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Pfarrer aus Leidenschaft: Dekan Robert Walter, hier beim Gottesdienst im Uffinger Zeltlager in der Jachenau, war bei den Gläubigen sehr beliebt. 

Beliebter Pfarrer verliert Kampf gegen Krebs

Gläubige trauern um Dekan Robert Walter

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Er ging bemerkenswert offen mit seiner Krankheit um: Nun hat Dekan Robert Walter den Kampf gegen den Krebs verloren. Der beliebte Uffinger Seelsorger starb am Freitag, 27. März – ein schwerer Schlag für die Katholiken in der Region. Die Beisetzung kann in Corona-Zeiten nur im engsten Kreis erfolgen.

Uffing – Die traurige Nachricht verbreitete sich am Freitag, 27. März, in Windeseile: Robert Walter, Dekan von Benediktbeuern und Seelsorger in der Pfarreiengemeinschaft Staffelsee, zu der die Gemeinden Uffing, Seehausen und Spatzenhausen samt Ortsteilen gehören, war in den frühen Morgenstunden des gleichen Tages in der Murnauer Unfallklinik seiner schweren Krebserkrankung erlegen – im Alter von 56 Jahren.

Der Schock sitzt tief in Uffing. Walter lebte dort seit 2004, war fest in die Dorfgemeinschaft integriert, wurde für seine anpackende, pragmatische Art und seine ausgeprägte soziale Ader geschätzt. „Es ist tragisch, dass es so schnell gegangen ist“, sagt Bürgermeister Rupert Wintermeier. Erst vor Kurzem hatte Walter in einem bewegenden Brief an die Kirchengemeinde verkündet, dass er nach einer niederschmetternden Diagnose – ein Tumor hatte seine Leber befallen – keine weitere Chemotherapie wünsche (wir berichteten). Stattdessen wählte er eine palliative Begleitung. Im Ort war die Rede von einem „persönlichen Kreuzweg“ – ein Vergleich, der dem Seelsorger offenbar gefiel. Er hatte, wie er selbst sagte, sein „Schicksal in die Hände des Herrn“ gelegt.

Walter war ein Pfarrer aus Leidenschaft, verstand sich in der Rolle des Dekans als Gleicher unter Gleichen, der für Zusammenhalt sorgte zwischen den Geistlichen, Mitarbeitern, Ehrenamtlichen und Gläubigen. Zum Dekanat Benediktbeuern zählen 19 Pfarreien mit rund 35 000 Katholiken in den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Bad Tölz-Wolfratshausen. Walter, 1964 in Lauingen geboren, hatte stets einen guten Draht zu seinen Mitmenschen. „Er war immer da, wenn man ihn gebraucht hat“, sagt Rathauschef Wintermeier.

Walters Weg zum Pfarrer schien vorgezeichnet: Seine geistlichen Wurzeln lagen in der kirchlichen Jugendarbeit – aber auch in der Familie, die dem Glauben nahestand. Dennoch wollte er nach dem Abitur Maurer werden, fing dann ein Studium der Vermessungstechnik an. Erst sein Schwager, ein Pastoraltheologe, brachte ihn letztlich zum Theologiestudium in München – und aus einer Testphase im Priesterseminar wuchs schließlich eine Berufung. Am 26. Juni 1994 empfing er im Augsburger Dom die Priesterweihe. Besonders seine tiefe Christusbeziehung gab ihm Halt. „Das Gefühl, dass Jesus immer neben mir sitzt, ist für mich wesentlich“, wird er in einem Porträt zitiert, das auf der Internetseite des Bistums Augsburg zu finden ist.

Nach seiner Kaplanszeit in Schongau und Augsburg-Pfersee wurde er im September 1998 Regionaljugendseelsorger der Region Altbayern und Pfarradministrator in Hörzhausen. In dieser Zeit war er auch am Aufbau der Notfallseelsorge im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen beteiligt. 16 Jahre lang war Walter Pfarrer in Uffing und Leiter der Pfarreiengemeinschaft Staffelsee. 2015 übernahm er das Amt des Dekans.

Er pflegte ein für seinen Berufsstand eher ungewöhnliches Hobby: Der Mann Gottes war ein leidenschaftlicher Motorradfahrer. Wann immer es die Zeit erlaubte, tauschte er das Messgewand gegen Lederjacke und Helm und düste mit seiner BMW los. Die Biker-Seelen lagen ihm am Herzen: Seine Motorrad-Segnungen am Staffelsee waren legendär.

Der ernannte Augsburger Bischof Dr. Bertram Meier hat laut einer Pressemitteilung des Bistums die Todesmeldung mit großer Bestürzung aufgenommen: „Wir verlieren mit unserem Mitbruder Robert Walter einen aktiven Priester und Dekan, der trotz seiner Erkrankung auch in den vergangenen Jahren seinen Dienst in den Pfarreien und im Dekanat mit großer Hingabe, Treue und Sorge um die ihm anvertrauten Gläubigen versehen hat.“ Auch Walters Stellvertreter, Prodekan und Murnauer Pfarrer Siegbert Schindele, trauert: „Für mich war er ein großes Vorbild, wie er die Krankheit getragen hat.“

Aufgrund der Corona-Krise kann die Beisetzung nur im kleinen Kreis stattfinden. Um dennoch Abschied nehmen zu können, wird der Leichnam in der Seehauser Aussegnungshalle aufgebahrt. Das festliche Requiem soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

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