Experte: Buchautor Dr. Peter C. Düren mit einem Bild von Franz Xaver Schweyer
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Experte: Buchautor Dr. Peter C. Düren mit einem Bild von Franz Xaver Schweyer

München benennt Straße nach früherem bayerischen Innenminister

Kampf gegen Hitler: Besondere Ehre für Wahl-Uffinger Schweyer

Früh warnte Franz Xaver Schweyer vor der Barbarei des Nationalsozialismus, reizte die aufkommende Partei bis aufs Blut. Noch 1943 bezeichnete ihn Hitler als „niederträchtiges Subjekt“. Da war Schweyer längst an den Folgen seiner Haft gestorben. Nun ehrt die Stadt München den mutigen und klarsichtigen Politiker. Auch in Uffing freut man sich.

Uffing/München – Für Uffing ist es etwas ganz Besonderes, wenn am morgigen Dienstag in München eine Straße nach dem ehemaligen bayerischen Innenminister Franz Xaver Schweyer benannt wird: Im Ortsteil Schöffau hat der aus Kaufbeuren stammende Politiker und Widersacher Hitlers mit seiner Familie am Ende des 19. Jahrhunderts zeitweise gelebt. Seiner Wahlheimat fühlte sich Schweyer sehr verbunden, wie Äußerungen dokumentieren. In Uffing hegt man beste Erinnerungen an den einstigen Innenminister, will man ihn in der Ortschronik nicht missen. „Wir freuen uns über die hohe Auszeichnung, Schweyer war ein unermüdlicher Kämpfer gegen die Barbarei des Nationalsozialismus“, sagt Bürgermeister Andreas Weiß (parteifrei) merklich bewegt im Tagblatt-Gespräch. „Auch wir werden sein Andenken in Ehren halten.“

Früherer Innenminister: Schweyer stirbt an den Folgen seiner Haft

Schweyers Widerstand gegen Hitler, eine weise, fast prophetische Voraussicht schon in den 1920ern auf die dunklen Wolken, die in den Wirren nach dem Ersten Weltkrieg am Himmel über Deutschland aufzogen, später dann selbst Opfer der braunen Agitation, gestorben 1935 an den Folgen seiner Haft: All das bewog das jetzige bayerische Innenministerium, den Mann für sein Tun zu ehren – unter anderem mit einer Gedenkveranstaltung, die am Dienstag um 14 Uhr in der Theatinerkirche stattfinden wird. Auf den Tag genau vor 100 Jahren, am 21. September 1921, wurde Schweyer Innenminister des Freistaats Bayern. Er – und ab 1924 sein Amtsnachfolger Karl Stützel – hätten sich „mit klarer entschlossener und aus tiefster christlicher Überzeugung“ dem damals aufkommenden und immer stärker werdenden Nationalsozialismus entgegengestellt, heißt es in einer Pressemitteilung der Behörde. Innenminister Joachim Hermann (CSU) sieht die Ehrung als eine Frage historischer Gerechtigkeit: „Das ist der richtige Tag, um die beiden damaligen Innenminister für ihren heldenhaften Widerstand gegen die NS-Barbarei und ihre strikt antinationalistische Politik zu würdigen.“ Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung wird neben dem Ministerium am Odeonsplatz ein Straßenschild mit der Aufschrift „Franz-Xaver-Schweyer-Straße“ enthüllt. Auch eine Gedenktafel bekommen Schweyer und Stützel, geplant ist, sie im Ehrengang des Ministeriums zu platzieren, „damit an diese herausragenden Demokraten erinnert wird“, wie es weiter in der Mitteilung heißt.

Hitler bezeichnet Schweyer als „niederträchtiges Subjekt“ - noch Jahre nach dessen Tod

Es war ein bewegtes politisches Leben, eines, das den braunen Diktator am Beginn seiner brutalen Hetzkampagnen in den frühen 1920er Jahren nicht nur einmal in Bedrängnis brachte. So tief fühlte er sich durch Schweyer im Mark getroffen, dass er ihn noch 1943, viele Jahre nach seinem Tod, als „niederträchtiges Subjekt“ bezeichnete. Schweyer hatte den Schwindel von Hitlers Demagogie durchschaut und überhaupt den Ungeist des Nationalsozialismus, den er als primitiv und zutiefst unchristlich empfand, hellsichtig und mit klaren Worten verurteilte. So sprach er sich etwa dafür aus, den braunen Agitator in dessen Heimatland Österreich auszuweisen, hatte aber keinen Erfolg damit.

Ehre für Wahl-Uffinger Schweyer: Innenminister geht auch publizistisch gegen braune Umtriebe vor

Von 1917 bis 1921 hatte Schweyer das Militärreferat des Ministeriums inne, im gleichen Jahr wurde er bayerischer Innenminister. 1922 ist Hitler bei Schweyer, der dem NSDAP-Führer das Ehrenwort abnimmt, niemals einen Putsch zu versuchen. Was davon zu halten ist, zeigt sich bereits ein Jahr später, als Hitler und seine Leute zur Feldherrnhalle marschieren.

Auch publizistisch geht der Innenminister gegen die braunen Umtriebe vor: In seinem Buch „Politische Geheimverbände“, das 2011 im Hamburger Severus-Verlag als Nachdruck erschien, geißelt er die Umtriebe der Nazi-Partei. All das wurde ihm 1933 zum Verhängnis: Nach der Machtergreifung wurde wird der kranke Ex-Minister eingesperrt, 1935 starb er 67-jährig an den Folgen. Beerdigt wurde Schweyer auf dem Münchner Waldfriedhof.

Zum 80. Todestag von Franz Xaver Schweyer 2015 erscheint eine Biografie

All das und vieles mehr ist in einer Biografie nachzulesen, die anlässlich Schweyers 80. Todestag im Jahr 2015 erschien. Autor ist der Augsburger Theologe Dr. Peter Christoph Düren.

Rafael Sala

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VonAndreas Mayr

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