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Zwei, die sich sehr schätzen: Dieter Wieland und der Künstler Reinhard Michl. Bei der Ausstellung hielt der Filmemacher eine bewegende Rede über seinen Freund.

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Ausstellung im Heimatmuseum: Liebeserklärung für Reinhard Michl

Eröffnung der Ausstellung von Reinhard Michl lockt zahlreiche Besucher ins Uffinger Heimatmuseum. Dieter Wieland macht eine „Liebeserklärung“ an den Künstler.

Uffing – 30 Jahre lebt der international erfolgreiche Zeichner und Illustrator Reinhard Michl bereits in Uffing. Nun sind endlich auch einmal seine Bilder im dortigen Heimatmuseum zu sehen. Der enorme Andrang, der bei der Eröffnung die Möglichkeiten des alten Feuerwehrhauses schier sprengte, zeigt, wie sehr man darauf gewartet hat. Dabei war es, wie Gerti Lienek vom Uffinger Kulturverein erzählte, gar nicht so schwer gewesen, Michl zu dieser Ausstellung zu überreden. Ein Treffen im Markt Murnau und ein paar Gläser Wein hätten ausgereicht. Aber vielleicht liegt es daran, dass Michl von den 30 Jahren nur circa etwa die Hälfte in Uffing verbracht hat. Das jedenfalls berichtete der Filmemacher Dieter Wieland, der eigentlich mit einer Laudatio in das Werk Michls einführen wollte, dann aber doch lieber „eine Liebeserklärung“ an den Künstler, den Menschen und sein Werk abgab.

Am Anfang hörte sich das freilich etwas anders an: Michl gehöre zu den „Parasiten, die am Wochenende auf dem Land erscheinen und ihren Müll hinterlassen“, sagte Wieland, um dann hinzuzufügen: „Wir waren früher auch so.“ Und diesen Worten, denen wohl der Wunsch zugrunde lag, den Künstler häufiger in Uffing zu sehen, folgte ein leidenschaftlich begeisterter Rundgang durch Werk und Themen. Niemand könne so schön das Bier malen, wie Michl.

Aber nicht nur das, auch Katzen, Farben, Menschen und vor allem die Kinder lieben ihn. „Kein Computerspiel kann das, was Du auf einer Buchseite in die Fantasie einpflanzen kannst“, betonte Wieland. Wer die Bilder von Michl nur aus Büchern kennt, wie Wieland, hat nun endlich einmal die Gelegenheit viele der Werke im Original zu sehen. In den Arbeiten verbinden sich künstlerisches Können mit einem feinen Empfinden für Farbe und Linie und einer ausufernden bisweilen haarsträubenden Fantasie, die begeistert. Der gebürtige Niederbayer hat sich den Menschen buchstäblich in die Herzen gemalt. Besonders natürlich, denen, die mit seinen Bildern aufgewachsen sind. Das gilt aber auch für die Erwachsenen, denen die Bilder ein Stück eigenes Erleben zurückbringen. Etwa aus einer Zeit, in der das Treiben an einem Fluss, beispielsweise in einem aufgeblasenen Schlauch, zum Abenteuer wurde.

Oft spiegelt sich die Geselligkeit in seinen Bildern. Beim gemeinsamen Essen oder beim Musizieren. Michl macht deutlich wie Beziehungen entstehen, wenn man einander nur Aufmerksamkeit schenkt, aber er kann auch radial böse sein. Derb und frech. Was auffällt in dieser Auswahl: Oft scheinen es die Tiere zu sein, die einander besser verstehen. Die Menschen auf seinen Bildern blicken auch schon mal grantig drein und wollen ihre Ruhe haben. Und in der Zirbelstube sitzen sogar lauter Teufel beieinander und trinken. Am Rande heißt es dafür: „die Bedienung is a Engl“. Michls Bilder sind auch deshalb so gute Illustrationen, weil sie den Geschichten nichts nehmen. Vielmehr erzählen sie aus einem besonderen Blickwinkel – und das funktioniert losgelöst vom Text.

In zwei Vitrinen sind einige internationale Ausgaben seiner Bücher, sowie eine Auswahl aus seinen Reiseskizzenbüchern zu sehen. Auch die allerneuesten Arbeiten, Bilder zu „Mondgedichten“, sind ausgestellt. Die Musikerin Monika Drasch beschenkte den Künstler und den Laudator zur Eröffnung mit einer musikalischen Hommage, bevor der Frühschoppen mit Musik vor dem Heimatmuseum seine Fortsetzung fand. Nur Reinhard Michl hatte noch eine ganze Weile lang zu tun, um jedem den Wunsch nach einer Signatur im Buch zu erfüllen.

Heribert Riesenhuber

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