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Beträchtliches Interesse: Der Sitzungssaal ist gesteckt voll. 

Vodafone-Antrag im Gemeinderat

Der Koloss kommt: Gemeinderat Uffing votiert für 44-Meter-Mast 

Drei Bürgermeister, zwei Jahrzehnte, eine Entscheidung: Der Mobilfunkmast in Uffing kommt – mit einer Höhe von 43,80 Metern. In einem denkwürdigen Finale stimmte der Gemeinderat bei fünf Gegenstimmen für den Bauantrag von Vodafone. Zwei Räte verpassten zudem Heimatschützer Dieter Wieland eine verbale Watschn.

Uffing – Dieter Wieland hatte einen symbolträchtigen Platz eingenommen. Der Filmemacher und Heimatwahrer saß mit seiner Frau Heidi unter einem Gemälde, das Uffing, die Häuser und seine Kirche, die Wiesen und Berge und der Himmel, aber noch keinen Mobilfunkmasten zeigte. Man kann sich ziemlich sicher sein, dass das neue Gebilde, gewiss kein hübsches, kaum einen Künstler zu Wunderwerken inspirieren wird.

Finaler Akt

Auch wenn es in der letzten Sitzung zu diesem Thema, dem letzten Akt, dem Finale, in erster Linie um die Optik der Antenne ging. Schon seit langer Zeit ist klar, dass der Mast kommt. Nun steht fest, wie er aussieht, wenn er bald über dem Achtal thront: grau, schmal und – am wichtigsten – 43,80 Meter hoch. „Kein schöner Anblick, nicht schön für Uffing. Mir ist klar, dass der potthässlich ist“, sagte Bürgermeister Rupert Wintermeier (WGU). Fünf Gemeinderäte stimmten dagegen. Sie hielten, wie Robert Fischer (WGU) stellvertretend erklärte, beinahe 44 Meter Höhe für übertrieben. Nicht einmal die Gegner bestreiten mittlerweile, dass es den Masten braucht.

Gemeinde kommt um Masten nicht herum

Erfolgreich hat sich Uffing mit seinen fast 3000 Einwohnern 20 Jahre gegen eine Anlage im Ortszentrum gestemmt. Aber – und das hat schon das Bundesverwaltungsgericht klar gemacht – um einen Masten kommt die Gemeinde nicht herum. Einen ersten Antrag über 32 Meter hatte das Gremium genehmigt. Im Oktober hefteten sie die Empfehlung für ein 40-Meter-Gebilde an. Elektrosmog-Experte Hans Ulrich hatte dazu geraten. Im neuesten Antrag schrieb der Mobilfunk-Konzern plötzlich von 43,80 Metern. Das irritierte nicht nur einige Räte, sondern auch Wieland, der darauf einen Fragenkatalog samt 93 Unterschriften an die Gemeinde schickte. Vor dem Votum antwortete der Bürgermeister auf die sieben Gesuche, respektive ließ dies von Experte Ulrich (per Post) erledigen. Die wichtigsten Aussagen: Ein höherer Mast ist zukunftssicherer, der größere Einfallswinkel garantiert mehr Kapazität. Bis zu drei weitere Anbieter (1&1 strebt ab 2021 einen großen Ausbau in den ländlichen Regionen an) könnten Interesse an einem Platz auf der Anlage anmelden, der niedrigste auf 28 Metern Höhe. Außerdem belastet ein höherer Mast die nächsten Anlieger nicht so stark.

Alternative finden die Kollegen noch hässlicher

Gemeinderat Dr. Thomas Hartmann (WGU) präsentierte als Alternative ein 30-Meter-Türmchen samt Plattform für vier Antennen obendrauf. Diese Lösung fanden die Kollegen aber gleich noch hässlicher. Regina Schuster (WGS) fragte in die Runde, ob es denn keinen Mittelweg zwischen 32 und 43,80 Metern gebe. Sitznachbar Hubert Schwingshandl (WGU) verwies auf ein Vodafone-Schreiben, in dem der Konzern die Höhe begründet. Auf einen niedrigeren Masten passen keine drei weitere Konkurrenzanlagen.

Heikles Thema

Den schlimmsten Fall skizzierte darauf Wintermeier. Entscheide sich die Uffing für die 30-Meter-Version, könnten die übrigen Anbieter, für deren Antenne der Platz fehlt, einen eigenen Masten beantragen. „Dann könnten wir unser ganzes Konzept wegschmeißen“, sagte der scheidende Rathaus-Chef, der sich gewünscht hätte, das heikle Thema an seinen Nachfolger zu übergeben. „Ausgerechnet ich muss diese blöde Entscheidung noch treffen.“ Für den neuen Mann gibt es aber auch neue Arbeit: Bald dürfte ein zweiter Bauantrag für einen Masten am Rußbichl Uffing erreichen. So wie es die Pläne der Kommune vorsehen.

Schelte für Wieland

Vor der Debatte hatten sich zwei Räte, Josef Diepold (WGU) sowie Wolfgang Hirschvogel (CSU/Bürgerliste), Dieter Wieland verbal vorgeknöpft. Vizebürgermeister Diepold verlas eine Erklärung und wehrte sich gegen Wielands Aussagen im Tagblatt sowie in seinem Brief an Landrat Anton Speer (Freie Wähler). „Verrat, Verachtung, Diskriminierung und Vertrauensbruch“ hatte der Naturschützer der Gemeinde vorgeworfen. „Dass empfinde ich als Ehrabschneiden. Ich bin entsetzt und betroffen“, betonte Diepold. Am liebsten hätte er den Saal verlassen. „Leider darf ich das nicht.“ Hirschvogel griff Wieland direkt an. „Solche Leute wie Sie sind schuld, dass man keine Leute mehr für den Gemeinderat findet.“ Guter Stil war das nicht. Wieland jedenfalls ging wortlos um 21.50 Uhr aus dem Saal. Der letzte Kampf war verloren.

Andreas Mayr

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