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Streitthema Zaun: Um dieses Drahtgeflecht geht es bei dem Konflikt.

Gerichtstermin in Uffing

Wildschutz: Clinch um Zäune

Themen rund um die Jagd werden nicht selten kontrovers diskutiert. Man denke nur an die Debatten um das Verbissgutachten. Im vorliegenden Fall geht es um einen Wildschutzzaun, der im Uffinger Gemeindegebiet errichtet wurde. In Kürze findet vor Ort ein Gerichtstermin statt.

Uffing – Es sind rund 30 Jahre, die die Familie des Jagdpächters das Revier im Gemeindebereich von Uffing mittlerweile betreut. Es umfasst etwa 550 Hektar. Seit etwa zwei Jahren gibt es aber eine Änderung: In dem Gebiet ist ein Zaun angebracht, mit dem sich der Jagdpächter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, nicht anfreunden kann und will. Mit dem rund einen Meter hohen Drahtgeflecht will ein Landwirt eine 3,5 Hektar große Wiese, die ihm zum Teil gehört und die er partiell gepachtet hat, vor Wildsauen schützen. Der Jagdpächter hingegen findet: „Das ist ein Gebiet, wo ein Zaun nichts zu suchen hat.“ Denn dadurch werde die Biodiversität in Mitleidenschaft gezogen, also die biologische Vielfalt: in diesem konkreten Fall Hase, Fuchs, Dachs, Reh- und Wechselwild sowie Rot- und Schwarzwild. „Die Tiere können die Wiese nicht mehr betreten“, beklagt der Mann. „Wenn das Schule macht, haben wir hier in Oberbayern ein Problem.“ 

Er will verhindern, dass ein Präzedenzfall geschaffen wird. Was ihm auch Magengrimmen bereitet: Der Verbiss im Wald nimmt seiner Ansicht nach zu, wenn Grünland eingezäunt ist. „Auch die Jagd wird gigantisch eingeschränkt.“

Um es auf den Punkt zu bringen: „Wenn es zulässig sein sollte, dass Grünland ungehindert eingezäunt werden darf, gibt es im Bereich des Jagdreviers bald keinen frei zugänglichen Naturraum mehr.“ So steht es in einem Schreiben, das der Rechtsbeistand des Jagdpächters an das Verwaltungsgericht München schickte. Und weiter: „Damit wird nicht nur die Jagdausübung unmöglich gemacht, sondern auch das freie Betreten der Natur sowohl durch den Kläger als Jagdpächter wie für die Allgemeinheit.“ Man könne sich durch die Natur nur noch bewegen, wenn man eine Sperre um die andere überwindet. Dies soll jedoch gemäß der Bayerischen Verfassung „gerade nicht der Fall sein“. 

Die Sache kommt nun am Donnerstag, 12. Oktober, im Rahmen eines Augenscheins des Verwaltungsgerichts auf den Tisch. Der Jagdpächter klagt gegen den Freistaat Bayern. Bereits 2016 hatte der Anwalt des Mannes beantragt, dass das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen als Untere Jagd- und als Untere Naturschutzbehörde gegen die zunehmenden Wildschutzzäunungen einschreitet. Der Jagdpächter findet, dass es sich um Sperren handelt, die Kreisbehörde sieht es anders. Die Einzäunung könne „relativ problemlos überstiegen werden“, teilt Franziska Klein vom Büro des Landrats mit. Eine Sperre im naturschutzrechtlichen Sinn liege nicht vor. Eine Anzeige sei daher nicht erforderlich gewesen und eine Beseitigungsanordnung nicht veranlasst.

Der Anwalt des Mannes reichte daraufhin eine Klage ein. Das Ziel: Das Landratsamt soll „unter der Rechtsauffassung des Gerichts erneut über den Antrag auf Einschreiten gegen die Zäunung“ entscheiden. In jagdrechtlicher Hinsicht wurde die Klage nach einer Verhandlung zurückgenommen. „In naturschutzrechtlicher Hinsicht finden nun ein Augenschein und anschließend die mündliche Verhandlung mit der dafür zuständigen Kammer statt“, erklärt Klein. Beigeladen ist der erwähnte Landwirt. Er wollte im Vorfeld keine Stellungnahme abgeben.

Der Kläger äußert Verständnis für den Bauern. Doch es gebe auch andere Möglichkeiten, gegen Wildschweine vorzugehen: Drückjagden etwa oder auch Saufänge, also Fallen.

Roland Lory

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