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Ein großer Andrang herrschte an den Tischen, an denen sich die potenziellen Spender registrieren ließen.

Großer Andrang bei Typisierungsaktion

863 helfen im Kampf für das Leben

Die Welle der Solidarität war überwältigend: Martina Poettinger (53) und Gerd Weinmeier (60) sind an Blutkrebs erkrankt, sie brauchen eine Stammzellenspende. Aus diesem Grund fand am Samstag eine Typisierungsaktion am Klinikum Garmisch-Partenkirchen statt.

Garmisch-Partenkirchen – „Wahnsinn“. „Der Andrang ist überwältigend. Danke, danke, danke“. Dem an Leukämie erkrankten Gerd Weinmeier (60), dem zusammen mit Martina Poettinger (53) die Typisierungsaktion am Klinikum Garmisch-Partenkirchen in erster Linie gilt, fehlen die Worte. Tränen stehen ihm in den Augen. Er kann den Ansturm vor allem junger Menschen, die dem Aufruf zur Typisierung ins Garmisch-Partenkirchner Klinikum gefolgt sind, kaum fassen. 150 waren es bereits nach eineinhalb Stunden. Am Aktionsende sind es 863, die in die zentrale Datenbank aufgenommen werden können. 110 Helfer waren im Einsatz, viele haben gespendet. Die Menschen im Landkreis haben zusammen geholfen im Kampf gegen Leukämie, für das Leben.

„Auf mindestens 800 hatten wir gehofft – die Erwartungen wurden voll erfüllt“, sind Organisator Bergwachtler Willi Brenner und das gesamte Helferteam mehr als zufrieden und überwältigt von der riesengroßen Solidaritätswelle. „Das besonders Erfreuliche bei der Garmisch-Partenkirchner Aktion ist das niedrige Durchschnittsalter von 29 Jahren. 30 Jahre gibt es jetzt für alle, die gekommen sind, die große Chance, einem an Blutkrebs Erkrankten mit einer Stammzellenspende das Leben zu retten“, erklärt Verena Spitzer, selbst ehemalige Stammzellenempfängerin und inzwischen Mitarbeiterin der Stiftung AKB (Aktion Knochenmarkspende Bayern). Sie war mit fünf Kollegen aus Gauting, dem Sitz der AKB, mit dem nötigen Material gekommen, um fachliche Anleitungen zu geben. „Alles andere haben die Helfer vor Ort erledigt“.

Viele Sportvereine beteiligen sich an Aktion

Beteiligten sich auch an der Typisierungsaktion: Spieler vom 1. FC Garmisch-Partenkirchen.

Bereits 90 Minuten nach dem Start hieß es in den Räumen des Garmisch-Partenkirchner Klinikums anstehen. Aber alles war bestens organisiert. Nach der Registrierung und Aufnahme der Formalitäten dirigierte Dr. Claudia Neumaier aus Herrsching die Ankommenden, die je zwei beschriftete Röhrchen in der Hand hielten, an die zwölf Tische zur Blutentnahme. Zusammen mit dem pensionierten Arzt Dr. Ferdinand von Vopelius-Fendt, der später von Dr. Robin Bulgrin abgelöst wurde, hatte sie ein waches Auge auf die, die das Prozedere nicht so gut verkrafteten. „Dreimal waren wir im Einsatz, aber die Patienten waren schnell wieder auf den Beinen“, erklärte die Ärztin.

Für Steffi Kell (26) und Alex Wendlinger (20) aus Mittenwald war es keine große Sache herzukommen. „Wenn ich in der Situation wäre, würde ich auch auf Hilfe hoffen“, sagt Wendlinger. Über das Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt und die sozialen Netzwerke hatte sich der Aufruf zur Typisierung schnell verbreitet. Corinna Würth, Krankenschwester in der Rheuma-Kinderklinik, ist eine der Fachkräfte, die sich zur Verfügung gestellt haben. „Den kleinen Picks habe ich kaum gemerkt“, wird sie von der 18-jährigen Schülerin Anna Lexa, die mit ihrer älteren Schwester Steffi und deren Freund Karli Neff gekommen ist, gelobt. Die Garmisch-Partenkirchner kennen die beiden Hilfebedürftigen persönlich und brauchten nicht lange zu überlegen, um in die Auenstraße zu kommen. „Ich bin von den Mädchen ein bisschen überrumpelt worden“, gesteht Neff, „Aber jetzt bin ich sehr froh drum.“ Nach zehn Minuten sind die Drei mit allem fertig und geben ihre zwei Röhrchen mit je zwei Milliliter Blut ab.

Poettinger und Weinmeier überwältigt

Ihre Plätze haben sie für die Fußballer des 1. FC Garmisch-Partenkirchen, die wie viele Sportvereine aus dem Landkreis mit der kompletten Mannschaft erschienen sind, geräumt. Gern nehmen sie wie viele andere dann die Einladung der Organisatoren für eine Brotzeit in den Räumlichkeiten der Bergwacht gegenüber an. 60 Kuchen wurden gebacken, zwölf davon hat die Farchanter Frauengruppe beigesteuert, Semmeln, Leberkäse, anderes Herzhaftes und Getränke gespendet. „Wo wir auch gefragt haben, alle haben sofort mitgemacht“, ist Claudia Zolk, eine der Initiatorinnen aus Poettingers Freundeskreis begeistert.

Insgesamt waren 110 Helfer im Einsatz, weitere Reservekräfte standen noch zur Verfügung. Organisatorin Claudia Reim hat immer wieder gehört, wie toll das gemeinschaftliche Arbeiten sei und dass sie jederzeit wieder zur mitmachen würden. Mitgefiebert in der Münchner Klinik hat Martina Poettinger. Sie ist wie Weinmeier total überwältigt von der Hilfsaktion. „Besonders stolz bin ich auf unsere verantwortungsbewussten jungen Leute“, sagt sie am Telefon, „und ein herzliches Vergelt‘s Gott an alle, die sich auch mit Geldspenden eingebracht haben“. Jetzt heißt es warten und hoffen. Am heutigen Montag beginnt die Typisierung der Blutspenden.

Margot Schäfer

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