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Winzig klein wirkt ein Jogger neben einer Solaranlage nahe Kaufbeuren.

Umstrittenes Projekt bei Schöffau

Solaranlage spaltet Gemeinderat

Ein Unternehmer will in der Nähe des Uffinger Ortsteils Schöffau eine Freiflächenphotovoltaikanlage errichten. Der Gemeinderat ist hin- und hergerissen. Unabhängig davon liegt der Kommune eine Anfrage einer Firma vor, die sich an der Bahnlinie ein solches Projekt vorstellen kann.

Uffing – „Ich will die Energiewende voranbringen.“ So begründete Alexander Sommer im Uffinger Gemeinderat sein Engagement für den Bau von Kraftwerken, die Wind und Sonne nutzen, um umweltfreundlich Strom zu erzeugen. Zwei Windräder betreibt der Mühldorfer Unternehmer schon, jetzt will er eine Photovoltaikanlage (PV) bauen, bei deren Betrieb ohne Verbrauch von Rohstoffen und ohne Produktion von Schadstoffen Strom für Uffing erzeugt wird. 

Entstehen soll die Anlage an der Straße, die von Uffing nach Schöffau führt. Und zwar an einer Stelle, die nur die sehen, die direkt daran vorbeifahren. Früher befand sich dort eine Deponie. Die PV-Anlage soll nach den Plänen von Sommer in drei Abschnitten in den Jahren 2018 bis 2020 gebaut werden. Jedes der drei Felder soll eine Spitzenleistung von 750 Kilowatt haben. Die Größe ist unklar, weil es noch keine Detailplanung gibt.

Was die Anlage der Gemeinde bringt, wollte ein Gemeinderat wissen. Neben Gewerbesteuer und Aufträgen für die heimische Wirtschaft bei Bau und Betrieb liegt das Positive für Uffing laut Sommer vor allem in der Produktion von sauberem Strom. Dies bedeute einen Image-Gewinn für die Gemeinde.

Das Thema spaltete den Gemeinderat. Mehrere Mitglieder sprachen sich für den Umweltschutz durch saubere Stromerzeugung aus, andere waren vehement dagegen. Sie betrachten die Nutzung von Sonnenenergie zur Stromgewinnung als Schande. Mehrfach wurde die umweltfreundliche Energieerzeugung als „Verschandelung der Landschaft“ bezeichnet.

Im Zuge der Debatte kam der Einwand auf, dass die Energiewende grundsätzlich zu begrüßen sei, die dafür notwendigen Anlagen sollten aber nicht in Uffing, sondern woanders gebaut werden. Bürgermeister Rupert Wintermeier (WGU) stellte fest, dass bei diesem Thema „manche hin- und hergerissen sind – und da gehöre ich auch dazu“. Zu einer Entscheidung kam es in der Sitzung nicht.

Wintermeier rief die Bürger auf, sich zu dem Vorhaben zu äußern. Kritiker und Befürworter sollten sich im Rathaus melden. Grund für die mangelnde Akzeptanz der PV-Anlage sieht Sommer vor allem in mangelndem Wissen. So halte sich zum Beispiel hartnäckig das Vorurteil, dass Wind und Sonne überflüssigen Strom produzierten. Dieser könne aber problemlos genutzt werden, etwa indem man Elektroautos immer dann lade, wenn zu viel Strom im Netz ist. Um über sein Projekt und die Möglichkeit einer Beteiligung an der Anlage zu informieren, will Sommer jetzt Wintermeier bitten, mit ihm zusammen einen Informationsabend anzubieten, auf dem die Bürger auch erfahren, welche Vorteile das Solarkraftwerk ihnen, der Gemeinde Uffing und der Natur bringt.

Unabhängig davon hat die Firma actensys eine Anfrage bezüglich einer PV-Anlage gestellt. Das Weilheimer Solarunternehmen hat östlich der Bahnlinie südlich des Bahnhofs eine geeignete Fläche gefunden. Die Anfrage kam kurz vor der Sitzung und konnte daher nicht mehr in die Tagesordnung aufgenommen werden. Sie soll in der nächsten Sitzung behandelt werden. Laut Thomas Strellen von actensys besteht kein konkretes Vorhaben. Das Unternehmen habe lediglich aufgrund der Geodaten festgestellt, dass dort eine Anlage möglich sei. Wenn alle Beteiligten dies wollten, könnte dort eine PV-Anlage gebaut werden – auch als Bürgerkraftwerk.

Der Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau ist in Sachen zukunftsorientierter Energieerzeugung schon weiter. Dort gibt es unter anderem den Bürgerstrom-Verein Pähl-Fischen, eine Freiflächenanlage einer Energiegenossenschaft in Wielenbach, ein Bürgerwindrad in Peiting und ein Wasserkraftwerk am Stadtbach in Weilheim.

Alfred Schubert

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