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Stolz auf die Auszeichnung: Von Bernadette Wimmer (3 v. l.) bekommen Kirchenpfleger Georg Pantele (2. v. l.) und Pfarrer Robert Walter (r.) die Plakette „Fledermäuse willkommen“ überreicht. Zuvor hatte Eva Kriner (l.) einen Vortrag über das „Große Mausohr“ gehalten. 

Seltene Gäste im Gotteshaus

Fledermäuse bevölkern Kirchenturm in Uffing

Die 150 Fledermäuse, die im Uffinger Kirchturm leben, sind gerne gesehen. Pfarrer Robert Walter und Kirchenpfleger Georg Pantele bringen sogar ein Schild am Gotteshaus an, mit dem sie die Tiere willkommen heißen. Herausgegeben wird die Plakette vom Landesamt für Umwelt – sie gilt als Auszeichnung.

Uffing – Sei etwa sechs Jahren hat eine Kolonie von etwa 150 Exemplaren der streng geschützten Fledermausart „Großes Mausohr“ in der warmen Jahreszeit ihr Domizil im Uffinger Kirchturm. Diese Tatsache bescherte der Pfarrgemeinde St. Agatha dieser Tage eine begehrte Auszeichnung in puncto Naturschutz. Denn die nachtaktiven Tiere sind im Turm gerne gesehen. Im Gegensatz zu den ebenfalls unter Schutz stehenden Dohlen (Rabenvögel), die erhebliche Mengen an feuchtem Nistmaterial in das Bauwerk geschleppt und Schäden an der Holzkonstruktion verursacht haben.

Willkommensschild am Gotteshaus

Um den Fledermäusen nach wie vor den Zugang zum Turm zu ermöglichen, ihn den Dohlen jedoch zu verwehren, hat die Kirchengemeinde in Zusammenarbeit mit der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Südbayern und der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Garmisch-Partenkirchen großen Aufwand betrieben: Hölzerne Einflugkästen wurden montiert und Öffnungen im Mauerwerk verschmälert, durch die nur die Fledermäuse ins Innere des Turms gelangen. Die Dohlen erhielten im Gegenzug von außen anfliegbare Nistkästen. Früher sollen dem Uffinger Pfarrer Robert Walter zufolge Turmfalken die Dohlen ferngehalten haben. Doch nach dem Ausfall eines Geleges seien diese fort gewesen.

Der Turm wurde mittlerweile vom Landesamt für Umwelt als „FFH-Gebiet“ ausgewiesen. Für ihren umfassenden Einsatz für das „Große Mausohr“ überreichte Bernadette Wimmer, Fachkraft für Naturschutz im Landratsamt, am vergangenen Donnerstag Pfarrer Walter und Kirchenpfleger Georg Pantele im Pfarrheim die vom Landesamt für Umwelt herausgegebene Plakette „Fledermäuse willkommen“. Diese soll am Gotteshaus angebracht werden. St. Agatha ist nach St. Georg in Aidling die zweite Kirche, die diese Auszeichnung erhält.

Kot der Tiere ist besonders nützlich

Dass Fledermäuse eine überaus interessante Spezies sind, hatte zuvor Diplom-Biologin Eva Kriner von der Koordinationsstelle in einem Vortrag des Katholischen Kreisbildungswerkes unter dem Thema „Kirchenbesucher der anderen Art“ aufgezeigt. So erläuterte die Expertin ihren etwa 30 Zuhörern die Anatomie der „Großen Mausohren“, die bis zu 30 Jahre alt werden können und zur Orientierung im Dunkeln über eine raffinierte Echo-Ortung im Hochfrequenzbereich verfügen. Die hoch spezialisierten Tiere leben ausschließlich von Käfern und anderen Insekten. „Ihr Kot, den wir im Uffinger Kirchturm sammeln, ist ein hervorragender Blumendünger“, sagte die Referentin. Interessierte können diesen beim Landesbund für Vogelschutz im Kreisort in Säckchen beziehen.

Während die Fledermäuse den Winter in abgelegenen Höhlen oder Felsspalten verschliefen, brächten die Weibchen in den „Wochenstuben“ – wie etwa im Uffinger Kirchturm – jeweils nur ein lebendes Junges zur Welt. „Nach vier Wochen sind die Kleinen flugfähig und müssen für sich selber sorgen“, so Kriner. In diesem Zusammenhang warb sie für den Erhalt alter Obstbaumwiesen im Dorf: „Dort suchen die Fledermäuse ihre Nahrung. Aber diese Lebensräume gehen immer mehr verloren.“

Heino Herpen

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