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Applaus, Applaus: Uffings künftiger Bürgermeister Andreas Weiß, hier bei seiner Aufstellungsversammlung im vergangenen Dezember im Gasthof zur Post. 

Nach der Kommunalwahl

Uffings neuer Bürgermeister Andreas Weiß: ein Stimmenkönig, kein Alleinherrscher

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Andreas Weiß lässt keinen Zweifel daran, wie viel ihm sein neues Amt bedeutet: Er habe „ein tolles Ziel erreicht“. Doch der souveräne Sieger der Uffinger Bürgermeisterwahl weiß: Er wird seinen Posten unter schwierigen Rahmenbedingungen antreten.

Uffing – Es bedurfte doch einiger Tage, bis er wirklich realisierte, dass es geschafft war. Das Bewusstsein reifte am vergangenen Wochenende. „Vorher war ich noch in einem Glückszustand“, sagt Andreas Weiß. „Ich habe mich so gefreut, dass es aufs erste Mal gegangen ist.“

Der 36-jährige Schöffauer schaffte bei der Bürgermeisterwahl ein schier sensationelles und von den meisten kaum für möglich gehaltenes Ergebnis: Trotz dreier Mitbewerber wählten die Uffinger Weiß mit über 57 Prozent der Stimmen bereits in Runde eins zu ihrem hauptamtlichen Rathaus-Chef. Dieser weiß das Zeichen zu schätzen: „Das ist ein wahnsinniger Vertrauensvorschuss und eine riesige Rückendeckung für meine Arbeit.“

Zwei Tage nach der Wahl saß Geschäftsleiter Weiß wieder im Uffinger Rathaus und damit im schwierigen Hier und Jetzt. Es galt, Spielplätze zu sperren und andere Coronavirus-Vorkehrungen zu treffen, die keine anderen Gedanken mehr zuließen. Am Wochenende taten sich Zeit und Raum für Überlegungen auf: wie die Arbeit im Gemeinderat anpacken, wie jene in der Verwaltung, damit alles gut weitergeht?

Weiß kennt das Rathaus und die Abläufe wie vielleicht kein anderer. Im Herbst wird er seit 20 Jahren bei der Gemeinde Uffing arbeiten – ein immenser Erfahrungsschatz. Weiß machte Schritt für Schritt. Jetzt ist er ganz oben angekommen. Er lässt keinen Zweifel daran, wie viel es ihm bedeutet, die Nachfolge von Rupert Wintermeier (Wahlgemeinschaft Uffing) anzutreten, der sich nach zwölf Jahren nicht mehr zur Wahl gestellt hatte: Weiß sieht das Bürgermeisteramt nun als „Zweck meiner Existenz. Das ist ein tolles Ziel, das ich erreicht habe im Zuge meiner ganzen Lebensplanung“. Eines, hinter dem auch seine Familie „voll“ stehe: Ehefrau Stefanie und die drei gemeinsamen Töchter, elf, neun und sieben Jahre alt.

Ab Mai also wird Weiß im Rathaus nicht mehr im Zimmer des Geschäftsleiters sitzen, sondern gleich nebenan im Bürgermeisterbüro. Schon jetzt stimmt sich Wintermeier bei Themen, die den Ort über April hinaus beschäftigen werden, mit Weiß ab. Aktuell läuft viel übers Telefon, Corona wegen. Die Rathaus-Belegschaft wurde in zwei Mannschaften eingeteilt. Immer eine ist normal im Dienst, die andere arbeitet von zu Hause aus; wöchentlich wird gewechselt. Die Situation – plötzlich eine ganz andere als gewohnt und als vor ein paar Wochen noch gedacht, als die vier Kandidaten im Wahlkampf Ideen und mögliche Projekte unter die Menschen brachten. Weiß macht sich nichts vor: „Oft kosten solche Sachen Geld.“ Ob aber die Summen, die im Haushaltsplan der Gemeinde für bestimmte Dinge vorgesehen sind, nach der Corona-Krise, durch die sinkende Einnahmen drohen, noch zur Verfügung stehen, „kann keiner sagen“. Der Gemeinderat müsse entscheiden, ob Uffing lieber zunächst „ideelle Projekte“ anpacken wird, die nichts oder wenig kosten: etwa Diskussionsabende im „Jetzt red i“-Format über umstrittene Themen, bei denen man die Menschen zusammenbringt, oder einen Regionalmarkt im Dorf. Am Anfang seiner Amtszeit, meint Weiß, gelte es, vieles von dem, was die Gemeinde mache, zu erklären, es für die Bevölkerung verständlich zu machen. Er formuliert eine Art Appell für heute und für die Ära nach Corona: „Das Wichtigste ist, dass die Leute jetzt zusammenstehen und Verständnis haben, dass die Gemeinde, wenn das vorbei ist, einige Zeit sparsam sein muss, um alles zu bewältigen.“ Manches wird vielleicht etwas länger dauern als gedacht, bis es umgesetzt wird, „aber man kann diskutieren und Pläne vorbereiten“.

Weiß, der als Parteifreier und ohne eigene Liste angetreten ist, wird mit seinen drei Mitbewerbern Dr. Thomas Hartmann (WGU), Markus Igler (Wir für Uffing) und Anton Sternkopf (parteilos) zusammenarbeiten, die alle in den Gemeinderat eingezogen sind. Der Wahlkampf, das wurde offenbar, als Hartmann ein gemeinsames Foto mit Igler ablehnte, hat Wunden hinterlassen. Weiß setzt auf einen guten Start in der Gemeinderatsarbeit und macht allen das Angebot, Gewesenes zu vergessen.

Denn Uffing erlebt einen (politischen) Neubeginn: mit einem anderen, jungen Bürgermeister und einem größeren Wechsel im Gemeinderat. Weiß sieht darin die Chance, ausgetretene Pfade zu verlassen und bisher nicht genutzte Möglichkeiten zu ergreifen: Diskussions-Plattformen, Wege der Bürgerbeteiligung. Der 36-Jährige, der sagt, es sei ihm wichtig, Probleme in einer sachlichen Auseinandersetzungen zu klären, nicht auf einer persönlichen Ebene, sieht sich als unabhängigen Moderator mit der Aufgabe, verschiedene Meinungen in eine Bahn zu lenken. „Ein Alleinherrscher möchte ich nicht sein“, stellt Andreas Weiß klar. „Das ist gar nicht mein Ding.“

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