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Tuffhaus mit Geschichte: das Gebäude an der Rußbichlstraße/Ecke Bahnhofstraße in Uffing. 

Wird das Haus zum braunen Pilgerort?

Hitlers Fluchtort unter Denkmalschutz

Dieses Haus hat Geschichte: das Tuffsteingebäude in Uffing. Aber nicht, weil es Hitler nach dem gescheiterten Putsch in München dort abstieg. Die Immobilie ist noch aus ganz anderem Grund von Bedeutung. 

Uffing – Es ist ein spezielles Haus, das jetzt in die Denkmalliste aufgenommen wurde. In dem Tuffsteingebäude an der Rußbichlstraße 2 in Uffing suchte 1923 Hitler Zuflucht, nachdem der Putsch in München gescheitert war. Dies ist aber nicht der Grund, warum es unter Schutz gestellt wird. Dies liegt vielmehr an seiner geschichtlichen, volkskundlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung.     

Vor geraumer Zeit wurde ein Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege in Uffing vorstellig. Zusammen mit dem Eigentümer, dabei handelt es sich um einen Privatmann aus dem Ort am Staffelsee, wurde die Immobilie inspiziert. Auch Bürgermeister Rupert Wintermeier (WGU) war mit dabei. Das Hanfstaengl-Haus ist schon seit mehreren Jahren nicht mehr bewohnt. Der Mitarbeiter der Denkmalbehörde „hat sich das angeschaut und eine Stellungnahme abgegeben“, sagt der Rathauchef. Nun wird die Kommune angehört. Die Sache kommt am Donnerstag, 9. März, in der Gemeinderatssitzung auf den Tisch (Beginn: 20 Uhr). „Wir müssen uns bis Ende März äußern“, sagt Wintermeier. Dorothee Ott, Sprecherin des Denkmalamts, betont jedoch, dass die Gemeinde nur informiert werde. Das Gebäude sei bereits „in die Denkmalliste nachgetragen“.

Vom Eigentümer war keine Stellungnahme zu bekommen. Dieser hätte es nach Angaben des Bürgermeisters gerne, dass der hintere Teil des Objekts nicht geschützt wird. Der rückwärtige Anbau stammt aus dem Jahr 1924, das Haupthaus von 1867. Bis dato habe sich die Kommune bei Objekten, die in die Denkmalliste aufgenommen wurden, stets der Meinung des Eigentümers angeschlossen, erklärt der Gemeindechef. Ob und wann der Besitzer mit dem Haus etwas macht, sei „schwer abzuschätzen“. Dass sich Rechtsextremisten von dem denkmalgeschützten Gebäude angezogen fühlen, glaubt Wintermeier nicht. Ein Anziehungspunkt für Neonazis sei das Haus bis dato nicht gewesen. „Warum soll es das jetzt werden?“ Die Immobilie sei auch nicht „allgemein bekannt“ und sei zudem „kein Wohnhaus“ Hitlers gewesen.

Auch bei der Denkmalbehörde geht man „nicht davon aus, dass sie sich zu einer ,braunen Pilgerstätte‘ entwickeln wird. Das Haus wurde in seiner Eigenschaft als ehemaliges Handwerkerhaus in die Denkmalliste eingetragen – wegen seiner geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung“, betont Sprecherin Ott. Nach Tagblatt-Informationen gibt es aber im Dorf durchaus Bedenken, dass das Gebäude verstärkt in den Fokus der Rechten geraten könnte.    

Rückblende: Polizeioberleutnant Rudolf Belleville hatte Hitler am 11. November 1923 nach dem missglückten Putsch in München im Hanfstaengl-Haus im Schlafanzug angetroffen und ihn festnehmen lassen. Dabei war auch der örtliche Dorfpolizist Georg Schmidell involviert. Hitler war an der Schulter verletzt. Angeblich soll ihn der berühmte Arzt Ferdinand Sauerbruch in Uffing versorgt haben. Dies hat zumindest der einstige Generalstaatskommissar Gustav von Kahr einmal berichtet. Hitler wurde schließlich ins Bezirksamt nach Weilheim gebracht und von dort nach Landsberg ins Gefängnis überstellt.

Errichtet hatte das Uffinger Gebäude 1867 der Maurermeister Höck aus Huglfing, und zwar als Wohnhaus für den Schneidermeister Michael Streicher und dessen Frau Anna. „Vermutlich stammt das Material für das ungewöhnliche Tuffsteinmauerwerk aus den Huglfinger Steinbrüchen“, erklärt Ott. Bei dem Anwesen handle es sich um eines der seltenen, insgesamt in seinem Baubestand gut erhaltenen Handwerkerhäuser des 19. Jahrhunderts, die einst in der Region des Starnberger Sees, Ammer- und Staffelsees weit verbreitet waren.

Noch ein Blick nach Österreich. Hitlers Geburtshaus in Braunau war ein Pilgerort für Neonazis. Im vergangenen Jahr stand ein Abbruch im Raum. Nun wird es aber doch nicht abgerissen, sondern saniert und einer sozialen Nutzung zugeführt.


Roland Lory

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