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Beliebter und geschätzter Seelsorger: Pfarrer Robert Walter, hier im August 2019, ist schwer an Krebs erkrankt.

Dekan wendet sich in Brief an die Gläubigen

Pfarrer Robert Walter: Tumor-Erkrankung wird nur noch palliativ behandelt

Seit Monaten kämpft Pfarrer Robert Walter gegen einen Tumor in der Leber an. In einem bewegenden Brief an die Gläubigen der Pfarreiengemeinschaft Staffelsee hat er nun verkündet, die Chemotherapie einzustellen.

Uffing – Robert Walter hat seine Krankheit nie versteckt oder verschwiegen. Der Priester erzählte den Gläubigen am Staffelsee oft, wie er sich dem Tumor, der seine Leber befallen hat, entgegenstellte. Trotz der schweren Krankheit feierte er Gottesdienste in der Pfarreiengemeinschaft Staffelsee. Und er wird das auch weiterhin tun, so lange es geht. Doch nun hat Robert Walter, 56, den Katholiken das Unausweichliche verkündet: „Wir haben entschieden, nur noch palliativ die Krankheit zu begleiten.“

Anfang der Woche hat Georg Pantele, der Kirchenpfleger, Walters bewegenden Brief per E-Mail an die Kirchengemeinden verschickt. Darin enthalten sind nicht nur sämtliche Ratschläge und Anweisungen zum Umgang mit der Corona-Krise, sondern auch die persönliche Leidensgeschichte des Regionaldekans. Walter hätte die Information gerne schon früher übermittelt. Aber Corona habe ihn überrollt. Nach Monaten des Kampfes stellten die Ärzte bei einem CT-Termin im Januar fest, dass der Tumor ganz bedeutend gewachsen war. Der betreuende Onkologe zeigte ihm zwei Wege auf. Eine weitere Chemotherapie mit stärkerer Dosis, die seiner Gesundheit zusetzt, aber nicht zwangsläufig Heilung garantiert. Oder eine palliative Begleitung. Walter wählte dieses Schicksal. Auch andere Optionen habe er getestet. „Sie kommen bei mir nicht zum Einsatz.“ Der Pfarrer entschied sich praktisch für einen „persönlichen Kreuzweg“, wie es ein Katholik aus Schöffau ausdrückt, der sich um den Priester sorgt. Dieser Vergleich gefällt Walter, er unterstützt ihn. „Passt doch gut in die Fastenzeit“, schreibt er.

So schnell, wie manche den Tod des Geistlichen voraussehen, „wird es wohl noch nicht kommen“, betont der gebürtige Dillinger, der seit 16 Jahren in Uffing wohnt. Mit dem Schreiben klärt Walter auch über die körperlichen Folgen auf, die die Gläubigen mitbekommen. Während der Messe bleibt ihm manchmal die Luft weg. Ihn plagen Schmerzen. Er schwitzt. Sein Gesicht färbt sich gelblich. Eine Folge der Lebererkrankung. Das Organ sei „stark entzündet“, berichtet Walter. Viele in Uffing, Seehausen, Schöffau, Spatzenhausen, Waltersberg und Hofheim bieten ihm Hilfe an. „Eine wunderschöne Geste“, betont er. Doch so lange es irgendwie möglich ist, möchte der Geistliche sein Leben alleine führen. „Wenn ich Hilfe brauche, komme ich auf Euch zu“, schreibt er.

Wie oft die Katholiken ihren Priester in der Kirche erleben werden, hängt von der Dauer der Corona-Krise ab. Die Diözese Augsburg hat fürs Erste alle Gottesdienste abgesagt, davon ist etwa die Kommunion in Schöffau (26. April) betroffen, für die es einen Ersatz geben soll. Alle weiteren Feste – auch die Firmung im Juli – stehen noch im Dienstplan. Möglicherweise fallen auch sie aus. Wer weiß das heute schon. Beerdigungen finden im kleinen Rahmen statt. Das Requiem, also die Trauerfeier, soll später folgen. Für die Gläubigen bietet die Diözese sonntags um 10 Uhr sowie werktags um 19 Uhr Gottesdienste via Internet (auf dem Kanal katholisch.de), Fernsehen (Allgäu TV und a.TV) oder Radio (Bayern 2) an. Walter betont: „Die Maßnahmen sollen zeigen, dass sie doch tief in unser kirchliches Leben einschneiden.“ Er rät den Gläubigen, sich an die Vorschläge der Politik zu halten.

Immerhin bleiben die Kirchen offen. Die Gläubigen sollen einen Ort für ihre Gebete haben. Walters bislang letzter öffentlicher Gottesdienst litt schon erheblich unter den Corona-Beschränkungen. Nur 99 Gläubige ließ man vor zehn Tagen in die Pfarrkirche St. Michael in Seehausen zur Gedenkfeier für die beliebten Priester Günter Matzke und Pater Leo Weber (Benediktbeuern). Der Rest versammelte sich vor dem Gotteshaus und lauschte via Lautsprecher. Einige kamen auch, weil sie unbedingt nochmals Robert Walter hören und sehen wollten. Der hat, wie er selbst sagt, nun sein „Schicksal in die Hände des Herren“ gelegt. „Ich vertraue darauf, dass er das Richtige macht.“

Andreas Mayr


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