Der zukünftige Standort des neuen Mobilfunk-Mastens in Uffing: der Bereich vor der Kläranlage im Westen der Gemeinde.
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Der zukünftige Standort des neuen Mobilfunk-Mastens in Uffing: der Bereich vor der Kläranlage im Westen der Gemeinde.

Gemeinderat Uffing

Mobilfunk: Der erste Mast kommt

Jahrelang kam die Gemeinde Uffing ohne Mobilfunkmast aus, widersetzte sich selbst Großkonzernen. Bald dürften zwei am Ortsrand stehen. Der Bau des ersten ist beschlossen, was einen Naturschützer persönlich trifft – und das Wahlkampf-Schauspiel einleitet.

Uffing – Nach 90 Minuten, einer Abstimmung und einem Ergebnis, das natürlich nicht alle glücklich macht, brach für einen kleinen Moment der Wahlkampf im Uffinger Gemeinderat aus. Gewiss, die Worte von Thomas Hartmann, einem der drei Bürgermeister-Kandidaten, gehörten gesagt. Zuvor hatte das Gremium dem Bauantrag des Mobilfunk-Riesen Vodafone zugestimmt – garniert mit einigen Wünschen, die es zurück an den Konzern schickt. Der Mast entsteht in der Nähe der Kläranlage. Nächster Anwohner – und das ist die grenzenlose Zynik des jahrelangen Streits: Dieter Wieland, der Dokumentarfilmer, der Umwelt- und Denkmalschützer – oder wie Hartmann ihn bezeichnete: „Der Augenöffner, der voraus gegangen ist.“

Eine „Ungerechtigkeit der Geschichte“ nannte es der Spitzenmann der Wahlgemeinschaft Uffing (WGU). Wolfgang Hirschvogel von der konkurrierenden Bürgerliste fand die Worte zu diesem Zeitpunkt weniger passend. Die Diskussion war offiziell beendet. „Wo sind wir denn“, schoss er gegen Hartmann. Beide trennten nur zwei Stühle. „Das ist Wahlkampf gewesen“, kritisierte Hirschvogel, dessen Kandidat Markus Igler („WIR für Uffing“) nicht gekommen war und somit keine Chance hatte, sich zu profilieren.

Wieland jedenfalls bedankte sich artig bei Hartmann und verließ mit seiner Frau den Saal. Sicher nicht glücklich, aber welche Wahl blieb dem Autor schon? Der Gemeinderat musste für den Antrag stimmen, was Bürgermeister Rupert Wintermeier (WGU) nochmals betonte. „Wir können nicht Nein sagen, sonst stehen wir wieder am Anfang.“ Über Jahre hat sich der kleine Ort gegen die Großkonzerne behauptet, 2012 sogar die Telekom vor dem Bundesverfassungsgericht bezwungen. Im Zentrum dürfen sie seitdem keinen Masten errichten. Die Gemeinde bot zwei alternative Standorte: am Rußbichl und an der Kläranlage, wo Vodafone nun baut. Wann? Unklar. Mit begrünter Umgebung? Unklar. Wie bestückt? Unklar. Wie hoch? Noch nicht ganz klar.

Alls diese Fragen hatte Wieland vor der großen Diskussion an das Gremium gestellt. Der Bau werde „das Leben sehr verändern“ und entwerten, „was wir in Jahrzehnten aufgebaut haben“. Der Filmemacher entschuldigte sich gar, „dass wir so lästig sind“. Antworten auf alle seine Gesuche bekam er trotzdem nicht.

Elektrosmog-Experte Hans Ulrich erklärte immerhin, in welchem Dilemma die Gemeinde steckt. Lehnt sie auch diesen Standort samt aller Voraussetzungen für das neue 5G-Netz mit noch höherer Strahlung ab, riskiert sie, die mühsam erkämpften Vorteile (in Form der Bauleitplanung) vor Gericht wieder zu verlieren. Ein Vabanquespiel auf Kosten der Bürger – oder wie Michaela Mück (CSU/Bürgerliste) sagte: „Die Wahl zwischen Pest und Cholera.“ Dann lieber ein Mast – fernab des Dorfmittelpunkts.

Ein ähnlicher Gewissenskonflikt quälte die Gemeinderäte bei der Frage nach der Höhe. Als Grundsatz gilt: Je höher, desto hässlicher – aber auch desto weniger Strahlung und bessere Abdeckung. Vodafone plant ein 32 Meter hohes Gebilde. Die Gemeinde empfiehlt in ihrem Retourschreiben 40 Meter. Damit bereiten sich die Uffinger Räte auf den Fall vor, dass weitere Anbieter den Masten nutzen und ihre Antennen (in fünf Meter Abständen) anbringen. Vodafone müsse die Konkurrenten „mit drauflassen“, betonte Ulrich – alleine schon aus wirtschaftlichen Gründen.

Der Abend im Uffinger Rathaus endete für die Mobilfunk-Gegner mit einer weiteren schlechten Nachricht: Auch am zweiten Standort am Rußbichl im Norden dürfte recht bald gebaut werden. Vodafone hat auch für diese Stelle Interesse angemeldet. Außerdem hat sich die Deutsche Bahn dem Breitband-Ausbau der Strecke München-Garmisch-Partenkirchen bis 2025 verpflichtet. Gegen die Lizenzauflage der Bundesnetzagentur könne sich die Gemeinde kaum stellen, erklärte Ulrich. „Über kurz oder lang wird es zwei Masten geben.“

Andreas Mayr

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