Striktere Regeln: Unter anderem dürfen am Birkenweg in Uffing keine Radfahrer mehr fahren. 
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Striktere Regeln: Unter anderem dürfen am Birkenweg keine Radfahrer mehr fahren. 

„Kommt nicht von uns“

Wegen Massenansturm in Corona-Zeiten: Gemeinde will Fahrradfahren an beliebtem oberbayerischem See verbieten

  • Andreas Mayr
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Die Gemeinde Uffing will in Sachen Besucherlenkung auch zu unpopulären Maßnahmen greifen. Am Obersee soll das Radeln künftig verboten sein.

  • Nach dem Ansturm an Ausflüglern in der Corona-Pandemie will die Gemeinde Uffing die Besucher künftig besser lenken.
  • Einschneidend: Am Obersee des Staffelsees soll das Radeln künftig verboten sein.
  • Für Stand-Up-Paddler will man eine Einstiegstrasse schaffen.

Uffing – Unter den drei Staffelsee-Gemeinden war Uffing schon immer diejenige, die den Tourismus am wenigsten gefördert hat. Nach einem Jahr, das erst ein Virus und dann so viele Ausflügler wie nie zuvor in die Gemeinde geführt hat, entscheidet Uffing jetzt: So wie es ist, ist es gut. „Man möchte nicht, dass Uffing eine Tourismus-Hochburg wird“, betont Bürgermeister Andreas Weiß (parteifrei). Damit meint er eigentlich die örtlichen Vertreter aus Gastronomie, Einzelhandel, die Vermieter und Versorger. Das Büro Green-Solutions aus Murnau hat sie alle im Auftrag der Gemeinde befragt. Ihre einhellige Antwort: „Es soll nicht kommerzieller werden.“

Tourismus in Uffing am Staffelsee: Konzept liegt öffentlich aus

Die Uffinger haben die Leitlinien gezogen, Doris Miller von Green-Solutions das Konzept erarbeitet, das künftig die (Tages-)Touristen leiten soll. Im Folgenden die Eckpunkte, die laut Gemeinderatsbeschluss bis 21. Dezember öffentlich ausliegen. Im Januar soll das Konzept dann festgezurrt werden, um 2021 als Testjahr zu nutzen.

Das neue Wegenetz am Staffelsee

Das Uffinger Gemeindegebiet, ein Bilderband geschaffen von der Natur, beherbergt zahllose Pfade, Wege und Strecken. Kein Kompendium bildet sie alle ab. Navigationssysteme, Wanderkarten, Radatlas – jedes Medium weist andere Wege aus. Die Gemeinde bemüht sich nun um Einheitlichkeit. Sie kreiert so etwas wie ein offizielles Wegenetz, das es auf die Karten und ins Internet schaffen soll. Nur diese Strecken stattet die Kommune künftig mit den gelben Schildern aus, die Wanderer von Bergtouren kennen. Alle alten Hinweise kommen weg. In den Plan will man Spazierrouten und Direktverbindungen aufnehmen. Auf eine Reihe von ortsbekannten Pfaden wird künftig nicht mehr hingewiesen. Damit möchte die Gemeinde Ausflügler auf die, sozusagen künftig gewünschten Wege leiten und die übrigen für die Einheimischen reservieren – so gut das geht. „Die werden nicht verboten, aber auch nicht aktiv beschildert“, erklärt der Bürgermeister. Gleichzeitig übernimmt die Kommune für alle beschilderten Trassen die Wegsicherung.

Radverbot am Ufer des Staffelsees

Andreas Weiß spricht von einem „unerlässlichen Durst“, am Seeufer radeln zu wollen. Das Phänomen hat er natürlich auch bei den Uffingern ausgemacht, und er vermutet jetzt bereits, „dass wir aus der Bevölkerung gestraft werden“ für die neuen Maßnahmen. Am Birkenweg, der kleinen Allee zwischen Biergarten und Gemeindebad, sowie auf der gesamten Wanderschleife am Obersee (etwa drei Kilometer) herrscht nun striktes Radfahrverbot. Am Anfang und Ende sollen Barrieren und Anlehn-Stationen geschaffen werden. Wer sein Rad trotzdem mitnehmen möchte, etwa zum Gepäcktransport, muss schieben. „Kommt nicht von uns“, erklärt Weiß. Aber der Naturschutz hat heftig interveniert. Auch der Bürgermeister hat im Sommer beobachtet, wie schonungslos manche Biker mit den Grünstreifen am Wegrand umgehen. Dennoch betont er: „Ich glaube noch an das Gute im Radfahrer.“

Das SUP-Problem am Staffelsee

Im Uffinger Gemeindebad waren sie bislang noch willkommen, doch jetzt senden die Pächter auch dort einen Notruf ab. „Wir können die Stand-Up-Paddler nicht mehr brauchen“ – dieser Satz hat das Rathaus erreicht. Vertreiben möchte man die SUPler aber nicht. Stattdessen schafft die Gemeinde eine Einstiegstrasse linker Hand zum Badeareal. Auch Ständer und Luftpumpen für die Bretter soll es dort geben, die die Gäste gegen einen Aufpreis nutzen.

Das Thema Parkplätze am Staffelsee

Ein ganz guter Katalysator für die Massen, die über Uffing herfielen, waren die Ausweichflächen am Gemeindebad. Eineinhalb Monate früher als sonst forderte die Gemeinden diese Wiesen am Gemeindebad an, um die Autos unterzubringen. „Die Landwirte waren noch nicht mit der Ernte fertig“, erklärt der Bürgermeister. Künftig könnten zwei weitere, mobile Parkplätze dazukommen an Wochenenden und Feiertagen: am Bahnhof sowie am Edeka-Markt, über längere Sicht auch versehen mit Ladestationen für E-Bikes, Luftpumpen und Werkzeug. „Ich kann mir vorstellen, dass das den Verkehr von München heraus entzerrt“, sagt Wolfgang Mayr (WGU), der auch den Edeka-Markt betreibt. Zudem platziert die Kommune an den Ortseingängen elektronische Tafeln, die auf freie Plätze hinweisen und unter der Woche die Geschwindigkeit anzeigen.

Staffelsee: Mülleimer - „Da müssen wir nachbessern.“

Vor etwa 15 Jahren, als die Gemeinde Abfallbeutel für Hundekot verteilte, brachte sie auch zusätzliche Mülleimer an. Doch für die derzeitigen Kapazitäten reichen die nicht mehr aus. Gemeinderat Jakob Warnstorff (Wir für Uffing) regte an, mehr zu installieren. Der Bürgermeister versprach: „Da müssen wir nachbessern.“

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