Hat bald mehr Zeit, um seinen Garten zu genießen: Uffings scheidender Bürgermeister Rupert Wintermeier. Die Brennholzvorräte werden dann wohl weiter anwachsen.
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Hat bald mehr Zeit, um seinen Garten zu genießen: Uffings scheidender Bürgermeister Rupert Wintermeier. Die Brennholzvorräte werden dann wohl weiter anwachsen.

Ehemaliger Lehrer geht als hauptamtlicher Rathaus-Chef in den Ruhestand

Uffings Rupert Wintermeier: Bürgermeister mit offener Bürotür nimmt Abschied

Er hat sein Ausscheiden selbst gewählt: Nach zwölf Jahren im Amt trat Uffings Bürgermeister Rupert Wintermeier nicht mehr zur Wahl an. In wenigen Wochen ist Schluss. Ein Blick zurück – und nach vorne.

Uffing – Rupert Wintermeier (WGU) hält im gemütlichen Rathaus-Bürgermeisterbüro die Stellung – verschlossene Türen, Stille, kein Parteiverkehr, nur die halbe Mannschaft auf dem Posten, sicher auf Einzelzimmer verteilt. Den Umständen der Corona-Krise ist das geschuldet – normal steht Wintermeiers Tür allen offen. „In einem Dorf mit knapp 3000 Einwohnern muss es möglich sein, dass der Bürgermeister für seine Bürger da ist, egal, wie klein oder groß das jeweilige Anliegen ist“, betont der 66-Jährige. „Für jeden Einzelnen ist sein Problem gerade wichtig, deshalb konnte er jederzeit zu mir kommen, auch ohne Termin.“ Ein bisschen anders habe er sich seinen Abschied schon vorgestellt, nicht so ruhig, gesteht Wintermeier, der zwölf Jahre lang die Geschicke Uffings leitete. Jetzt klingelt oft das Telefon. Auch mit seinem Nachfolger Andreas Weiß muss Wintermeier das meiste fernmündlich besprechen, der arbeitet derzeit im Homeoffice. „Zum Glück kennt er ja das Haus und alle Abläufe durch und durch, das ist jetzt ein großer Vorteil“, sagt Wintermeier über Weiß, dessen Arbeitsplatz schon immer das Uffinger Rathaus war – vom Azubi bis zum Geschäftsleiter hat er alle Abteilungen durchlaufen.

Rupert Wintermeier gab früh bekannt, nicht mehr für das Amt des Bürgermeisters kandidieren zu wollen – das war ihm wichtig, damit sich potenzielle Nachfolger Gedanken machen und den Hut in den Ring werfen konnten. Vor der Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister war Wintermeier Lehrer an der Grund- und Teilhauptschule Seehausen-Uffing gewesen, hatte 5. und 6. Klassen unterrichtet. So war die Auflösung der Hauptschule vor zwölf Jahren gleichzeitig sein Abschied vom Schuldienst – sehr abrupt mitten im Schuljahr sei das gewesen, erzählt der gebürtige Uffinger, der seinen Heimatort über alles liebt. Nur Bundeswehr- und Studienzeit führten ihn kurzfristig weg vom Staffelsee, wobei die Zeit im Münchner Studentenzimmer offenbar kein Genuss war: „Ich bin kein Stadtmensch, mag das Großstadtleben gar nicht.“ Die ganze Familie ist in Uffing verwurzelt, auch die drei erwachsenen Kinder haben sich hier angesiedelt. Bald sieben Enkel wachsen unweit der Großeltern auf, zum Großteil Garten an Garten, aktuell aber mit Sicherheitsabstand.

Rupert Wintermeier wohnt mit seiner Frau in der ehemaligen Schmiede des Vaters, daneben hat sein Sohn, ein Physiker, das Bauernhaus der Großeltern im alten Stil neu erbaut. Baukultur zu erhalten, ist den Wintermeiers und vielen im Dorf sehr wichtig. Die Gemeinde hat sogar einen städtebaulichen Rahmenplan für den Ortskern erstellt, um die Entwicklung besser steuern zu können. Im alten Bauernhaus wohnten bis zuletzt Mutter und Tante des Bürgermeisters, beide erreichten ein biblisches Alter. Direkt dahinter hat eine der Töchter mit ihrer Familie ein Haus gebaut; die andere Tochter bewohnt das Uffinger Elternhaus der Mutter. Beide Schwestern sind beruflich in die Fußstapfen des Vaters getreten und Lehrerinnen geworden.

Wintermeier sah es stets als Privileg, dass sein idyllisches Zuhause nur zwei Minuten fußläufig vom Rathaus entfernt liegt. Jetzt hat er bald mehr Zeit, den Garten zu genießen, zu wandern, den Enkeln bei den Hausaufgaben über die Schultern zu schauen und mit ihnen zu spielen. „Ein großer Gartler bin ich, ehrlich gesagt, nicht, aber ich mache sehr gerne Holz“, sagt Wintermeier, der sich schon darauf freut, mit dem Radl wieder zum See zu fahren und zu schwimmen.

Was ihm besonders am Herzen liegt und wofür er sich künftig verstärkt einsetzen will, ist der Eisstockclub (EC) Murnau. Der in der Vergangenheit äußerst siegreiche Traditionsverein ist ohne festes Zuhause, seit das Vereinsheim „Drachenstüberl“ 2008 der Umgehungsstraße weichen musste; Wintermeier ist seit Jahrzehnten Vorsitzender, die Planung eines neuen Vereinsdomizils beschäftigt ihn nach wie vor. „Wenn nicht bald eine Lösung kommt, droht uns die Auflösung. Viele der alten Mitglieder leben bereits nicht mehr, und ohne Trainingsstätte bleibt auch der Nachwuchs aus“, betont der Funktionär und Rathaus-Chef.

Jede Menge ist während der vergangenen zwölf Jahre in Uffing passiert, öffentliche Gebäude und Straßen wurden saniert, es wurde aber auch viel gefeiert. Wintermeier erinnert sich mit leuchtenden Augen an zwei Gaufeste, bei denen er Schirmherr war, an diverse Vereinsfeste mit geselligen Bierzeltrunden. „Mein Verhältnis zu den Vereinen war immer gut, ein Geben und Nehmen“, schwärmt er. „Wenn man im Festzug mitgegangen oder in der Kutsche mitgefahren ist, hat man die Würde des Amtes gespürt, das war eine große Ehre.“

Einen Zettel hat sich der scheidende Bürgermeister zur steten Mahnung an die Bürotür geklebt: „Wie wollen wir als Bürger behandelt werden? Respektvoll. Fair. Ehrlich. Wertschätzend. Aufmerksam. Individuell. Anerkennend.“

Es scheint Rupert Wintermeier gelungen zu sein, die eigenen Regeln umzusetzen.

Barbara Jungwirth


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