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Eines der Uffinger Plakat-Bermudadreiecke: die Aushangtafel nahe der Kirche. 

Ärger bei Ortsvereinen und Polit-Gruppierungen

Unbekannter lässt in Uffing Plakate verschwinden - Bürgermeister bringt Kamera-Überwachung ins Spiel

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Der Ärger vieler Uffinger ist riesig. Immer wieder entfernt ein Unbekannter Plakate. Opfer sind Ortsvereine ebenso wie politische Gruppierungen. Bürgermeister Rupert Wintermeier will dem Treiben nicht mehr lange tatenlos zusehen. Das Motiv des Täters stellt alle vor ein Rätsel.

Uffing– Der Plakat-Frevler von Uffing nimmt nicht nur die Politik ins Visier. Er reißt sich vielmehr alles unter den Nagel, was er kriegen kann, was nicht hinter Glas geschützt ist – egal, ob er damit Trachtenverein, Frauenbund, Jagdgenossenschaft, Wahlgemeinschaft WGU oder der Gruppierung „Wir für Uffing“ schadet. Selbst Todesanzeigen mit Hinweisen auf Trauerfeiern und Beerdigungen verschwanden von einer der Aushang-Tafeln im Dorf. Die Betroffenen ärgern sich über die Taten, die letztlich das gesellschaftliche Leben in der ganzen Gemeinde stören. „Wir hatten das schon mal vor etwa einem Jahr“, sagt Bürgermeister Rupert Wintermeier (WGU). Nach einer Phase der Entspannung „geht es jetzt wieder massiver los. Alles, was rumhängt, wird abgerissen“, an allen möglichen Stellen. Wintermeier kann sich die Taten nicht erklären. Doch er macht deutlich, dass Uffing sich wehren wird, sollte der Täter sein Treiben nicht einstellen: „Dann muss man eben doch mal eine Kamera installieren.“ Und Anzeige bei der Polizei erstatten.

Nur dann können die Beamten das Delikt auch verfolgen. Murnaus Inspektions-Chef Joachim Loy würde auf die Sachbeschädigungen reagieren, indem er den Ort „noch mehr bestreifen“ lässt. Er bittet die Uffinger, „die Augen offenzuhalten“. Denn vielleicht legt ein eventueller Zeuge oder Kommissar Zufall dem Täter das Handwerk.

Martina Mayr wäre wohl sehr erleichtert. Immer wieder hängt sie für Vereine und Organisationen Plakate auf, etwa auf der vorgesehenen Fläche nahe der Kirche, die dann verschwinden. Gleiches gilt für die Aushang-Tafel vor einem der beiden Edeka-Märkte, die Mayr mit ihrem Mann Wolfgang betreibt. „Das Monatsprogramm der Pfarrei ist am nächsten Tag weg“, sagt sie. Besonders verwerflich: Mit Todesanzeigen verhält es sich nicht anders – auch diese verschwinden spurlos. Mayr fehlt jedes Verständnis: „Ich weiß nicht, was jemand davon hat, wenn er einem Toten die Nachricht nimmt, wann er beerdigt wird.“ Selbst von einer Ladentür verschwanden Terminankündigungen – während der Öffnungszeiten. Der Inhalt scheint für den Täter keine Rolle zu spielen, er hat es wohl generell auf frei zugängliche Uffinger Plakate abgesehen. Was Mayr auffällt: Hinweise auf auswärtige Veranstaltungen bleiben unbehelligt.

Mindestens einmal tauchten gestohlene Aushänge wieder auf. Hinweise auf die Aufstellungsversammlungen von WGU und „Wir für Uffing“ fand Mayr zufällig unter der Bahlsen-Brücke. Der Frevel stößt vielen sauer auf: „Alle ärgern sich“, sagt Mayr, die etwa für die WGU wiederholt nachplakatierte.

Die diversen Polit-Veranstaltungen, die in diesen Wochen gehäuft mit Postern publik gemacht werden, lassen die Missetaten augenfällig werden. Betroffen sind alle drei Uffinger Bewerber ums Bürgermeisteramt. Die Plakate von Markus Igler („Wir für Uffing“), der die Zerstörungswut, die Geld koste und unnötige Arbeitszeit darstelle, „unfair“ sowie „unschön“ findet, mussten allein auf der Anschlagtafel vor der Kirche 20 Mal erneuert werden. Auch Andreas Weiß, der ohne Liste antritt, bemerkte vor einer Woche, dass alle frei zugänglichen Hinweise auf seine Aufstellungsversammlung am Donnerstag, 12. Dezember, verschwunden waren. An jedem dieser Standorte musste er mehrmals anrücken. Mit Blick auf die Wahlkampf-Hochphase, in der jede Menge Kandidaten-Porträts im öffentlichen Raum hängen werden, meint Weiß: „Das macht die Sache sicher nicht leichter.“ Ein Motiv kann er nicht erkennen.

Dr. Thomas Hartmann, der für die WGU ins Rathaus einziehen will, steht in dieser Frage ebenfalls vor einem Rätsel. Er könne nur an den Verantwortlichen appellieren, „seinen Mitbürgern die Gelegenheit nicht zu nehmen, sich zu informieren“. Hartmann neigt dazu, „diesen Dingen nicht so viel Raum einzuräumen“, er sagt aber auch: „Das ist ein Saustall, und jede Gruppierung hat Anlass, sich sehr darüber zu ärgern.“ Es handle sich um einen Straftatbestand, „weil er die demokratischen Abläufe stört“, erklärt Hartmann.

Oder eben das gesellschaftliche Leben. Wenn die Jagdgenossenschaft Uffing zum Beispiel Jagdessen oder -versammlungen abhält, werden die Ankündigungen von der Anschlagtafel vor der Kirche „regelmäßig runtergerissen“, sagt Florian Kraus. Erneuertman sie, wiederholt sich dieses Spiel. „Das ist ärgerlich.“ Der Jagdvorstand hat nur eine Erklärung für diese Taten: „Da ist eine krankhafte Veranlagung vorhanden.“

Lesen Sie auch: Uffinger Bürgermeisterwahl: Der Kandidat aus dem eigenen (Rat-)Haus 

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