Eine Straßenlaterne
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Der Umweltbeirat nimmt die Beleuchtung in Uffing (hier Straßenlaterne an der Mühlkopfstraße) unter die Lupe.

Planer soll sich der Sache annehmen

Uffing: Viel zu hell und grell

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Wie hell darf’s denn bitte schön sein bei Nacht? Geht es nach dem Umweltbeirat in Uffing ist es im Dorf erstens viel zu hell und zweitens viel zu grell. Der Report, den die Vorsitzende Monika von Haaren abliefert, liest sich wie ein tadelndes Zeugnis: stets bemüht, aber bei weitem nicht gut.

Bei dieser Gelegenheit muss man die Gemeinderäte aus dem Ort vielleicht in Schutz nehmen. Ihr Anbieter, das Bayernwerk, hat ihnen jahrelang verkauft, wie schön und hell und grell das Licht zu leuchten hat. Dass das aber nicht wirklich nötig und obendrein schädlich für die nachtaktiven Tiere ist, hat er vermutlich vergessen zu erwähnen. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls der Bürgerrat – und setzt damit eine Kettenreaktion in Gang. Der Gemeinderat sucht nun nach einem Lichtplaner, der die Lage vor Ort prüft, weitere Schritte lenkt und das Beleuchtungskonzept neu aufstellt.

Nur elf von 349 Lichtkörpern im Ort arbeiten leistungsreduziert

Viel detaillierter als der Bericht der Vorsitzenden dürfte auch das Urteil des Experten nicht ausfallen. Im Grunde haben die zwölf Mitglieder sämtliche Schwachstellen offen gelegt. Es genügen 10 bis 30 Prozent der bisherigen Helligkeit an den meisten Lampen. 50 Prozent Reduktion nimmt das menschliche Auge nicht einmal wahr. Trotzdem arbeiten nur elf von 349 Lichtkörpern im Ort leistungsreduziert. In diesem Punkt habe die Gemeinde „relativ große Spielräume“, sagt von Haaren. Ein Lux Helligkeit, entspricht etwa drei Vollmonden, reichten völlig aus. Die Kommune habe lediglich die Fuß- und Fahrradwege zu beleuchten, nicht einmal eine Pflicht für Straßen besteht. Nichts spricht dagegen, die Leistung herunter zu regulieren – außer natürlich die Interessen des Stromanbieters.

Zweiter Kritikpunkt: Die meisten Lampen funkeln zu blau. Mit 4000 Kelvin – einem bläulich-weißen Licht – strahlt man derzeit die Hauptstraßen an, in den Nebenstraßen ist es einen Tick wärmer, 3000 Kelvin. Das grelle Licht wirke wie ein Staubsauger, der Mücken, Nachtfalter und andere Insekten anzieht, die sich eigentlich an Mond und Sternen orientieren. Nach einer Nacht im Licht fallen sie entkräftet zu Boden, paaren sich nicht mehr. „Aus Sicht der Insekten war früher alles besser“, sagt von Haaren. Deshalb empfiehlt sie eine Lichtwärme zwischen 1800 und 2700 Kelvin, dieses bernsteinfarbene Leuchten, das man etwa aus dem Murnauer Markt oder dem Uffinger Zentrum kennt. Weißlicht hält man im Hinblick auf die Sicherheit nicht für notwendig, betont die Beiratschefin. Statistisch sei es nicht bewiesen, dass es auf orangefarbenen Straßen mehr Unfälle oder Überfälle gibt.

Zuletzt sprach das Gremium den erhöhten Energiebedarf der 268 Natriumdampf- und Leuchtstofflampen an, den ältesten im Ort, die zwar schon orange leuchten, aber dafür am meisten verbrauchen. Über 35 000 Kilowattstunden im Jahr könnte sich die Gemeinde sparen, wenn sie auf LED-Lampen umrüstet. Die Kosten – zirka 76 000 Euro – hätten sich nach acht Jahren amortisiert. An all diesen Punkten orientierte sich der Empfehlungskatalog des Bürgerbeirats, der auf lange Sicht etwa alle Lichtpunkte mit umweltschonenden Lampen (2200 Kelvin für Hauptstraßen, 1800 für den Rest) ausstatten will.

„Haben die uns damals etwa auf den Arm genommen?

Michael Gretschmann

Warum aber hat die Gemeinde offensichtlich über Jahre auf viel zu helle und grelle Laternen gesetzt? Diesem Rätsel ging Michael Gretschmann (WGS) nach. Er erinnerte sich noch gut an die Beratungen beim Bayernwerk in Penzberg vor ein paar Jahren, als die Gemeinde einen Teil auf LED umrüstete. Dort präsentierte man den Gemeinderäten nur eine limitierte Auswahl an Lampen und empfahl gleichzeitig die hellen für optimale Ausleuchtung. „Wir waren gezwungen, die zu nehmen“, betonte Gretschmann. In Richtung von Haaren fragte er: „Haben die uns damals etwa auf den Arm genommen?“ Die bittere Antwort lautet offenbar: Jein. „Die Lampen sind schick gewesen, aber man braucht sie nicht.“

Mittlerweile kehrt sich der Trend um, auch weil die Technik im Eiltempo voranschreitet. Vor allem die hoch angepriesenen Bavaria-Leuchten mit ihrem historisch-anmutenden Design hält von Haaren für „die schlechtesten“, weil sie zusätzlich noch in alle Richtungen strahlen – nicht nur nach unten, wie der Lichtkegel optimalerweise verlaufen sollte. Im Kreis der Gemeinderäte begrüßten beinahe alle die Pläne des Umweltbeirats. Einzig Thomas Hartmann (WGU) gefiel der orange Schein nicht, er fand diese Lampen gar „gruselig“. „Diese Straßen sind viel zu Gelb, da fühle ich mich wie ohne Straßenbeleuchtung.“

Mit dem Vorschlag seines Fraktionskollegen Robert Fischer, zunächst einen Lichtplaner hinzu zu holen, konnte sich dann aber auch Hartmann anfreunden.

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