Bereits eingezäunt: der Standort des künftigen Mobilfunkmasts an der Uffinger Kläranlage.
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Bereits eingezäunt: der Standort des künftigen Mobilfunkmasts an der Uffinger Kläranlage.

Landratsamt genehmigt Antrag

Uffing: Baustart für 43 Meter hohen Mobilfunkmasten im Frühjahr 2022

Nun ist es fix: An der Uffiner Kläranlage wird ein 43 Meter hoher Mobilfunkmast entstehen. Das Landratsamt hat den Bauantrag eines Vodafone-Ablegers genehmigt.

Uffing – Das Thema hat Verschleißpotenzial. Uffing und der Mobilfunkmast – damit beschäftigt sich nun schon der dritte Bürgermeister. Andreas Weiß, 37 Jahre alt, hat sämtliche Episoden aus nächster Nähe erlebt. Er fuhr als Vertreter der Gemeinde mit nach Leipzig und feierte 2012 den großen Sieg vor dem Bundesverwaltungsgericht über die Telekom. In der nächsten Sitzung des Gemeinderats wird er nun verkünden, was sich für manchen Bürger wie die Kapitulationserklärung im ewigen Kampf des kleinen Uffing gegen die großen Konzerne liest. Das Landratsamt hat den Bauantrag des Vodafone-Ablegers Vantage Towers genehmigt. An der Kläranlage in Uffing wird ein Mobilfunkmast entstehen, 43 Meter hoch. Der Mobilfunkgigant avisiert den Baustart für Frühjahr 2022.

Uffing verhindert zumindest einen Mobilfunkmasten im Ortszentrum

Ist das nun eine Niederlage? Jein, muss man antworten. „Man kann sich nicht komplett dagegen wehren“, betont Weiß. Seit Jahren pocht die Landesregierung auf den Ausbau des Netzes in ländlichen Regionen. Anlagen sind nicht zu verhindern und sogar notwendig, noch dazu, wenn in der Pandemie jeder über die fehlende Digitalisierung in ruralen Gegenden klagt. Zum Positiven: Die Gemeinde, und das ist mehr als viele andere versucht, geschweige denn erreicht haben, hat einen Masten im Ortszentrum verhindert und ihn in den Außenbereich verbannt. Tragisch, dass es nun ausgerechnet Heimatschützer Dieter Wieland und seine Frau trifft, die in unmittelbarer Nähe wohnen. Das ist die pikante Note der Geschichte. Die Wielands wollen noch einmal mit dem Bürgermeister reden, konzedieren jedoch ihre Niederlage. „Unser Widerstand war umsonst“, sagt Dieter Wieland dem Tagblatt am Telefon. Weiß erklärt, es habe immer wieder vereinzelte Nachfragen zu dem Thema gegeben, jedoch keine opponierende Front. Mit dem Beschluss pro Bau aus dem Januar 2020 hat der Gemeinderat die Proteste abgeschmettert.

Mast in Uffing: Landratsamt prüft Pläne fast ein Jahr lang - und genehmigt das Vorhaben

Beinahe ein Jahr hat das Landratsamt die Pläne geprüft und nun Mitte April für genehmigungsfähig befunden. Am Verfahren beteiligte die Bauabteilung auch die Untere Naturschutzbehörde, die allerdings keine Risiken für die Umwelt beanstandete. Lediglich 7000 Euro Entschädigung – quasi der Preis für einen Platz in der Natur – forderte sie. So sieht es die bayerische Kompensationsverordnung vor, wie Behördensprecher Stephan Scharf erklärt. Aber was sind schon 7000 Euro für den Milliardenkonzern, der etwa 250 000 Euro für den Bau ausgibt.

Funkmastbetreiber plant 43 Meter hohen Gitterturm

Volker Petendorf, der Konzernsprecher, liefert auf Anfrage erste Details. Er spricht von einem 43 Meter hohen Gittermasten, den Vodafone mit den Mobilfunktechnologien GSM (für Handy-Telefonate), LTE (für Telefonie und mobiles Internet) sowie 5G ausstattet. Gewiss kein Meisterwerk der Ingenieurskunst, sondern ein lästiger Fleck in der Landschaft. Der Funkmastbetreiber Vantage Towers, seit kurzem an der Börse notiert, verwaltet 82 000 Anlagen in Europa, künftig auch die in Uffing. Das Schreiben des Konzerns kommt wie eine blumig formulierte Annonce daher, die nur eine Lesart zulässt: Mobilfunk ist notwendig, Mobilfunk ist toll. Konzernsprecher Petendorf traumwandelt gar in einer „Welt ohne Ampeln, Staus und Verkehrstote“, das 5G-Netz könne die „Netz-Revolution“ werden – auch im Kreis, teilt er mit. Es geht auch eine Nummer kleiner: Tatsächlich verbessert der neue Mast zunächst den Empfang im Dorf. Bezogen auf die Kritiker streicht er heraus, dass Mobilfunk „nach aktuellem Stand der Wissenschaft“ eine sichere Sache sei. Wobei es da auch andere Perspektiven gibt.

Auch an der Bahnlinie soll das Netz ausgebaut werden

Im Sommer 2022 endet voraussichtlich die finale Episode für Uffing. Ob eine weitere am Rußbichl hinzu kommt – auch an der Bahnlinie soll das Netz ausgebaut werden –, entscheidet zunächst die Nachbargemeinde Eglfing. Im Juli 2020 hatte dort das Ortsparlament mit der zarten Mehrheit von einer Stimme pro Mast votiert. Nun ist auch im Nachbarkreis das Landratsamt am Zug. Bestenfalls bleibt Uffing ein zweiter Mast erspart.

Andreas Mayr

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