So soll sie aussehen, die neue Freizeitanlage am Sportplatz an der Rigistraße. 
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So soll sie aussehen, die neue Freizeitanlage am Sportplatz an der Rigistraße. 

Beschluss des Gemeinderats

Weg für neue Freizeitanlage in Uffing ist frei

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Der Uffinger Gemeinderat hat den Weg frei gemacht für eine neue Freizeitanlage. Die Kosten belaufen sich auf 185 000 Euro.

  • Uffing bekommt in absehbarer Zeit eine neue Attraktion.
  • Der Gemeinderat befürwortete den Bau einer neuen Freizeitanlage an der Rigistraße.
  • Im Vorfeld hatte es eine Bürgerbefragung gegeben.

Uffing – Uffing bei Abend ist eine Attraktion für sich. Die Seestraße verwandelt sich, bei trockenem Wetter versteht sich, in einen endlosen Kurs für Skateboard-, Roller- oder Fahrradartisten, die so lange ihre Tricks üben, bis sie nach Hause und ins Bett müssen. Am Donnerstag sah man auch einen Mann um die 40 auf einem Board über den Asphalt jagen. Es war Christian Krämer, der gerade zur Gemeinderatssitzung rollte. Seine Tochter, erzählt er, fährt auch gerne.

Bürger wurden beteiligt

Krämer setzt sich mit einigen weiteren Kindern und Eltern für eine eigene Anlage ein. Sie nennen dieses Projekt Sportplatz 2.0 – ein Sportplatz neben dem Sportplatz mit Basketballfeld, Rundkurs und Hindernissen für alles, was Räder hat, also für Fahrräder, Mountainbikes, Scooter, Rollschuhe, Skateboards, ja sogar für Rollstühle. Seit vergangener Woche sind diese Ideen keine Vision mehr sondern ein realer Plan. Der Gemeinderat hat sich ohne Gegenstimme für die neue Freizeitanlage neben dem Fußballfeld an der Rigistraße ausgesprochen und gleichzeitig das Geld (80 000 Euro Kommunen-Anteil) freigegeben. Man könnte dieses Votum als Erfolg für die Arbeitsgruppe werten – doch in Wahrheit ist es viel mehr. Uffing, und damit sind alle Beteiligten gemeint, hat erreicht, was sonst für gewöhnlich nur auf den Kampagnenzetteln im Wahlkampf zu lesen ist. Das Dorf hat seine Bürger an Politik teilhaben lassen – und zwar schon die Jüngsten. Angestoßen von zwei Schülern im Ort fand sich eine Arbeitsgruppe aus Gemeinderäten und Eltern. Sie organisierten eine Umfrage, die erstens Bedürfnisse offenlegte, von denen – seien wir ehrlich – ohnehin jeder gewusst hatte, und die zweitens ein Lehrstück für Kritiker war, die das Interesse der Kleinen für Politik verkennen. Von 320 angeschriebenen Uffingern im Alter zwischen 8 und 18 Jahren füllten 225 den Bogen im Internet aus – über 70 Prozent. „Ihr könnt euch auf die Schulter klopfen“, sagt etwa Markus Kölling, der kommunale Jugendpfleger. „So stellen wir uns Beteiligung vor.“ Fast die Hälfte wünschte sich nichts mehr als eine Bike- und Skateanlage, ein riesiger Anteil fährt dafür bereits mehrere Kilometer in benachbarte Ortschaften und nur ein geringerer Teil (25 von 161, die die Frage beantworteten) äußerte Bedenken.

Fachmann nimmt die Angst

Das Meinungsbild der Jugend war noch aus einem dritten Grund essenziell: Der Vorstoß war im Ort nicht überall auf Konsens gestoßen. Manch einer fürchtete um die Vereine und ihre Zukunft. Sie warnten vor Vereins-Kannibalismus im eigenen Dorf, eine Konkurrenz, die man selbst erschafft. Das Thema legt ein gewisses Spaltungspotenzial offen, weil zu den Unterstützern einige Neubürger zählen. Einen Bruch im Dorf kann niemand brauchen und wollen. Markus Kölling, der Fachmann, nahm allen die Angst. Konkurrenz für die Vereine? „Ein klares Nein“, betont er. Vielmehr erweitere die Kommune das bestehende Angebot. Jugendliche suchten nach einem Raum für Treffen, der gerade nicht reglementiert und überwacht ist. Sie begehren das Unorganisierte, das Freie. „Solche Anlagen sind die ideale Möglichkeit. Mit so einer Anlage können wir sagen: Uffing packt’s an.“

Unterstützer allerorts

Die bayerische Strategie, erklärt Kölling, visiert sogar gezielt ähnliche Projekte an, damit junge Menschen eine Bindung zum Wohnort aufbauen. „Damit begegnet man ein Stück weit der Landflucht.“ Christian Wander, der Sprecher der Arbeitsgruppe, verwies zudem auf den inklusiven Charakter einer solchen Freizeitstätte. Dort könne man etwa auch ältere Menschen im Umgang mit dem E-Bike schulen. Gemeinderat Wolfgang Mayr (WGU), Skeptiker im Vorfeld, berichtete von einem Ausflug nach Weilheim vor kurzer Zeit. Er spazierte an der dortigen Anlage vorbei und sah „mehrere Generationen, von kleinen Kindern bis älteren Erwachsenen – ich war angenehm überrascht“. Und überzeugt, wie sämtliche Kollegen. „Großer Gewinn“, meinte Jakob Warnstorff (Wir für Uffing). „Könnte ein Treffpunkt werden“, sagte Wolfgang Hirschvogel (Wir für Uffing). Unterstützer allerorts. Wanders Vortrag sei Dank. Er hatte den Sportplatz 2.0 erstmals zum Leben erweckt, mit Grafiken der Firma Schneestern, die unter anderem auch die Snowboard- und Freestyle-Parcours bei den vergangenen Olympischen Winterspielen hergestellt hatte.

Kinder sollen mithelfen

Das dreiteilige Areal umfasst ein halbes Basketballfeld, einen Pumptrack (also einen Rundkurs mit An- und Abstiegen) sowie eine Skateanlage mit Rampen, Wellen und Boxen, die die Kinder in der Umfrage ausgewählt hatten. Gesamtkosten für diesen Platz für Bewegung und Austausch: 185 000 Euro netto, wobei 110 000 Euro über das EU-Förderprogramm Leader abgedeckt sind und die Initiative 30 000 Euro selbst auftreibt, unter anderem über Sponsoren. Die Kommune übernimmt den Restbetrag sowie die Steuer. Beim Aufbau und der Gestaltung der Grünanlagen sollen dann auch die Kinder helfen. „Wenn sie die Bäume selbst pflanzen, bieseln sie da nicht hin“, scherzte Bürgermeister Andreas Weiß (parteifrei). Wann der Bau startet, ist noch unklar. Mit etwas Glück im Herbst, wohl eher aber im Frühjahr 2022. So lange müssen die jungen Uffinger noch nach Ohlstadt oder Weilheim ausweichen – oder auf die Seestraße.

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