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Ein buntes Lichtermeer - mitten in Ohlstadt: das Haus der Familie Müller.

Weihnachts-Deko-Beleuchtung

Advent, Advent, 40 000 Lichtlein brennen

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Ohlstadt - Der Ort leuchtet, Alexander Müller strahlt: Der 21-Jährige sorgt mit einer aufwändigen Weihnachts-Lichter-Deko an seinem Elternhaus für Aufsehen. Zigtausend Lämpchen sorgen täglich für Fest-Beleuchtung. Und es sollen noch viel, viel mehr werden.

Im Vergleich zu den Richards aus Canberra ist Alexander Müller ein kleines Licht: Die Australier haben ihr Haus mit mehr als einer halben Million Lämpchen illuminiert und damit 2013 einen Weihnachtsdeko-Weltrekord aufgestellt. Doch zumindest in Ohlstadt kann Müller niemand das Wasser reichen, da geht er quasi als leuchtendes Beispiel voran. Advent, Advent, ein Lichtlein brennt? Von wegen: Auf über 40 000 LED-Lämpchen hat es Müller bisher gebracht, alle am oder rund um sein Elternhaus an der Schwaiganger Straße 2 drapiert. Da stehen drei Rentiere auf dem Garagendach, Schneeflocken und elf Bäume leuchten von Balkonen, vor allem aber durchziehen massenhaft Lichterketten in allen Farben das Grundstück – ein amerikanisch-buntes LED-Meer mitten im traditionsbewussten oberbayerischen Dorf.

Darf das, muss das sein? Daran scheiden sich im Ort die Geister, wie bei so vielen Ohlstädter Fragen. Das beginnt schon bei den Nachbarn, die zwangsläufig ihren Advent mit Müllers Leidenschaft verbringen. „Die einen sagen gar nichts mehr“, erzählt der 21-Jährige, „die anderen sind ganz begeistert.“ Auch Freunde fänden sein Weihnachts-Deko-Faible „ein bisschen verrückt“, sie lassen dem Spezl aber seine Freude.

Unbestritten sorgt der Handwerker-Geselle zwischzen dem ersten Advent und dem 6. Januar für Gesprächsstoff und einen Anziehungspunkt: Ohlstadt debattiert über sein „Las-Vegas-Eck“, und Weihnachts-Deko-Touristen nehmen, vor allem am Wochenende, sogar Anfahrtswege in Kauf: „Es kommen immer wieder Leute, auch aus Murnau, Weilheim und Garmisch-Partenkirchen“, sagt Müller. Darüber freut er sich. „Das zeigt, dass es den Leuten gefällt, deshalb mache ich es immer wieder gerne.“ Denn: 40 000 Lichter leuchten nicht einfach so über Nacht. Müller räumt ein: „Das ist extrem viel Arbeit.“ Im Oktober begann er heuer mit dem Aufbau, täglich zwei, drei Stunden verbrachte der Ohlstädter, der sein Geld passenderweise als Elektriker im elterlichen Betrieb Elektro Müller GmbH verdient, nach der Arbeit damit – rund 80 Stunden insgesamt.

Und es werden, analog zur Zahl der Lämpchen, die der Fachmann heuer über 130 Steckdosen angeschlossen hat, jedes Jahr mehr. 100 000 Lichter, sagt Müller, dessen Deko-Leidenschaft aufflammte, als er im Fernsehen eine US-Mega-Beleuchtung gesehen hat, wolle er schon erreichen. Insgeheim träumt der Ohlstädter, der seine Illuminatoren-Karriere ganz klein, als 13-Jähriger mit einem Mini-Lichter-Tannenbaum, begann, aber davon, den deutschen Rekord zu brechen - mit seines Wissens nach etwa 450 000 Lämpchen. „Ich mache so lange weiter, bis nichts mehr geht.“

Seine Eltern, so Müller, haben sich „langsam daran gewöhnt und sagen inzwischen nichts mehr“. Und sie tragen die Stromrechnung. 650 Watt vertilgen die Rentiere und ihre mannigfaltigen Deko-Freunde pro Stunde. Täglich von 6 bis 7 und von 16.30 bis 23 Uhr bringt der Ohlstädter sie zum Strahlen.

Ein singuläres Spektakel im Dorf: „Das gibt’s bei uns kein zweites Mal“, sagt Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei). Die Beleuchtung werde von verschiedenen Seiten thematisiert, „positiv wie negativ“. Scheuerer („Das ist anfangs lustig, wenn man vorbeifährt“) zeigt sich angesichts des üppigen Lichtermeers ganz pragmatisch: „Wenn sich jemand engagiert und das dazu führt, dass Leute zu uns kommen und dann vielleicht noch am Glühweinstand stehen bleiben, dann ist das gerne gesehen.“

Denn in diesem Fall kann sich schließlich ganz Ohlstadt ins rechte Licht rücken.

Silke Jandretzki

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