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Ab 19 Uhr dicht ist das Strandbad Alpenblick in Uffing.

Unpopuläre Entscheidung

Strandbad Uffing: Eingeschränkte Öffnungszeiten sorgen für Ärger

Die eingeschränkten Öffnungszeiten im Uffinger Strandbad Alpenblick sorgen für großen Unmut. Bürgermeister Rupert Wintermeier (WGU) verteidigt jedoch die unpopuläre Entscheidung.

Uffing – Der Sommer 2018 lässt für Badefreunde nichts zu wünschen übrig. Bei Temperaturen um die 30 Grad kann man es auch am Staffelsee gut aushalten. Das Uffinger Strandbad war bisher bis 18 Uhr geöffnet und danach ohne Eintrittsgebühr, allerdings auch ohne Aufsicht zugänglich. Dieses Angebot wurde nicht nur von vielen Badegästen in Anspruch genommen, die die Anlage bereits vor 18 Uhr betreten hatten. Vor allem Berufstätige nutzten die Möglichkeit, sich abends dort abzukühlen. Betreiber der Anlage ist die Gemeinde Uffing, Eigentümer des Areals ist die Schlösser- und Seenverwaltung.

Doch in diesem Jahr gibt es Ärger. Denn Bürgermeister Rupert Wintermeier (WGU) hat die Öffnungszeiten eingeschränkt. Aus Haftungsgründen. Ab spätestens 19 Uhr ist das Bad geschlossen, vor 9 Uhr nicht mehr zugänglich.

Einer, der das nicht nachvollziehen kann, ist der Eglfinger Klaus Umbach. Er hat Wintermeier zwei Briefe geschrieben. Umbach sieht in der Maßnahme „eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität“, die vor allem „die einheimische Bevölkerung trifft“. Die Gründe für die Schließung sind aus Sicht des Eglfingers nicht stichhaltig. Er fragt: „Warum soll das in Uffing seit vielen Jahren und Jahrzehnten praktizierte Modell, das dort offenbar bisher gut funktioniert hat, in Seehausen und in Murnau immer noch funktioniert, plötzlich nicht mehr praktikabel sein oder praktikabel zu machen sein? Ist eine rigide Aussperrung der Bevölkerung vielleicht nur die einfachste und/oder billigste Lösung?“ Es sei in vielen Fällen zu einer beliebten Übung geworden, Verantwortung abzuschieben beziehungsweise sich ihrer durch einfache Lösungen, wie es die Schließung einer Anlage darstellt, zu entziehen. „Die Konsequenzen für die Bürger sind erheblich.“ Doch Umbach kritisiert nicht nur, sondern macht auch mehrere Vorschläge, wie das Bad in den Randzeiten wieder nutzbar gemacht werden könnte.

Wintermeier hält diese für „nicht sinnvoll“. Der Rathauschef beharrt auf seinem Standpunkt. Er will kein Risiko eingehen. Der Badbetreiber, also die Gemeinde, könne „bei Personenschäden in Haftung genommen werden“, teilte er Umbach mit. „Es ist also zwingend erforderlich, dass bei Öffnung des Bades eine Badeaufsicht vorhanden ist.“ Ein Schild „Baden auf eigene Gefahr“ oder Ähnliches befreie nicht von der Haftung. „Diese Haftungsgründe bei Personenschäden sind nicht von mir erfunden, sondern können bei jeder Versicherung und Rechtsbehörde erfragt werden.“ Wintermeier wies zudem gegenüber dem Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt darauf hin, dass „nicht der ganze See gesperrt ist“. Man könne auch an der Achbrücke, an der Birkenallee, rechts von der Bühne am Restaurant Alpenblick oder am Obersee baden. Letzterer ist allerdings ein gutes Stück entfernt. Wintermeiers Fazit: „So groß ist die Einschränkung nicht.“

Das sehen manche anders. Dieter Meis etwa. Der Weil-heimer fährt seit rund 30 Jahren im Sommer bei gutem Wetter abends nach der Arbeit ins Uffinger Strandbad. „Zwei bis drei Mal die Woche, so oft es geht.“ Die Anlage – für ihn eine Art Wohnzimmer. Meis glaubt nicht, dass der Bürgermeister gleich eingesperrt wird, wenn etwas passiert. „Haftbar? Für mich ist das ein Schmarrn sondergleichen.“ Der allgemeine Trend mit immer neuen Verordnungen und Gesetzen „geht mir völlig auf den Senkel“, schimpft er. „Wir schießen da oft übers Ziel hinaus.“ Mit Einschränkungen wie in Uffing schließt sich aus seiner Sicht eins „der letzten Türchen der freien Entfaltung“. Ein Badegast aus Rottenbuch ergänzt: „Ich habe viele gehört, die schimpfen.“ Er bedauert es, bereits um 19 Uhr „rausgeschmissen“ zu werden. Seine Begleiterin ist ebenfalls nicht erfreut: „Der Genuss ist minimiert.“ Aus ihrer Sicht müsste ein Schild „Betreten auf eigene Gefahr“ reichen.

Doch es gibt auch Badegäste, die die Neuerung begrüßen. Roswitha Bösl etwa. „Das ist eine gute Entscheidung vom Bürgermeister“, findet die Münchnerin. Abends seien früher „ganze Massen“ gekommen und hätten entsprechend Müll oder auch benutzte Gläser hinterlassen. „Das Bad ist jetzt wesentlich gepflegter und ordentlicher“, betont Bösl. Sie ist Stammgast seit Jahren. In den vergangenen Wochen ist sie täglich morgens nach Uffing rausgefahren. „Dolce Vita am Staffelsee“ nennt die Münchnerin das.

Klaus Umbach fordert derweil Wintermeier auf, die Entscheidung rückgängig zu machen. „Ihnen, den Uffinger Bürgern und vielen anderen Besuchern würden Sie damit einen großen Dienst erweisen und allen wieder ein Stück mehr Lebensqualität ermöglichen, bei einem vertretbaren Risiko.“ Der Eglfinger hat recherchiert, wie es andere Orte mit Badeseen handhaben. Ergebnis: Die Verantwortlichen „kommen zu anderen Schlüssen“ als Wintermeier.

Roland Lory

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