither ist es ruhig geworden um den Neubau. Lediglich Gemeinderat Stefan Schmitz (Bürgervereinigung) brachte das Thema bei Vereinsversammlungen regelmäßig auf den Tisch.

Sicher ist: Sollte Mittenwald europameisterlich bleiben, kommt man nicht an einer neuen Turnhalle vorbei. Da Georg Hornsteiner bezweifelt, mit seinem TSV „zu einer Talentschmiede“ zu werden, liegt der Fokus nach wie vor auf dem Breitensport – einer, der Ausnahmetalente wie Alina Zunterer hervorbringt und anständige Trainingsbedingungen benötigt.

Josef Hornsteiner

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