Im Naturschutzgebiet im Einsatz: Gebietsbetreuerin Daniela Feige mit den beiden Naturschutzwächtern Hans-Georg Frühschütz (l.) und Mathias Wünsch vor dem Schild an der Uffinger Röthenbachstraße.
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Im Naturschutzgebiet im Einsatz: Gebietsbetreuerin Daniela Feige mit den beiden Naturschutzwächtern Hans-Georg Frühschütz (l.) und Mathias Wünsch vor dem Schild an der Uffinger Röthenbachstraße.

Pilotprojekt am Staffelsee

Uffinger Naturschutzwächter ziehen erste Bilanz - „Die Leute reagieren zu 95 Prozent aufgeschlossen und verständnisvoll“

Sie ist ein Erfolgsmodell, das inzwischen als Pilotprojekt gelten kann: die im Juli vergangenen Jahres ins Leben gerufene Uffinger Naturschutzwacht. Zeit für ein erstes Resümee.

  • Sie ist die erste Naturschutzwacht im Landkreis und seit knapp einem Jahr tätig.
  • Beteiligte ziehen ein erstes Resümee.
  • Der Großteil der Leute sei einsichtig, heißt es.

Uffing - Auch andere Gemeinden interessieren sich bereits für den Ansatz, der von der Diplom-Landschaftsökologin Daniela Feige von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen betreut und koordiniert wird. Auch Bürgermeister Andreas Weiß (parteilos) steht hundertprozentig hinter der hochengagierten Gruppe von Naturschutzwächtern. Die gegenwärtig acht Damen und fünf Herren der Wacht gehen in einem Naturschutzgebiet mit Nieder- und Hochmooren westlich des Staffelsees von etwa 1000 Hektar Größe auf Streife. Ihre Aufgaben bestehen unter anderem darin, Spaziergänger und Wanderer zu bitten, ihre Hunde anzuleinen, keine Wiesen zu betreten, um Bodenbrüter nicht zu stören, und erläutern ihnen die Besonderheiten der heimischen Pflanzen- und Tierwelt. „Die Leute reagieren zu 95 Prozent aufgeschlossen und verständnisvoll“, sagt Mathias Wünsch, der von Anfang an dabei ist. „Nur ein kleiner Personenkreis ist nicht einsichtig. Mit ihm muss man noch intensiver und tiefergehend reden.“ Für den studierten Forstwirtschaftler ist die ehrenamtliche Aufgabe ohnehin vertrautes Terrain. „Ich habe gesehen, dass sich hier in letzter Zeit viel verändert hat, vor allem hat sich der Besucherdruck in der Corona-Pandemie stark erhöht“, stellt der 54-Jährige fest. „Deshalb wollte ich dabei sein, wenn so etwas gegründet wird.“

Wegen des Geldes macht keiner mit

Und wie kommt man zur Naturschutzwacht? Wünsch: „Normalerweise findet die zweiwöchige Ausbildung an der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen statt. Aber wegen Corona wurde sie als Online-Modul organisiert.“ Das Themenspektrum ist dabei weit gefächert und umfasst etwa Recht, Ökologie, Gewässerkunde sowie Kenntnisse der Botanik. „Sehr wichtig sind auch Konversationsfähigkeit, Gesprächsführung und Moderation“, ergänzt Gebietsbetreuerin Feige. „Unsere Mitglieder sollen mit den Menschen, die sie treffen, gern ins Gespräch kommen. Von ihnen ist keiner wegen der Ehrenamtspauschale dabei, sondern aus vollem Herzen.“

Auch Rentner Hans-Georg Frühschütz (66) hat auf seinen Streifengängen überwiegend positive Erfahrungen gemacht. „Viele Leute denken zwar, wenn wir auftauchen: ‚Jetzt werden wir kontrolliert, müssen da raus, und dürfen da nicht mehr rein.‘ Doch wenn wir mit ihnen ins Gespräch kommen, merken sie schnell, dass dem nicht so ist. Man muss einfach freundlich auf sie zugehen.“ Manche hätten sich sogar schon bei ihm bedankt, weil er ihnen die örtliche Pflanzen- und Tierwelt erklärte. Im gleichen Sinne äußert sich Wünsch: „Es geht bei der Tätigkeit der Naturschutzwacht vor allem darum, die Menschen zu sensibilisieren, und nicht den Sheriff zu spielen. Unser Ziel ist es, nachhaltig aufzuklären und umfassend zu informieren.“

Kooperation mit Bauern

Großen Wert legen die Ehrenamtlichen auch auf ihr gutes Verhältnis zu den Landwirten in dem Gebiet, das sie betreuen: „Wir haben zum Beispiel zusammen mit einem Bauern Schwemmgut von dessen Wiesen geräumt, um ihm die Mahd im Herbst zu ermöglichen“, erzählt Wünsch. „Wir schauen ja auch darauf, dass Ausflügler nicht in den Wiesen der Landwirte herumfahren und dort parken. Es soll schließlich ein gutes, gemeinsames Miteinander sein.“ Sein Wunsch für die Zukunft? „Dass die Menschen mehr Rücksicht nehmen auf dieses wertvolle, wunderschöne Stück Natur.“

Heino Herpen

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