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Gehört zur Dorfmitte wie das Rathaus: die Uffinger Sparkassenfiliale. 

Kunden befürchten Schließung

Sorge um Uffinger Sparkassenfiliale

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Wie geht es mit der Uffinger Sparkassenfiliale nach der Corona-Zwangspause weiter? Im Ort ist die Befürchtung zu hören, der herkömmliche Schalterbetrieb könnte aus Spargründen nicht wieder aufgenommen werden. Das Geldinstitut versichert, am Standort festzuhalten. Nur in welcher Form – das steht offenbar noch nicht fest.

Uffing – Der Uffinger Architekt und ehemalige Gemeinderat Reinhold Dinges ist seit vielen Jahren Stammkunde der Sparkasse vor Ort. Die kleine Filiale in der Dorfmitte gehört zur Sparkasse Oberland, die ihren Hauptsitz in Weilheim hat. Doch kürzlich, als der 68-Jährige einen ausgefüllten Überweisungsvordruck abgeben wollte, wunderte er sich: Die Filiale war geschlossen – und der Briefkastenschlitz überklebt.

„Auf Anruf in Weilheim wurde mir erklärt, dass Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden können, was zur Schließung der Filiale geführt hat“, berichtet der Uffinger, der sich per E-Mail an die Redaktion gewandt hat. Einen Brandbrief schickte er auch an Neu-Bürgermeister Andreas Weiß. Die besagte Überweisung gab er dann telefonisch durch. Ansonsten hätte er nach Murnau zur Niederlassung der Sparkasse fahren müssen.

Die Begründung für die Corona-Zwangspause in Uffing hält Dinges für „vorgeschoben“. Die Bankmitarbeiter seien doch hinter Sicherheitsglas abgeschirmt, argumentiert er. Und der Schalterraum mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker sei frei zugänglich. Dort müsste man doch dann auch Angst haben, dass die Abstandsregel nicht funktioniert. „Ich habe den Verdacht, dass die Corona-Krise benutzt wird, um die endgültige Schließung der Filiale einzuleiten und die Kunden nach Murnau umzuleiten“, sagt Dinges. Im Zuge des Filialsterbens in der Bankenlandschaft, das deutschlandweit zu beobachten ist, wäre ein solcher Schritt nicht ungewöhnlich. Für Uffing wäre aber das Aus der Zweigstelle ein großer Verlust, findet Dinges. „Dem sollte entgegengewirkt werden.“

Der Architekt ist mit seiner Sichtweise nicht allein. Er verweist auf einen E-Mail-Verkehr einer weiteren Sparkassenkundin aus dem Ort, die befürchtet, eine „Institution“ zu verlieren. Sie wandte sich mit einen eindringlichen Appell an die Bank: „Ich bitte Sie und all die zuständigen Personen, nochmals über einen Fortbestand der Filiale Uffing nachzudenken!“

Thomas Orbig, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Oberland, versucht indessen, die Wogen zu glätten. „Wir werden am Standort Uffing in dem Gebäude weiter vertreten sein“, erklärt er im Tagblatt-Gespräch. Und man werde dort die Bargeldversorgung sowie eine Beratung auf Terminanfrage zur Verfügung stellen. Wird es aber nach Corona auch wieder den gewohnten Schalterbetrieb mit festen Öffnungszeiten – zuletzt war die Filiale an einigen Tagen in der Woche besetzt – geben? Orbig legt sich nicht eindeutig fest: „Wenn die Krise überwunden ist, werden wir überprüfen, was möglich ist.“

Uffing ist kein Einzelfall. Die Sparkasse hat im Zuge der Corona-Pandemie mehrere kleinere Ableger geschlossen. Derzeit müssten die personellen Kräfte gebündelt werden, um die Herausforderungen, die die Krise mit sich bringt, zu stemmen, heißt es zur Begründung. Hintergrund sei eine Zunahme der Kundenbetreuung am Telefon und im Internet. Außerdem müssten die vielen Kreditanträge der Unternehmen bearbeitet werden.

Das Thema beschäftigt inzwischen auch das Uffinger Rathaus. Bürgermeister Weiß hat sich in der Sache bereits an das Geldhaus gewandt. Seinen Angaben zufolge soll es ein Gespräch mit der Vorstandschaft geben. Das Gemeinde-Oberhaupt hofft, dass der Präsenzbetrieb fortgesetzt wird. Denn: „Das ist ein Teil der örtlichen Versorgung.“ Es sei wichtig, betont er, dass auch Bürger, die in der digitalen Welt nicht zuhause sind, die Sparkassen-Dienstleistungen erhalten.

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