Dieses Grundstück zwischen Bahnhofstraße und Sportplatz – 6000 Quadratmeter groß – kommt als Standort für den neuen Uffinger Kindergarten in Frage
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Dieses Grundstück zwischen Bahnhofstraße und Sportplatz – 6000 Quadratmeter groß – kommt als Standort für den neuen Uffinger Kindergarten in Frage.

Uffing im Glück

Gemeinde bekommt Kindergarten geschenkt

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Dieser Glücksfall ist wie ein Sechser im Lotto: Eine unbekannte Stifterin spendiert der Gemeinde Uffing einen kompletten Kindergarten. Der Neubau soll an der Bahnhofstraße entstehen. Doch es gibt auch Widerstand.

Uffing – Etwa einen Monat vor der Wahl, die Uffing verändert hat, erhielt Rupert Wintermeier einen Brief. Man brachte ihn persönlich im Büro, erster Stock des Rathauses, vorbei. Damals, im Februar 2020, durfte man das noch. Der Kindergarten lud den Bürgermeister zur 20-Jahr-Feier ein. Sie fand nie statt.

Geheime Unterstützerin

Niemand ahnte, dass die Zeit des Kindergartens am Sonnenstein abläuft. Womöglich nur Andreas Weiß. Der Schöffauer erbte Wintermeiers Amt im März mit großer Rückendeckung der Bürger – samt einer geheimen Unterstützerin, die ihn gar nicht wählen durfte, weil sie nicht in Uffing wohnt. Sie lebt nicht einmal in der Region, sondern „weiter weg“, wie Weiß erklärt. Erst sein Wahlkampfprogramm im Internet führte die Dame nach Uffing.

Am vergangenen Donnerstag hat der Rathauschef das Mysterium um die geheime Philanthropin öffentlich erzählt. Es ist genau die Art Geschichte, die es in diesen Zeiten braucht. Ein modernes Märchen, das den Menschen zeigt, auch in 2020 ist nicht alles schlecht. Die Frau, die als Stifterin auftritt, aber auf keinen Fall öffentlich genannt werden möchte, bezahlt der Kommune am Staffelsee einen neuen Kindergarten. Mehr noch: ein Haus mit Kindergarten, Krippe, Nachmittagsbetreuung und Jugendraum. Das Projekt versah die Gemeinde mit dem sperrigen Begriff „Haus für Kinder und Jugendliche“ auf ihrer Tagesordnung. Mancher im Dorf rätselte schon, ob der Ort jetzt eine Entzugsklinik oder ähnliches erhält. Aber nein, es geht um ein Betreuungsangebot für die Kleinen im Ort, von denen es „Gott sei Dank sehr, sehr viele gibt“, wie Weiß sagt. Denn der Platz am Sonnenstein reicht nicht mehr aus. Für das bestehende Gebäude hat die IT-Firma Seitwerk bereits Interesse bekundet. Sie mietet derzeit schon einen großen Komplex neben dem Kindergarten.

Klausurtagung im Spätsommer

Auf ihrer Klausurtagung im Spätsommer bewerteten die Gemeinderäte geeignete Grundstücke. Platz eins der Prioritätenliste belegte eine 6000 Quadratmeter große Fläche in zweiter Reihe an der Bahnhofstraße. Und weil in Uffing derzeit viele glückliche Zufälle aufeinander treffen, gibt die Eigentümerin den Grund auch ab. „Zum fairen Preis“, wie Vize-Bürgermeister Josef Diepold (WGU) ergänzt. Die Summe bleibt noch geheim.

Den Neubau hält Diepold für notwendig. „Wir bauen den Kindergarten nicht nur, weil wir ihn geschenkt kriegen.“ Das Landratsamt hat den Standort längst für gut befunden. Etwa 4000 Quadratmeter lässt der Gemeinderat nun überplanen. Hinzu kommt eine neue Straße, die das Grundstück erschließt. Bislang verbindet nur ein Feldweg die Fläche und die Bahnhofstraße. Anfang 2021, so die Hoffnung des Ortschefs, sollten die erste Pläne vorliegen. Zur Eröffnung möchte die Spenderin kommen – und sich dann öffentlich zeigen.

So viel kann man nach der ersten Sitzung sagen: Es wird Widerstand geben. Ein wütender Anwohner nutzte die Bühne direkt, um seinen Frust loszuwerden. Er klagte über Entwertung der Grundstücke („200 000 Euro pro Anwesen“), sprach von bessere Alternativen, fragte nach dem Umweltschutz und schimpfte über die Informationspolitik der Gemeinde. „Wir wissen nichts, wir sind aus alle Wolken gefallen. Ich werde da Einspruch einlegen müssen. Nicht weil ich will, sondern weil ich muss.“ Weiß begegnete dem aufgebrachten Herren mit Sanftmut, wies ihn auf das Vorgehen der Gemeinde hin, das „seit Jahrzehnten angewendet wird“. Sobald die ersten Pläne fertig sind, darf jeder Bürger Bedenken vorbringen. Die werden danach, so gut es geht, eingearbeitet. „Für mich gibt es kein einfacheres und transparenteres Verfahren“, sagt der Rathauschef. Bei all dem Gram müsse man bedenken, dass dort die Zukunft heranwächst und möglicherweise auch die Menschen, die später einmal für die Uffinger sorgen.

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