Großes Interesse: Rund 50 Bürger besuchten die Info-Veranstaltung im Gasthof Lieberwirth.
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Großes Interesse: Rund 50 Bürger besuchten die Info-Veranstaltung im Gasthof Lieberwirth.

Diskussion beim Lieberwirth

Solarpark-Pläne erhitzen in Schöffau die Gemüter

Nahe Schöffau könnte ein Solarpark errichtet werden. Bei einer Info-Veranstaltung gingen die Meinungen auseinander.

Schöffau – Skepsis und Zustimmung haben sich bei einem Info-Abend über den möglichen Bau einer Freiflächen-Photovoltaikanlage im Bereich Schachmoos die Waage gehalten. Zu dem Treffen hatte Bürgermeister Rupert Wintermeier (WGU) in den Schöffauer Gasthof Lieberwirth geladen.

Die Angelegenheit ist nicht neu: Bereits im Januar vorigen Jahres hatte der Gemeinderat einen entsprechenden Bauantrag mit 9:5-Stimmen abgelehnt. Doch mittlerweile haben sich laut Wintermeier die Voraussetzungen in zweifacher Hinsicht geändert: „Die Anlage soll nun wesentlich kleiner werden – und die Schöffauer Bürger könnten daran beteiligt werden“, erklärte er den rund 50 Zuhörern. „Es ist der Wunsch von den Stadtwerken Penzberg an uns herangetragen worden, auf dieser Fläche, die ihnen gehört, eine Freiflächen-Photovoltaikanlage zu errichten.“ Das Ansinnen ist seit ein paar Monaten bekannt.

Josef Vilgertshofer, Vorstand des Kommunalunternehmens der Stadt Penzberg, versuchte, den Schöffauern das Vorhaben schmackhaft zu machen. „Wir haben 2018 zwei Anlagen ans Netz gebracht. Das sind sehr erfolgreiche Projekte, auf die wir auch aus Schöffau schon angesprochen wurden.“ Das 51 000 Quadratmeter große Grundstück am Schachmoos sei für diesen Zweck sehr gut geeignet. Die Gesamtkosten des Vorhabens bezifferte er auf 750 000 Euro. Die Eignung des Geländes bestätigte auch Florian Schönberger, Geschäftsführer der Firma Vispiron EPC aus München, die die Anlage errichten soll: „Es gibt dort eine gute Sonneneinstrahlung, und eine 20 KV-Leitung ist vor Ort, die bis zu einem Megawatt aufnehmen kann.“ Zwei Ausbaustufen für die rund 13 000 Quadratmeter umfassende Einrichtung seien vorgesehen: Zunächst 750 Kilowatt – und nach 24 Monaten weitere 250 Kilowatt.

In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um die Optik einer solchen Anlage. „80 Prozent der Schöffauer fahren dort täglich vorbei und müssen sich das jedes Mal anschauen“, gab eine Frau zu bedenken, die keinen Hehl aus ihrer Ablehnung machte. Vilgertshofer hielt dagegen, dass das Konstrukt eingegrünt werden soll und einem so der Anblick schnell vertraut werde. Auch Gemeinderat Josef Popp (WGS) zeigte sich von dem Vorhaben wenig begeistert: „So etwas gehört an eine Autobahn oder Bahnstrecke. Ich bin der Meinung, dass das zu so einem idyllischen Ort wie Schöffau nicht passt. Fremde kommen wegen unserer schönen Landschaft – und die bleiben dann weg.“ Robert Wittig vom Schöffauer Dorfrat warnte davor, Photovoltaikanlagen als Heilsbringer zu betrachten, zumal es große Möglichkeiten bei der Energieeffizienz vorhandener Anlagen gebe.

Ein Bürger aus der Runde hielt dagegen: „Wir brauchen einen Energiemix aus allem. Ich kann mir sogar vorstellen, dass das ein Aushängeschild für Schöffau wird.“ Auch Gemeinderätin Gisela Spensberger (WGU) befürwortete das Vorhaben. Ein junger Schöffauer hatte ebenfalls kein Problem mit dem Projekt: „Ich fänd’s nicht dramatisch, wenn so eine Anlage hingebaut wird.“ Auf die Frage, wie denn Photovoltaikmodule entsorgt werden könnten, ging Florian Graschberger von der Herstellungsfirma QCells aus Bitterfeld-Wolfen ein. „Sie bestehen aus Silizium, das ist reiner Sand. Wenn ein Modul kaputt ist, kann man es einfach zum Wertstoffhof bringen, es ist kein Sondermüll.“

In der Uffinger Gemeinderatssitzung in drei Wochen wird entschieden, ob es wegen der Photovoltaikanlage zur Einleitung eines Bauleitverfahrens kommt. Wintermeier: „Jeder kann sich jetzt überlegen, ob wir das wollen.“

Heino Herpen

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