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Den Humor haben Johann Bumes und seine Bekannte Anneliese nicht verloren. Gestern sind sie an den Ort des skurrilen Geschehens zurückgekehrt.

Mehr als eine Stunde

In der Wallgauer Kirche eingesperrt

Wallgau - Den Tag der deutschen Einheit werden Johann Bumes und seine Begleiterin nicht so schnell vergessen. Mehr Zeit als gedacht mussten sie im Wallgauer Gotteshaus verbringen – die Türe ließ sich nicht mehr öffnen.

Ein wirklich skurriler Vorfall hat sich am Nationalfeiertag in Wallgau zugetragen. Leidtragende waren Johann Bumes und eine Bekannte, die bei einem Ausflug nach Wallgau viel Geduld mitbringen mussten. Die zwei waren nämlich über eine Stunde lang in der dortigen Jakobskirche eingesperrt. Die Türe des altehrwürdigen Gotteshauses wollte partout nicht mehr aufgehen. „Sie war wie vernagelt“, berichtet der rüstige Rentner aus Garmisch-Partenkirchen. Da half auch alles rütteln nichts.

Der Reihe nach: Am Tag der deutschen Einheit hatten Bumes und seine Bekannte Anneliese eine Tour ins schöne Isartal-Dorf unternommen. Nach dem Mittagessen im Haus des Gastes machten die zwei einen Abstecher auf den Friedhof. „Dann sind wir in der Kirche gelandet“, erzählt der Werdenfelser. Er und seine Begleiterin nahmen auf einem der Bankerl Platz. „Wir haben einfach nur die Stille genossen.“ Eine Viertelstunde später wollten die beiden wieder aufbrechen.

Doch die widerspenstige Tür machte den Kirchenbesuchern einen Strich durch die Rechnung. „So, und was tun wir jetzt?“, fragte Bumes seine Leidensgefährtin. Da war guter Rat teuer, zumal diverse Öffnungsversuche allesamt scheiterten. Anschließend klopften die beiden an die Türe – so kräftig es ging. „Da kommt schon jemand“, tröstete Bumes seine Begleiterin. Falsch gedacht, niemand erhörte sie. Es schien gerade so, als wollte der Herrgott, dass die zwei etwas länger in St. Jakob verweilen sollten.

Inzwischen war bereits eine Dreiviertelstunde verstrichen. Da entdeckte Bumes ein Kirchenblatt. Darauf standen die Telefonnummern der Pfarrsekretariate von Mittenwald und Wallgau. Also griff der Rentner zu seinem Handy. Doch am Feiertag, einem Samstag obendrein, meldete sich am anderen Ende nur der Anrufbeantworter.

Was nun? Jetzt setzte sich Bumes mit der Polizei in Verbindung. „Ich schau’, dass ich jemand auftreib’“, soll der freundliche Beamte den beiden versprochen haben. „Vielleicht sollten wir jetzt ein Stoßgebet sprechen“, empfahl Bumes seiner Begleiterin. Und siehe da: Nach zirka eineinhalb Stunden öffnete sich plötzlich die Kirchentüre. Eine ältere Frau, die ebenfalls das Gotteshaus besuchen wollte, war die unwissentliche Retterin. Mit Erstaunen hörte sie sich die Geschichte von Bumes und seiner Bekannten an. Dann gab die Einheimische den beiden noch einen guten Rat: „Ein Holzscheitl mitnehmen und in die Türe klemmen.“

Schon einmal hat Mesnerin Kathrin Simon einen ähnlichen Vorfall vor zwei bis drei Jahren erlebt. „Manchmal ist es wie verzwickt“, sagt sie und zielt damit auf die Tücken des alten Schlosses ab. Ihr Tipp: Mit der linken Hand ganz sachte den Griff nach unten drücken. „Wir haben das gleiche Problem mit der Sakristei-Türe.“ Die sei mitunter ähnlich störrisch. Da entscheidet das Gefühl. „Doch meist bekommen die Leut’ dann einfach nur Panik.“ Eines allerdings verspricht die Mesnerin schon jetzt: Die Kirchenverwaltung werde sich in der morgigen Sitzung dem Thema nochmals annehmen.

Christof Schnürer

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