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Ortstermin nahe Uffing: Das Verwaltungsgericht beim Augenschein im Herbst 2017.

Anordnung des Landratsamtes

Landwirt muss Wildschwein-Zaun wieder entfernen

Nun ist es amtlich: Der Zaun, den ein Landwirt an einer Wiese bei Uffing zum Schutz vor Wildsauen gebaut hat, muss entfernt werden. Der Grund: das Recht der Bevölkerung auf freies Betreten der Natur.

Uffing – Die Wildschweine sind weiter auf dem Vormarsch. Gern halten sie sich zum Beispiel in der Gegend von Uffing auf. Um eine mehrere Hektar große Wiese vor Schäden durch Schwarzkittel zu schützen, errichtete ein Landwirt vor ein paar Jahren einen rund einen Meter hohen Zaun. Nun hat ihn das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen aufgefordert, die Konstruktion bis Ende Mai zu entfernen. Sollte er dies freiwillig nicht tun, erwägt die Kreisbehörde „nach derzeitigem Stand eine förmliche Beseitigungsanordnung“, wie Stephan Scharf mitteilt, Sprecher der Kreisbehörde. „Gegen diese stünde dem Betroffenen der Klageweg offen.“ Von dem Landwirt war keine Stellungnahme erhältlich.

Der Fall war im vergangenen Jahr vor Gericht gelandet. Denn der Jagdpächter war mit dem Zaun nicht einverstanden. Er sah sich in der Ausübung der Jagd beschränkt, weil das Wild wegen des Zauns nicht mehr auf die Wiese gelangen könne. Zudem argumentierte er, dass damit der Verbiss im Wald zunehme. Auch das Recht auf freies Betreten der Natur führte er ins Feld. Der Bauer wiederum hatte von massiven Wühlschäden berichtet, sie zu beheben habe einen hohen Aufwand erfordert. Solche „Krisengebiet“ müsse man vor den Sauen schützen dürfen, betonte der Landwirt im vergangenen Jahr.

Das Verwaltungsgericht gab allerdings der Klage des Jagdpächters statt, die vom Bayerischen Jagdverband unterstützt wurde. Das Landratsamt musste sich der Sache erneut annehmen. Das Gericht „hat in seinem Urteil vom Oktober 2017 betont, dass die Umzäunung den Voraussetzungen des Bayerischen Naturschutzgesetzes widerspricht und in großem Umfang das (von der Verfassung geschützte) Betretungsrecht der Bevölkerung einschränkt“, erklärt Scharf.

Es habe auch auf die mit der Errichtung solcher „Sperren“ verbundenen Folgen und Nachahmungseffekte hingewiesen. „Unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichts verbleibt dem Landratsamt nur ein eingeschränkter Entscheidungsspielraum.“  Der Eigentümer müsse deshalb damit rechnen, den Zaun vollständig entfernen zu müssen. Der Kläger hat sein Ziel damit voll erreicht. Sein Rechtsanwalt Dr. Michael Jobst betont aber, dass es seinem Mandanten nicht darum gehe, den Landwirt zu schädigen und ihm Schwierigkeiten zu machen. Der Kläger wolle vielmehr erreichen, „dass solche Zäunungen nicht weiter um sich greifen, dass man dem einen Riegel vorschiebt“. Der Jagdpächter selbst zeigt sich überrascht, dass das Landratsamt „voll zurückgerudert ist“ und der Zaun komplett abgebaut werden muss. Aus seiner Sicht handelt es sich um einen „Präzedenzfall, der für ganz Bayern gilt“. Für den Kläger steht fest: „Wir müssen gemeinsam eine Lösung finden.“ Das massive Auftreten des Schwarzwilds sei „Neuland für die Bauern und Neuland für die Jagdpächter“.

Wie man die Wiesen vor den Schweinen schützen kann, weiß der Kläger auch nicht. Ein etwa 30 Zentimeter hoher Elektrozaun, den Rehwild überspringt, die Sau aber nicht, überzeugt ihn nicht restlos. Denn: „Der Aufwand ist gewaltig.“ Um dem Schwarzwild Herr zu werden, will er jetzt einen so genannten Saufang testen, also eine Lebendfalle. Sie steht schon, muss vom Landratsamt aber noch abgenommen werden. Wenn dies erledigt ist, darf der Jagdpächter mit der Konstruktion aber nur Frischlinge fangen. Sein Credo: „Man muss alles ausprobieren.“

Roland Lory

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