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Uffings schönste Seite: das Grundstück an der Kirchtalstraße mit Blick auf Staffelsee und Berge.

„Riesen-Schweinerei“

Streit um Top-Grundstück am Staffelsee eskaliert: Uffing verbietet Holzhaus - Familie stellt Strafantrag

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Der Streit um ein geplantes Holzhaus an einem Traum-Grundstück am Staffelsee gerät zu einer filmreifen Schlammschlacht: Eine neue Gemeinderatsentscheidung führt zu einem Strafantrag.

  • Der Streit um ein Uffinger Premium-Grundstück eskaliert. 
  • Nachdem der Gemeinderat eine alte Entscheidung revidiert und einen Hausbau verhindert hat, stellt die Eigentümer-Familie Finkbeiner Strafantrag – wegen Verleumdung. 
  • Sie vermutet eine konzertierte Aktion, spricht von einer „Riesen-Schweinerei“ und schießt massiv gegen die beiden Bürgermeister.

Uffing– Der Grund, der Karolin Finkbeiner gehört, zählt zu den schönsten Uffings. Alleine diese Lage: Von der Bootshütte aus blickt man auf die Berge, Estergebirge, Wetterstein, Ammergauer Alpen, und natürlich auf den Staffelsee, auf die Mühlwörth-Insel. Rupert Wintermeier, der Bürgermeister, nennt Uffing wegen dieser Aussicht liebevoll schönste Gemeinde des Staffelsees und neckt damit die Nachbarn. 

Auf diesem einmaligen Flecken Erde möchte dieFamilie Finkbeiner ein Holzhaus errichten. Bereits vor elf Monaten hat das Gremium zugestimmt – mit einer Mini-Mehrheit (8:7 Stimmen). Nun revidieren die Räte ihre Entscheidung (10:5), stellen keine Sondersatzung für den Außenbereich südlich der Kirchtalstraße auf und hinterlassen einen enttäuschten wie wütenden Frithjof Finkbeiner.

Top-Grundstück am Staffelsee - Unternehmer: “Hollywood-reifer Coup“

Der Unternehmer, Mitglied im Experten-Zirkel „Club of Rome“, holt zum Gegenschlag aus. Seine Anschuldigung: Mit einem „hollywood-reifen Coup“ habe die Gemeinde den Beschluss vom 14. März 2019 gekippt. 

In den Hauptrollen sieht er die beiden Bürgermeister, Wintermeier sowie Stellvertreter Josef Diepold (beide WGU), die die Entscheidung ihrer Ratskollegen nicht akzeptiert und im Hintergrund an einer Korrektur der Abstimmung gearbeitet hätten.„Das ist eine Riesen-Schweinerei“, poltert Finkbeiner.

Wegen Gemeinderatsentscheidung: Finkbeiner stellt Strafantrag

Gegen einen Gemeinderat, den Namen hat er noch nicht erfahren, stellte der Uffinger am Donnerstagabend bei der Polizeiinspektion Murnau Strafantrag. Wegen Verleumdung. 

In einer nichtöffentlichen Sitzung soll besagter Mandatsträger zu Protokoll gegeben haben, Finkbeiner bedrohe ihn. Gemeinderat Wolfgang Hirschvogel (CSU/Bürgerliste) hatte den Vorfall in der Sitzung am Mittwoch beiläufig erwähnt. Den Namen verriet Hirschvogel aber nicht. Daraufhin leitete Finkbeiner das Verfahren ein. Nun muss Hirschvogel der Polizei den Namen preisgeben. „Das habe ich jetzt davon. Ich bin der Erste, der in Beugehaft genommen wird“, klagt der Gemeinderat. Finkbeiner nennt die Situation unangenehm. Aber den Vorwurf möchte er nicht stehen lassen. „Ich habe in meinem Leben niemanden bedroht“, stellt er klar.

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Streit um Top-Grundstück am Staffelsee: „Verleumderisches Gift“

Stattdessen spekuliert er, dass die böse Nachrede Teil eines Plans ist, der bezwecken soll, den Hausbau zu verhindern. Seit der Abstimmung pro Sondersatzung, und damit pro Bau, hätten sich die Indizien dafür gehäuft. 

Im Strafantrag, der dem Tagblatt vorliegt, schildert Finkbeiner detailliert auf drei Seiten seine Funde. Die Kurzversion: Vor der Abstimmung sollen beide Bürgermeister die Räte eingeschüchtert haben. Auf einem Treffen der Wählergemeinschaft soll Diepold das Ehepaar Finkbeiner mit folgender Aussage unter Druck gesetzt haben: 

„Wenn ein Finkbeiner in den Gemeinderat kommt, trete ich aus.“ 

Worauf Karolin Finkbeiner ihre Kandidatur zurückzog. Im November weigerte sich Orts-Chef Wintermeier in einem Gespräch mit den Finkbeiners, den Beschluss umzusetzen, um kurz danach den ehemaligen Kreisbaumeister Bernd Feldpausch mit der Planung zu beauftragen. 

Mit Feldpauschs Hilfe, glaubt Finkbeiner, habe Wintermeier das Thema auf die Tagesordnung lanciert und ein erneutes Votum forciert. Zuletzt erreichte ihn Anfang Februar ein Schreiben des Landratsamts. Die Gemeinde bemängelt darin, dass seine Frau sowie zwei Kinder unerlaubt den Bahnhof, den die Finkbeiners restauriert haben, als Wohnsitz angeben und nutzen. „Das war geduldet, bis das Holzhaus steht“, erklärt er. Das „verleumderische Gift“, versprüht im Gemeinderat, habe nun gewirkt und eine „demokratische Entscheidung“ zu Gunsten der Gemeinde beeinflusst. „Mein Vertrauen in die Demokratie ist massiv beschädigt.“

Rat vom Bayerischen Gemeindetag

Bürgermeister Wintermeier begegnet den schweren Vorwürfen mit Argumenten – und einem Stamperl Zynismus, für den er bekannt ist. Auf die Frage, warum er nochmals über den Punkt abstimmen ließ, antwortete er: „Weil die Gemeinde das kann. Jeder [Gemeinderat] kann schlauer werden.“ Die Kommune habe sich vom Bayerischen Gemeindetag beraten lassen. Von den Experten erhielt Uffing die klare Empfehlung, Bauten im Außenbereich nur zuzustimmen, sobald gemeindliches Interesse besteht. „Da unten liegt kein Interesse der Gemeinde vor“, betont der Dorf-Chef. Außerdem verweist er auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts für dieselbe Fläche. Ein sehr altes zwar von 1975. Doch an der Lage habe sich bis heute nichts geändert.

Befürworter des Baus sprechen von einer Baulücke

Die Befürworter des Baus sprechen hingegen von einer Baulücke, die geschlossen gehört. In unmittelbarer Nähe zum Grundstück steht ein Haus am See. Dieses Argument entkräftete Diepold. „Es ist eine Lücke in der Bebauung – aber keine Baulücke.“ Eine solche gibt es per Definition im Außenbereich nicht. Der Zweite Bürgermeister wies noch auf die Flächen auf der anderen Straßenseite, nördlich der Kirchtalstraße hin. 2014 hatte sich das Gremium gegen eine Bebauung dieser Filetstücke entschieden. Nun „acht Meter weiter rechts“ Baurecht schaffen: „Das kann ich nicht.“ Seiner Argumentation folgten letztlich 9 der 14 Räte sowie der Bürgermeister.

Finkbeiners erwägen, Uffing zu verlassen

Finkbeiner, seine Anwältin und die Grundstücks-Nachbarin verließen danach den Saal. Wahrscheinlich wird das Ehepaar auch Uffing verlassen, nach Mexiko ziehen. „Wir sind hier nicht willkommen“, stellt er fest. Ob seine Kinder auch die Plant-for-the-Planet-Stiftung abziehen, weiß er nicht, das entscheide der Nachwuchs. Vorstellbar sei’s. „Die Kinder bekommen einen Friedenspreis, und die Gemeinde erklärt den Krieg.“ Passt nicht zusammen. Auf jeden Fall behalten sie die Filet-Fläche am See. Zum Baden. Finkbeiner sagt: „Ich liebe Uffing.“ Und ergänzt. „Also die Natur.“

Andreas Mayr

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