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Plakativ: Die Fotomontage zeigt im Größenvergleich den Sendemast und die Uffinger Kirche St. Agatha. Der Mobilfunkmast soll westlich des Ortes an der Kläranlage errichtet werden. 

Heißes Eisen im Uffinger Gemeinderat am Donnerstag

Mobilfunkmast soll fast neun Meter höher als der Kirchturm werden

Der Mobilfunkmast in Uffing soll fast neun Meter höher als der Kirchturm werden. Dies ruft scharfe Kritik hervor.

Uffing – Noch blickt Dieter Wieland nur auf eine Fotomontage. Auch wenn sie einen der Mobilfunkmasten von Vodafone zeigt, ist sie nicht real, nur plakativ. In diesen Zeiten braucht es plakative Bilder, findet der Uffinger. „Uffing am Staffelsee – strahlend schön“ ist die Kreation überschrieben. Über diese Ambiguität könnte man schmunzeln, wenn einem nach schmunzeln wäre. Aber in Uffing schmunzelt niemand mehr über das Thema.

Seit 2009 diskutiert man

Ein ganzes Jahrzehnt ist vorbeigezogen ohne Lösung. Seit 2009 diskutiert man, wo denn ein Mast stehen soll. Begonnen hat die Odyssee am Bahnhof mit einer Antenne im Wohngebiet. Einen Rechtsstreit vor dem Bundesverwaltungsgericht und viele Gemeinderatssitzungen später gibt es einen Plan und einen weiteren Bauantrag vom Mobilfunkkonzern Vodafone. Die Uffinger Räte behandeln ihn am morgigen Donnerstag (20 Uhr), Tagesordnungspunkt vier. Neben der Kläranlage soll der Funkmast mit 43,80 Metern Höhe entstehen. „Wir sind aus allen Socken gefallen“, sagt Wieland, der berühmte Filmemacher und Heimatbewahrer.

Mast mit 43,80 Meter Höhe geplant

43,80 Meter sind 8,80 Meter mehr als der Uffinger Kirchturm. So veranschaulicht es die Montage. St. Agatha, das Gotteshaus, ist Uffings Leuchtturm. Wer von Westen, von Schöffau kommt, erblickt den Koloss inmitten des Dickichts an Häusern. Selbst im Osten, aus Richtung Seehausen, spitzen die Zwiebel und das Kreuz zwischen Bäumen und Häusern hervor auf dem Weg hinunter ins Dorf. Uffings Wahrzeichen soll seinen Status als höchstes Gebilde des Ortes abtreten, an einen Mobilfunkmasten? Man soll ihn sogar in Seehausen sehen. Das haben Drohnenaufnahmen von Wieland und seinen Unterstützer ergeben. „Wieso braucht ihr die verdammten 40 Meter eigentlich?“, fragt und klagt Wieland.

Mast soll Achtal versorgen

Eigentlich war alles anders besprochen. So erzählt es Wieland. Jahrelang sah der Plan einen Masten mit 30 Metern Höhe vor. Einen Bauantrag mit 32 Metern akzeptierte der Rat. Der Mast soll das Achtal versorgen. Damit arrangierten sich die nächsten Nachbarn, zu denen Wieland und seine Frau Heidi zählen. „Wir haben Ja gesagt.“ 32 Meter, findet er, reichen aus. Er hat mit der Telefonica telefoniert, dem Riesen-Unternehmen hinter O2. Der Konzern würde den Mast mitbenutzen und seine Anlage fünf Meter unterhalb der Vodafone-Geräte installieren. 27 Meter reichen, sagt Wieland, weil es die Telefonica sagt. In der Sitzung Ende Oktober erhöhten die Räte aber auf 40 Meter. Ihr Berater Hans Ulrich empfahl das. Weniger Strahlenbelastung, bessere Abdeckung für das Dorf argumentierte er. Das verstand Wieland nicht.

Anwohner fühlen sich nicht verstanden

2011 hatte die Gemeinde den Sonnenstein, den geeignetsten aller Standorte, auf Drängen der Bürger abgelehnt. Die gute Abdeckung, die wenigen Strahlen – all das habe damals keine Rolle gespielt, wendet der Filmemacher ein. Jetzt schon. Nicht einmal die Landschaft hätte der Mast in dem Maße beeinträchtigt, wie es der geplante tut. „Er hätte oben aus der Baumgruppe rausgeschaut.“ Dr. Thomas Hartmann, der Gemeinderat, Anwohner, Bürgermeister-Kandidat, gehörte damals zu den Führern der Anti-Mast-Bewegung am Sonnenstein. Er habe auch diesmal Hilfe zugesichert. Nur im Weihnachtsstress fand er offenbar die Zeit nicht, wie Wieland süffisant anmerkt. Kein Bürgermeister-Kandidat unterstütze „unseren Kampf und unsere Argumentation“. Deshalb wählten die Anwohner ein drastisches Mittel, weil sie sich nicht mehr gehört und verstanden sehen. Sie schrieben einen Brief an Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Den ersten im Oktober nach der Sitzung, den zweiten Anfang Januar, als sie gerade noch eine Verschiebung des Votums erzwingen konnten. „Verrat, Verachtung, Diskriminierung und Vertrauensbruch“ werfen sie der Gemeinde vor. Eine Anschuldigung, die Bürgermeister Rupert Wintermeier (WGU) für „unverschämt“ hält, wie er bereits mitgeteilt hat.

Am Donnerstag gilt‘s

Am Donnerstag stimmt der Gemeinderat ab. Wieland rechnet mit einem klaren Ergebnis pro 43,80-Meter-Koloss. „Die Räte wollen das Thema weghaben“, glaubt er. Sie stehen unter Zeitdruck. Bereits am 9. Dezember war der neue Bauantrag eingetroffen. Innerhalb von zwei Monaten sollten sie entscheiden. Entgegen der Versprechung habe die Gemeinde die Anwohner bei der Planung nicht miteinbezogen, sagt Wieland. Von den neuen Plänen und dem Riesen-Mast erfuhren sie am Tag vor der Sitzung vom 9. Januar. „Darüber sind wir empört.“ 

Fragenkatalog an den Gemeinderat

Als letzten Hilferuf haben die Widerständler einen Katalog an das Gremium geschickt, der sieben Fragen enthält. Unterzeichnet haben 14 Anlieger. Die Räte behandeln das Gesuch vor der Abstimmung. Es steht auf Tagesordnungspunkt drei.

Andreas Mayr

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