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Wertvolle Natur: Niedermoor mit Mehlprimeln.

Managementplan für „Grasleitner Moorlandschaft“

Natura 2000: Die Ängste der Bauern

Bringen Behörden das Thema FFH-Gebiete auf die Agenda, werden die Grundeigentümer hellhörig. Im Fall der „Grasleitner Moorlandschaft“ ist das nicht anders. Landwirte fürchten, dass ihre Arbeit künftig schwerer wird.

Schöffau – Gelbbauchunke, Frauenschuh, Skabiosen-Scheckenfalter oder auch Hochmoor-Großlaufkäfer: All diese gefährdeten Arten und einige mehr kommen im Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) Grasleitner Moorlandschaft vor. Das Areal zwischen Oberhausen, Uffing und Böbing gilt als eine der ökologisch hochwertigsten Landschaften in der Region. Dies soll so bleiben. Aus diesem Grund erarbeiten Naturschutzexperten im Auftrag der EU derzeit einen Managementplan für dieses so genannte Natura-2000-Gebiet. Federführend zuständig ist die Regierung von Oberbayern.

Die Grasleitner Moorlandschaft umfasst mehr als 2000 Hektar. Sie sei „ein wichtiger Bestandteil im Natura-2000- Netz im südlichen Oberbayern“, erklärt Regierungssprecherin Michaela Krem. Im Gemeindegebiet von Uffing liegen 44,8 Hektar, und dort vor allem in der Gemarkung Schöffau. Viele der Landwirte sind betroffen – und haben durchaus Bedenken. Johann Winkler, Landwirt, Kreisvorstandsmitglied des Bayerischen Bauernverbands und Schöffauer Ortsobmann, befürchtet, dass die Arbeit der Eigentümer beeinträchtigt und erschwert wird. Zum Beispiel, wenn es um Borkenkäfer-Kalamitäten, größere Holzaktionen oder auch Wegebau geht.

Eine weitere Sorge: Von Berufskollegen in anderen Gebieten hat er gehört, dass sie bei Pflegemaßnahmen nicht mehr berücksichtigt worden seien. Winkler findet: „Das gehört großflächig verteilt. Das sollte ein Miteinander sein. Die Untere Naturschutzbehörde muss da ein bissl aufpassen.“

Was Winkler auch missfällt: Als Eigentümer sei er nicht zur Auftaktveranstaltung zum Managementplan eingeladen worden. „Das wäre das Mindeste.“ Er selbst besitzt zehn bis 15 Hektar Streuwiesen, Filz und Wald. Unbedingt verhindern muss man seiner Ansicht nach, dass das Gebiet ausgeweitet wird und Nutzflächen aufgenommen werden, „die man nur extensiv bewirtschaftet werden kann“.

In der Auftaktveranstaltung wurde auch die Frage nach dem Umgang mit Totholz in der Ach aufgeworfen. Der Managementplan greift dieses Thema auf „und versucht gemeinsam mit den beteiligten Behörden und der interessierten Öffentlichkeit einen gangbaren Weg für die Fließgewässerabschnitte des FFH-Gebietes zu finden, in denen sowohl Sicherheits- als auch Umweltzielen Rechnung getragen wird“, sagt Regierungssprecherin Krem.

Für Grundstückseigentümer und Nutzer hat der Managementplan Hinweischarakter. „Eigentümer und Nutzer dürfen die Flächen entsprechend der guten fachlichen Praxis auch weiterhin bewirtschaften“, heißt es seitens der Regierung. „Der Erhaltungszustand der Lebensraumtypen und Arten darf sich jedoch nicht verschlechtern.“ Die Umsetzung des Managementplans sei für die Eigentümer und Nutzer freiwillig und soll vorrangig durch Förderprogramme finanziert werden.

Krem erklärt, dass „bisher keine Einwände zum Managementplan für das FFH-Gebiet“ bekannt seien. Winkler hat jedoch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) angeschrieben, um eine Korrektur bezüglich der Waldflächen zu erreichen. Die gab es aber nicht, obwohl das laut Winkler vorher anders besprochen wurde. „Das ist eine Frechheit“, schimpft Winkler.

Zur Zeit werden die Flächen des FFH-Gebietes kartiert. Zudem trifft man eine Einstufung, wo sich so genannte Lebensraumtypen oder gesetzlich geschützte Flächen nach dem Bundesnaturschutzgesetz befinden. „Danach werden Maßnahmen formuliert, um den Erhaltungszielen des FFH-Gebietes gerecht zu werden, aber auch dessen mögliche positiven oder negativen Folgen auf weitere Aspekte (beispielsweise Verklausungsgefahr) miteinander abgewogen“, erläutert Krem. Dieser Schritt erfolgt ihren Angaben zufolge voraussichtlich Ende 2018. „Danach wird dieser Entwurf noch einmal mit den beteiligten Behörden und abschließend an einem Runden Tisch mit der Öffentlichkeit abgestimmt.“ Dieser ist für 2019 vorgesehen.

Die Gemeinde Uffing hat übrigens mit der Thematik kaum zu tun. „Wir sind eigentlich außen vor“, sagt Bürgermeister Rupert Wintermeier (WGU).

Roland Lory

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