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Pfarrer Thomas Renftle ist gerne in der Natur unterwegs – so wie hier in Holzgau im Lechtal. 

Thomas Renftle leitet ab September die Pfarreiengemeinschaft Staffelsee   

Neuer Pfarrer kommt mit drei Fahrrädern und einer Tuba

Die Gläubigen der Pfarreiengemeinschaft Staffelsee dürfen sich auf einen Geistlichen freuen, der naturverbunden ist, Blasmusik liebt und den hiesigen Menschenschlag schätzt. Als Nachfolger für den verstorbenen Dekan Robert Walter wird im Herbst Thomas Renftle (45) erwartet. Ein Porträt.

Uffing – Im September tritt Thomas Renftle als Nachfolger des verstorbenen Dekans Robert Walter seinen Dienst als Leiter der Pfarreiengemeinschaft Staffelsee mit ihren drei Gemeinden Uffing, Seehausen und Spatzenhausen an. „Ich bringe einen ganzen Fuhrpark mit, drei Fahrräder – mein Dorf-, Sport- und mein Liturgie-Rad“, berichtet er im Tagblatt-Gespräch. Renftles Antwort auf die Frage nach Hobbys macht neugierig. „Liturgie-Rad“ nennt der Geistliche sein E-Bike. Schließlich möchte der Schwabe als Priester nicht unbedingt komplett verschwitzt an den Altar treten. Bewegung ist für den 45-Jährigen überhaupt sehr wichtig. Als Ausgleich zu den vielen sitzenden Tätigkeiten ist er im Sommer gern in den Bergen unterwegs, im Winter auf der Skipiste. Im Urlaub fährt Renftle am liebsten mit Mitbrüdern nach Italien, im Fall des Alleinreisens bevorzugt er Aufenthalte im Bayerischen Wald.

Renftle wächst mit drei Geschwistern im schwäbischen Thannhausen bei Günzburg auf, hier leben die Mutter und seine Schwestern mit Familien noch heute. Hier pflegt er auch noch Kontakte zu alten Freunden. Von der Schulzeit am musischen St. Thomas-Gymnasium in Wettenhausen her rührt die Liebe zur Musik. „Ich bin ein begeisterter Blasmusiker“, berichtet der Tuba-Spieler, der durchaus auch außerhalb der Kirche musikalischen Anschluss sucht. Da ist der Theologe im Oberland sicherlich an der richtigen Adresse. Ministrantendienst und Engagement in der kirchlichen Jugendarbeit legen bei ihm früh Wurzeln für die spätere Berufung. Er habe seinerzeit in der Kirche eine echte Heimat gefunden, erzählt der Priester, der nach dem Abitur seinen Zivildienst ableistet – eine Zeit, auch um Orientierung zu finden.

„Der Wald fasziniert mich schon immer, deshalb habe ich zuerst überlegt, Förster zu werden. Doch dann fiel relativ spontan die Entscheidung, den Weg ins Priesteramt einzuschlagen“, bilanziert Renftle. Dieser Weg führt ihn ins Priesterseminar nach Augsburg, ein Jahr wird auch in Passau studiert. Nach der Priesterweihe folgen zwei Kaplanstellen und die erste Pfarrstelle – fünf Jahre in Huglfing. „Ich war sehr glücklich dort und kenne dadurch auch die schöne Gegend bereits, oft bin ich im herrlichen Uffinger Biergarten gesessen, natürlich ohne zu ahnen, dass ich einmal hier landen würde.“

„Ich komme mit dem Menschenschlag gut zurecht, die Leute hier hoffentlich auch mit mir. Nachdem Pfarrer Walter ebenfalls Schwabe war, könnte das ein Vorteil für mich sein. Ich hoffe auf offene Arme. Aber man muss den Leuten natürlich Zeit lassen, sich langsam an mich zu gewöhnen.“ Der ernannte Augsburger Bischof Bertram Meier habe entschieden, wohin ihn der Weg führt. Nur kurz habe er überlegen müssen, wobei der Abschied von der Pfarreiengemeinschaft Weiler schon schwerfalle. Doch die Vorfreude auf neue Herausforderungen, auf das Kennenlernen neuer Menschen aller Altersstufen sei mindestens ebenso groß.

Die Corona-Krise mit ihren sozialen Auflagen erschwert derzeit eine Kontaktaufnahme. Doch Renftle hofft, dass nach Pfingsten erste Treffen vor Ort stattfinden können. Das Pfarrhaus in Uffing kennt er bereits, ein Umbau bis Herbst ist dort geplant, dann steht dem Neustart nichts mehr im Weg. „Eine Krise ist immer auch eine Chance, man schlägt neue Wege ein, besinnt sich auf das Wesentliche, es gibt viel Miteinander“, sagt der Geistliche zur Corona-Pandemie. Er sei kein „Streamer“, aber derzeit täglich zu bestimmten Zeiten in seiner Kirche präsent und für die Gläubigen sichtbar.

Es ist überhaupt die Begegnung im Kleinen, das Teilen von Glauben, etwa in Gebets- oder Familienkreisen, was der Seelsorger besonders schätzt. Viele Stationen hat der Mindeltaler in seinem Berufsleben schon gemeistert, von Schrobenhausen über Oberstdorf, Huglfing und Kaufbeuren bis nach Weiler-Simmerberg im Westallgäu. „Interessanterweise immer an den Rändern der Diözese entlang – auch die Apostel gingen, wohin man sie schickte“, resümiert der Seelsorger, der derzeit das Amt des Dekans von Lindau innehat. Wenn Renftle im September „als an Zugehörigkeit jüngstes Gemeindemitglied“ in Uffing startet, will er „erst mal auf die hören und schauen, die schon länger dazugehören“. Schöne, würdige Gottesdienste zu feiern, Gott zu bezeugen und den Menschen zu helfen, ihm zu begegnen – das hat sich der Pfarrer vorgenommen. Und er hofft auf viele Ehrenamtliche, die ihn dabei tatkräftig unterstützen.

Barbara Jungwirth

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