Rathaus-Chef rund 100 Tage im Amt - eine Zwischenbilanz

Uffings neuer Bürgermeister Andreas Weiß: Erster Boxenstopp nach einer Vollgas-Runde

100 Tage werden neuen politischen Amtsträgern in der Regel zugestanden, um sich einzuarbeiten, den einen oder anderen Erfolg vorzuweisen. Am Samstag läuft diese Schonfrist bei den erstmals gewählten Bürgermeistern ab. Uffings Andreas Weiß wird sich dann auf Deutschland-Tour befinden. Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Rund 100 Tage im Bürgermeister-Büro: Andreas Weiß.
  • Uffings neuer Bürgermeister trat sein Amt in Zeiten der Corona-Pandemie an.
  • Andreas Weiß und der Gemeinderat haben in den ersten drei Monaten jede Menge auf den Weg gebracht.
  • Das aktuell größte Ärgernis in Uffing: Unzählige Ausflügler hinterlassen Müll und Fäkalien.

Uffing – Die persönliche Note zeigt sich eher in der fachlichen Arbeit als in der Deko des Bürgermeisterbüros. Der Raum wirkt, als sei Andreas Weiß, bis Ende April noch Geschäftsleiter im Uffinger Rathaus und seit Mai neuer Bürgermeister, gerade erst mit leichtem Gepäck von nebenan eingezogen. Eine Magnetpinnwand: leer. Ein Wandregal: leer. In den offenen Fächern eines großen Schranks verliert sich ein Umschlag. An den Wänden hängen Bilder und das Kruzifix, die bereits bei Vorgänger Rupert Wintermeier (WGU) den Raum zierten. Zwei großformatige Fotografien auf Acryl lehnen in einer Ecke: eine Winterlandschaft, dazu ein stimmungsvolles Panorama, das den Blick von Harberg in Richtung Uffing zeigt. „Ich weiß noch nicht genau, wo ich sie aufhängen werde“, sagt Weiß. Es gab bisher Wichtigeres als die Bilder.

Uffings Bürgermeister Weiß: Der Wahlkampf ist beendet - nun hat die Sacharbeit begonnen

Weiß und der neue Gemeinderat haben, auch wenn Corona manches bremste, mächtig Gas gegeben in den ersten drei Monaten. Sie brachten bestehende Projekte weiter, neue auf den Weg. „Es war viel“, räumt der 36-Jährige aus Schöffau ein. „Das ist auch mein großes Ziel: Ich möchte etwas anschieben.“ Weiß, parteifrei und ohne eigene Gruppierung im Rücken angetreten, war von Anfang an wichtig, dass die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat funktioniert, „und es läuft gut, auch in der Verwaltung. Wir haben sehr rührige Mitarbeiter“. Den Wahlkampf erklärte Weiß, der sich gegen drei Mitbewerber durchgesetzt hatte, in der konstituierenden Sitzung für beendet; nun solle die Sacharbeit beginnen. „Das haben die anderen auch so mitgetragen.“ Im Juli hielt der Gemeinderat zwei Klausursitzungen ab, im September sind zwei Tage in Ohlstadt vorgesehen, um den Fahrplan für die nächsten Jahre festzulegen. Zudem will man beginnen, ein Leitbild für die Gemeinde zu erstellen.

Andreas Weiß setzt auf Öffentlichkeit: „Die Gemeinde hat eigentlich kein Geheimnis“

Der frische Wind brachte Veränderungen. Bau-, Haupt- und Finanzausschuss sind zu beschließenden Gremien geworden, um „Kapazitäten für den Gemeinderat zu schaffen, damit er sich um wegweisende Entscheidungen kümmern kann“, sagt Weiß, der auch in Sitzungen auf Öffentlichkeit setzt, um die Menschen mitzunehmen: „Die Gemeinde hat eigentlich kein Geheimnis.“ Eine neue Bürger-Info wurde auf den Weg gebracht, im September soll ein Rats-Info-System starten, das die Mandatsträger digital mit Unterlagen versorgt. Einiges, was Weiß und die Räte anpackten, war Pflicht, anderes Kür, wie der für Mitte Oktober erstmals geplante Regionalmarkt. Und manches bekam Uffing einfach von außen übergestülpt – wie das aktuell akuteste Ärgernis: die Folgen des ungebremsten, riesigen Zustroms an Tagesausflüglern, auf den man unter anderem mit Naturschutzwächtern und Gebühren für die einschlägigen Parkplätze reagierte; eine Firma aus Murnau soll ein Konzept zur Besucherlenkung erarbeiten. Vergangenes Wochenende sei das Problem „ganz massiv“ gewesen, sagt Weiß, der „fast sprachlos“ ist angesichts dessen, was sich abspielt. Horden an Ausflüglern, darunter zunehmend Wildcamper, kommen an den Staffelsee und hinterlassen jede Menge Müll und Fäkalien. „Den Ortsansässigen fehlt das Verständnis dafür, warum das sein muss.“ Seit Beginn der Ferien in Deutschland wurde die Lage immer schlimmer. „Der vergangene Samstag war einer der Spitzentage dieses Jahres“ – im negativen Sinn.

Noch immer gratulieren Menschen zum Wahlsieg - man hat sich in Corona-Zeiten über Monate nicht gesehen

Die Corona-Pandemie hält die Menschen eher im eigenen Land. Weiß trat sein Amt in beispiellos außergewöhnlichen Zeiten an. Der Gemeinderat tagt in der Turnhalle, das Menschliche kommt (zu) kurz: „Mir gratulieren jetzt noch Leute. Manche habe ich einfach drei Monate lang nicht mehr gesehen.“ Termine gab es nur, wenn sie unbedingt nötig waren. „Jetzt zieht es wieder etwas an.“ Weiß erhielt dadurch immerhin mehr Zeit, sich auf dem neuen Posten zurechtzufinden. Hinter ihm liegen „recht intensive Monate“: erst der Wahlkampf, dann der Start als Bürgermeister. Nach rund 100 Tagen im Amt – „eine schöne Zeit, die sehr schnell vergangen ist“ – freut er sich auf den heute beginnenden Urlaub mit Ehefrau Stefanie und den acht, neun und zwölf Jahre alten Töchtern. Die Weiß’ gehen mit Wohnwagen auf eine dreieinhalbwöchige Deutschland-Tour. Die gemeinsamen Tage sind wertvoll. Seit Weiß Bürgermeister ist, lässt sich seine Arbeitszeit schlechter kalkulieren. 50 bis 60 Stunden pro Woche kommen zusammen, auch weil sich in manchen Dingen erst noch Routine einstellen muss. Weiß legt Wert auf gutes Zeitmanagement, schaut, was wirklich wichtig ist. Und er plant bewusst Freiräume für die Familie ein. Ob im Büro die eigenen Bilder an der Wand hängen, spielt eine untergeordnete Rolle.

Lesen Sie auch: Überraschung in Uffing: Stichwahl bleibt aus - Weiß schafft‘s im ersten Durchgang

Rubriklistenbild: © Silke Jandretzki

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