Soll sicherer werden: die Straße, die durch Harberg und nach Brand führt.
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Soll sicherer werden: die Straße, die durch Harberg und nach Brand führt.

Unweit des Staffelsees

Seit Corona-Lockerungen: Biker entdecken idyllischen Weiler als Raserstrecke - Bewohner verzweifeln

Die Bewohner des Uffinger Weilers Harberg sind alarmiert: Immer wieder missbrauchen Motorradfahrer die Straße nach Brand als Rennstrecke. 

  • Nach den Lockerungen in der Corona-Pandemie nimmt der Ausflugsverkehr vielerorts zu.
  • Der kleine Weiler Harberg bei Uffing am Staffelsee leidet zunehmend unter rasenden Motorradfahrern.
  • Die Strecke ist wegen zwei 90-Grad-Kurven sehr beliebt.
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Harberg bei Uffing: Motorradfahrer nutzen kleinen Weiler als Raserstrecke

Uffing – Beinahe nichts in Harberg erinnert daran, dass das Jahr 2020 erreicht ist. Die Wiesen, die Wälder, dazwischen das kleine, gelbe Schloss mit Turm und Blick auf die Berge – gewiss hat Uffing viele schöne Flecken, aber wenig schönere als diesen Weiler mit 20 Einwohnern und einem Vielfachen an Bäumen. 

Harberg: Zwei 90-Grad-Kurven locken Motorradfahrer an

Doch zu Harberg und dem Leben dort gehört auch die Asphaltstraße, die Trasse in die normale Welt. Wie ein massiger Python schlängelt sie sich durch den Ort zum nächsten Weiler nach Brand, gefährlich und unübersichtlich. Zwei 90-Grad-Kurven erinnern an die NGK-Schikane auf dem Nürburgring oder die Malmedy-Ecke in Spa. Nur dass diese Strecken offiziell für Motorsport freigegeben sind und nicht dafür missbraucht werden, wie das Motorradfahrer in Harberg handhaben. 

Der kleine Weiler Harberg wird bei Motorradfahrern wegen seiner scharfen Kurven immer beliebter.

Harberger bitten Bürgermeister von Uffing wegen Rasern um Hilfe

Die Auswüchse der Corona-Stadt-Flucht (man denke auch an Folgen für kleine Dörfer wie Eschenlohe, die sich plötzlichem Massentourismus ausgesetzt sehen) haben die Strecke unter Bikern offenbar noch populärer gemacht. Für die Bewohner ist der Punkt erreicht, der sie zum Handeln zwingt: In zwei Schreiben an die Gemeinde Uffing bitten sie Bürgermeister und Räte um Hilfe gegen die Raser.

Ähnlich verzweifelt sind auch die Menschen, die am Kesselberg im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen leben. Die Straße dort ist seit Jahren ein Motorradfahrer-Hotspot - mit gefährlichen Folgen.

Raser in Harberg: Gemeinderat Bechtolsheim sieht in Kurven eine „ernsthafte Gefährdung“

Den ersten Brief, den alle 20 Harberger unterzeichnet haben, hat Marcus von Bechtolsheim (WGU) aufgesetzt. Seit März ist er sowieso der offizielle Vertreter des Weilers – er gehört dem Gemeinderat an. Bechtolsheim schreibt von „einer ernsthaften Gefährdung“ an den beiden Kurven. Sechs Kinder, drei davon unter drei Jahren, leben in den Häusern an der Straße. 

Kinder, Wanderer, Wild: Raser auf kurviger Strecke durch Harberg gefährden viele

Außerdem wandern viele Gäste und Urlauber auf dem beliebten Ausflugspfad durch den Ortsteil. Mehrmals mussten Autofahrer vollbremsen, auf das Bankett oder ins Gras ausweichen. Die Bewohner haben eigene Warnschilder angebracht. An die Tempo-30-Begrenzung halten sich viele nicht. Kritisch wird die Lage, sobald Lastwagen oder Landwirtschafts-Maschinen die Straße befahren. Sie füllen die komplette Breite aus. Zudem erhöht das Wild in den Wäldern die Unfallgefahr. Jedes Jahr zählt Bechtolsheim ein, zwei Zusammenstöße.

Harberg bei Uffing: „Neue Motorrad-Rennstrecke“ - Wettkämpfe inklusive

In einer ergänzenden, zweiten E-Mail berichtet Nachbar Chris Weller von einer „neuen Motorrad-Rennstrecke“. Anders könne er sich den Zuwachs an Maschinen mit Kennzeichen aus Ingolstadt, München oder Fürstenfeldbruck nicht erklären. Kürzlich verfolgte er einen Wettkampf zwischen drei Fahrern. „Dringendes Handeln“ sei geboten. 

Was kann gegen Raser durch Harberg helfen?

Weller bevorzugt eine Straße, die nur Anlieger und ihre Gäste nutzen dürfen. Bechtolsheim schlägt Fahrbahnschwellen vor, die häufig auf Campingplätzen die Autofahrer zum Abbremsen bewegen sollen. Auch eine Tempo-Reduzierung auf zehn Stundenkilometer halten die Harberger für sinnvoll.

Messung in Harberg: Fast jeder Fünfte fährt an den brisanten Stellen zu schnell

In einem ersten Schritt hat die Kommune fast zwei Wochen lang das Verkehrsaufkommen an den beiden brisanten Stellen gemessen. Mit dem Ergebnis, dass etwa 18,5 Prozent zu schnell fuhren. 642 Autos, Radler oder Fußgänger registrierte die Anlage. Bürgermeister Andreas Weiß (parteifrei) besuchte Harberg kürzlich mit dem Rad und sah selbst einen Motorradfahrer spektakulär in der Kurve liegen. „Ich kann mir nicht vorstellen, was die Leute bewegt.“ Weiß hat nun einen Ortstermin organisiert. Landratsamt, Polizei und ein Firmenvertreter des Verkehrsschilder-Herstellers begutachten die Lage mit den Anwohnern.

Schwellen könnten Raser durch Harberg ausbremsen

Vize-Bürgermeister Josef Diepold (WGU) schlug bereits vor, die Schwellen versuchsweise anzubringen, „damit wir Reaktionen bekommen“. Bei Bechtolsheim erkundigte er sich, ob nicht eine Umgehungsstraße, wie an anderen Weilern üblich, eine Alternative wäre. „Nicht machbar“, antwortete der Harberger. Man müsste Gräben überqueren, Wiesen ausheben – auf einer Strecke von locker 500 Metern. Dieses Projekt dürfte mehrere hunderttausend Euro kosten. Bechtolsheim stellt klar: „Das ist für mich nicht zu bezahlen.“

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