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Prost auf den Feiertag: Die Stimmung ist gut, auch wenn die Biergartenbesucher ab dem Eingang Masken tragen müssen. 

Eindrücke vom Vatertag am Alpenblick in Uffing 

Der befürchtete Ansturm bleibt aus

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Im Alpenblick in Uffing bleibt der befürchtete Ansturm am Vatertag aus. 250 statt 600 Plätze sind zugelassen.

Uffing – Der Mann am Eingang, nennen wir ihn einmal spaßeshalber den Türsteher, ist eigentlich Koch. Die Maske schafft es nicht, seinen Bart ganz zu bedecken. Das Haar verrät den Biergarten-Ausflüglern, die oft an den Staffelsee kommen, wer sich hinter dem Mundschutz versteckt: Michael Bott, Küchenchef im Seerestaurant Alpenblick. Der Bott Michi, wie ihn die Uffinger kennen. Als Türsteher hat er zu entscheiden, wer rein darf und wer nicht in den schönsten Biergarten des Oberlands. Das sagen zumindest die Stammgäste. Eine Auszeichnung dafür gibt es nicht. In diesem Fall wählt der Mann am Eingang die Gäste nicht nach Gutdünken aus. Michael Bott, sein Neffe Maximilan und einige befreundete Helfer bitten alle herein, so lange Tische frei sind. Jede Garnitur hat eine Nummer erhalten. 1 bis 78. Sophia Bott, Michaels Nichte, verteilt und verwaltet sie. Ein paar Minuten nach 12 Uhr mittags meldet dann Christoph Huber beim Chef, Harry Bott: „Wir wären voll.“

Fast alle sind vernünftig

Voll bedeutet im Angesicht des Coronavirus’ natürlich nicht voll. Über 600 Plätze bietet der Biergarten Alpenblick in normalen Zeiten. Die Bilder der Menschen, die im Abstand von Steckerlfischen in der Sonne grillen, hüpfen im Sommer durch die Posteingänge der Gäste und ihre Sozialen Netzwerke. Gestern, an Christi Himmelfahrt, zeigen die Aufnahmen der Seetribüne vor allem viele Lücken und wenig Menschen. 250 Plätze, schätzt der Chef bei Vollbelegung. Doch kaum ein Tisch ist voll belegt. In der Hochsaison stapeln sich auch einmal zwölf an einem, wenn es sein muss. Am Donnerstag, am Vatertag, sitzen vielen Pärchen zu zweit an einem. „Vernünftig“ sind sie alle, sagt Harry Bott. „Zu 99 Prozent.“

Kurz vor 10 Uhr kommen die Ersten

Nur eine größere Gruppe, zwei Familien aus der Weilheimer Gegend, entdeckt man mittags im Biergarten. Wobei groß neu definiert gehört. Zu sechst stoßen sie an. Die Radfahrer hatten einen Ansturm erwartet. „Wir dachten, wir stehen in einer Hundert-Meter-Schlange“, sagt einer. Notfalls hätten sie ihr Bier am Seeufer getrunken. Den Ort, der Münchner magisch anzieht, fanden sie überraschend unberührt vor. Erst um kurz vor 10 Uhr kamen die ersten. „Heute sehr spät“, sagt Harry Bott. Richtig losgegangen sei’s erst gegen 11 Uhr. Im Kampf gegen das Chaos, das nicht ausbricht, helfen die Wasserwacht und viele Freunde. Die Gemeinde hat der Wirtsfamilie die Gewalt über die Zufahrtsstraße übertragen. Nach Mittag beginnen die Mitarbeiter, Autos frühzeitig umzuleiten. Landwirte stellten einen Umkehrplatz zur Verfügung. „Hand in Hand“ gehe es, sagt Harry Bott. Landratsamt, Gemeinde, Polizei, Personal – der Chef zählt viele auf.

Hoher Aufwand

Genießen könne er den Tag trotzdem nicht, sagt Harry Bott. „Eigentlich ist das ein unbezahlbarer Aufwand.“ Erst haben die Macher überlegt, ob sie ihre Kellner in den Biergarten schicken, in dem Selbstbedienung herrscht. Aber der Aufwand bei 78 Tischen wäre doch zu groß gewesen. Christoph Huber, der Biergarten-Koordinator, schlug die Nummernvergabe vor. Helfer desinfizieren die Tische nach jedem Besuch. Auf dem ganzen Gelände gilt Maskenpflicht und Abstandsregel, nur am Tisch dürfen die Gäste ihren Mundschutz ablegen. Trotzdem fühlt sich Biergarten noch wie Biergarten an, findet Thomas Stamminger aus Oberhausen. „Die Aussicht ist gleichgeblieben – das Bier auch.“ Die Angestellten lobt er. „Super freundlich.“

Ganze Familie packt mit an

In zwei wöchentlichen Schichten arbeiten sie. Falls doch ein Corona-Fall ausbrechen sollte, steht sofort Ersatz bereit. Ab Juni „können wir alle aus der Kurzarbeit holen“, sagt Harry Bott. Seine ganze Familie hilft mit. Anders geht es nicht. Mehr Aufwand, weniger Ertrag. „Die Gäste fühlen sich sicher“, sagt er. Das zählt. Um 20 Uhr waren alle weg. Die legendären Abende sind noch nicht erlaubt. 

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