der Solarpark bei Schachmoos (Ortsteil Schöffau)
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Der Auftakt: der Solarpark bei Schachmoos (Ortsteil Schöffau). Ein weiterer entsteht in der Gemeinde Uffing in der Nähe der Bahnstrecke.

Alexander Wintermeier will 1,2-Millionen-Euro-Projekt stemmen - eventuell mit Hilfe von Investoren

Privatmann beschert Uffing zweiten Solarpark

In Uffing lässt ein Privatmann einen neuen Solarpark bauen, der als Prototyp für künftige Anlagen im Ort dienen soll. Bürgermeister Andreas Weiß spricht von der „Musterfläche Wintermeier“. Gegen „Wildwuchs“ will sich die Gemeinde wehren.

  • In Uffing wird ein zweiter Solarpark entstehen: in der Nähe der Bahnlinie, kurz vor der Gemeindegrenze zu Eglfing.
  • Hinter dem Projekt steht ein Privatmann: Alexander Wintermeier, Sohn des Altbürgermeisters, dem die Fläche gehört.
  • Der Gemeinderat hat das vorgesehene Grundstück als bestens geeignet beurteilt.
  • Wildwuchs bei Solarparks soll in Uffing verhindert werden.

Uffing – Uffing ist 2020 groß in das Geschäft mit der Sonne eingestiegen. Groß lässt sich natürlich auch bemessen: 1,25 Hektar, 2740 Module, 1000 Kilowatt-Peak (Höchstleistung in Kilowatt). Damit kann der Solarpark bei Schachmoos etwa 330 Haushalte versorgen. Nun ist nicht gerade die Jahreszeit der Sonne, man freut sich schon, wenn sie überhaupt einmal durchblinzelt. Dafür strahlt das nächste Projekt im Dorf umso heller. In der Nähe der Bahnlinie, kurz vor der Gemeindegrenze zu Eglfing, entsteht ein zweiter Solarpark, beinahe doppelt so groß wie der erste in Fläche (1,9 Hektar) und Leistung (1800 bis 2100 Kilowatt-Peak). Allerdings baut ihn diesmal ein Privatmann, Alexander Wintermeier, Sohn des früheren Bürgermeisters und Lehrer für Mathe und Chemie, wie er erzählt.

Wintermeiers Solarpark soll für Uffing zum „Prototypen“ werden

Wintermeiers Anlage erklärt Bürgermeister Andreas Weiß (parteifrei) direkt zum Goldstandard für alle künftigen Solarprojekte in Uffing. Weiß sagt: „Die Musterfläche Wintermeier wäre unser Prototyp.“ Was er damit meint: Der Gemeinderat beauftragt ein Planungsbüro, sämtliche freie Flächen im Gemeindegebiet zu überprüfen, zu bewerten und am Ende Kriterien zu erarbeiten, an die sich alle künftigen Bewerber zu halten haben. Im Rahmen dieser städtebaulichen Studie (so das Fachwort) legen Experten fest, wessen Grund geeignet ist für einen Solarpark und wessen nicht.

Gemeinde Uffing plant Regelwerk, um Entstehung von Solarparks steuern zu können

Braucht’s das? Ganz gewiss sogar, denn die Gemeinde fürchtet im schlimmsten Fall, dass Solaranlagen die Goldminen von heute werden könnten und mehr Grundstücksbesitzer über derartige Nutzung nachdenken. Problematisch – also für Uffing, nicht für den Klimaschutz – ist in diesem Zusammenhang die Bewertung der Regierung. Die hat in ihrem Gesetz zu erneuerbaren Energien den ganzen Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu benachteiligtem Gebiet erklärt. Und auf diesen Flächen ist der Bau von Solaranlagen möglich.

Solarparks in Uffing: Bürgermeister Weiß will keinen „Wildwuchs“

Uffing aber wehrt sich gegen „Wildwuchs“, wie es Weiß formuliert. Punkte wie Landschaftsbild, Bodenbeschaffenheit oder Nähe zu Schutzgebieten spielen eine gewichtige Rolle. Bei aller Liebe zum Klimawandel, die Kommune möchte sich nicht die Landschaft mit Solarpanelen volltapezieren. Sämtliche Kriterien, die nun ein Landschaftsplaner zu bewerten hat, haben Weiß und der Gemeinderat in einer Tabelle zusammengefasst. Gremiumsmitglied Stefan Bärtl (WFU) regte zudem einen Grundsatzbeschluss mit Vorgaben für den Bau hiesiger Anlagen an. Dürfte kommen, sobald die Ergebnisse der Studie Uffing erreichen.

Neuer Uffinger Solarpark: Erste Häuser sind etwa 600 Meter entfernt

Losgelöst vom politischen Prozess bewegt sich jetzt Alexander Wintermeier. Bei einem Ortstermin hat er den Räten seine Fläche gezeigt, die hinter einem Hügel jenseits der Rußbichlstraße liegt. Im Ort, die ersten Häuser sind etwa 600 Meter entfernt, dürfte niemand die Solarzellen sehen. Das Gremium befand seine Wiese für bestens geeignet. Bisher bewirtschafteten Pächter das Areal landwirtschaftlich. Geht es nach Wintermeier, bleibt das auch so – trotz Solaranlage. Er regt ein Bewirtschaftungskonzept an. „Der Dialog mit den Pächtern findet bereits statt“, erklärt der Familienvater.

Seine Idee vom privaten Solarpark ist ziemlich genau ein Jahr alt. Die Geschichte dazu ist recht unterhaltsam. Wintermeier, der auf der WGU-Liste für den Gemeinderat kandidiert hatte, saß bei einem Wahlabend von Kandidat Anton Sternkopf, einem großen Freund des grünen Stroms. Nebenbei meint der Bürgermeister-Kandidat: „Es kann ja nicht sein, dass bloß an der Bahnlinie Solarflächen entstehen.“ Wintermeier sagt: „Da bin ich aufgewacht.“ Genau über so ein Areal verfügt er selbst.

Wichtigste Frage bleibt die Finanzierung des 1,2-Millionen-Euro-Projekts

Seit einigen Wochen steht er in Kontakt mit den Experten der Firma Vispiron. Sie hat den Park bei Schöffau errichtet. Wichtigste Frage bleibt die Finanzierung. Wintermeier würde die Anlage natürlich gerne selbst errichten. Der Haken: Sie dürfte 1,2 Millionen Euro kosten. „Diese Summe muss man erst einmal zusammenbekommen.“ Der Lehrer kann sich gut vorstellen, Investoren aus dem privaten Umfeld hinzuzunehmen. Auch eine Bürgerbeteiligung schließt er nicht aus. Aufgrund der Nähe zur Bahnlinie könnte es zudem Fördermittel aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz geben. Wintermeier sagt: „Das Projekt ist eine große Verantwortung für mich.“ Im Grunde steckt er nun die Grenzen des Machbaren ab. Für ihn eine „sehr gute und charmante Lösung“ – und für die Gemeinde eine Chance, ihre Energiebilanz weiter aufzubessern. Bei Höchstleistung könnte der Park weit über 600 Haushalte versorgen.

Andreas Mayr

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