Ehrung im Gremium: Bürgermeister Andreas Weiß (r.) beglückwünscht Josef Diepold.
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Ehrung im Gremium: Bürgermeister Andreas Weiß (r.) beglückwünscht Josef Diepold.

Jubiläum

Josef Diepold seit einem Vierteljahrhundert Uffinger Vizebürgermeister

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Er ist aus dem Uffinger Gemeinderat nicht wegzudenken: Josef Diepold (WGU). Seit 25 Jahren ist er mittlerweile Zweiter Bürgermeister.

  • Josef Diepold (WGU) ist seit 25 Jahren Zweiter Bürgermeister von Uffing.
  • Der 72-Jährige versteht sich als treuer Zuarbeiter und Helfer.
  • In fünf Jahren will er aber nicht mehr bei den Wahlen antreten.

Uffing – Einmal hat Josef Diepold dann doch überlegt, ob er nicht der richtige Mann wäre für Uffing und für das Rathaus. Bürgermeister Diepold – kannst Du das, fragte er sich. Doch dieses Gedankenspiel verschwand alsbald wieder aus dem Kopf des Uffingers. Stattdessen entschied sich Diepold im Herbst 1995, als Geschäftsführer bei der Wohnbau Weilheim zu bleiben. „Ich habe meine Zweifel gehabt, ob ich das packen würde“, sagt er über das höchste Amt im Dorf. Zur Wahl im Frühjahr 1996 trat dann nur Amtsinhaber Georg Taffertshofer für die CSU an. „Danach hatte ich nie wieder das Gefühl, dass ich Erster werden möchte.“ Und doch veränderte sich mit dem guten Wahlergebnis der Wahlgemeinschaft Uffing (WGU) die politische Karriere des heute 72-Jährigen nachhaltig. Bei der konstituierenden Sitzung wählte ihn der Gemeinderat zum Zweiten Bürgermeister, nachdem Vorgänger Theo Hoebel (auch WGU) nicht mehr angetreten war. Diesen Posten hat Diepold bis heute nicht abgegeben. Kürzlich feierten er und die Kollegen im Gemeinderat sein 25-jähriges Dienstjubiläum.

Bürgermeister Diepold – so nennt ihn keiner in Uffing. „Angesprochen wird man darauf nicht“, bestätigt er. Die meisten im Dorf wissen aber sehr wohl vom Mann im Hintergrund. Wer den Stellvertreterposten so auslegt wie Diepold, der sollte selbstlos sein. Er versteht sich als treuer Zuarbeiter, als Helfer. Im Sommer, zur Urlaubszeit, vertritt er den Ortschef. In diesen Tagen ersetzt er Andreas Weiß, den vierten Bürgermeister, den er miterlebt. Und alle waren sie unterschiedlich. Georg Taffertshofer, zu dem sich eine Freundschaft entwickelt hat, sei kein großer Weltreisender gewesen, sagt Diepold. Johannes Piegsa hingegen „war gerne unterwegs“. Rupert Wintermeier, für den er einer der engsten politischen Vertrauten war, habe ein paar „feste Sachen“ geplant wie seinen Urlaub nach Silvester im Bayerischen Wald oder Studienreisen etwa nach Anatolien.

Er macht, was anfällt

Für diese wenigen entspannten Momente im Leben eines Dorfoberhaupts übernimmt Diepold alles, was anfällt. Er empfängt Bürger, er vertritt die Gemeinde bei Terminen, er ehrt, er lobt, er öffnet Briefe und leitet Sitzungen. Das Anforderungsprofil hat sich in einem Vierteljahrhundert nicht verändert. Unter CSU-Mann Piegsa kamen 2002 nur Geburtstagsehrungen für 80- und 85-Jährige hinzu. Einerseits hält er seinen Job als Rathaus-Vize für eine Selbstverständlichkeit, weil man genau dafür das Amt geschaffen hat. Andererseits hebt er das Vertrauen hervor, das ihm die Bürgermeister übertragen. „Ich weiß dieses Vertrauen einzuordnen.“

In Sitzungen hingegen tritt der Sepp, wie sie ihn im Dorf nennen, ausschließlich als Gemeinderat auf. „Ich habe schon immer gesagt, was mir wichtig ist, habe aber nicht immer recht gehabt“, betont Diepold. Seine Position vertritt er stets als Volksvertreter, praktisch nie als Zweiter Bürgermeister. Gerade auch, wenn es sich um sein Leib- und Magenthema dreht: um Uffing und seine Entwicklung. Gemeinsam mit Wintermeier prägte er den Leitsatz „Uffing soll Uffing bleiben“, der sich gegen die Verstädterung und gegen einen generellen Strukturwandel im Ort richtet. Trotzdem hatte „ich nie den Eindruck, dass wir Bremser waren“, stellt der 72-Jährige klar.

Diepold liebt dieses Dorf. Von vielen Ecken weiß er noch, wie sie früher aussahen. Selbst zur Studienzeit in Regensburg pendelte er regelmäßig zwischen Stadt und Heimat. Nach der Hochzeit sagten seine Frau und er unisono: „Wir wollen hier nicht weg.“ 1981 bauten sie ihr Haus. Drei Jahre später zog der damalige Leiter einer privaten Wirtschaftsschule in Peißenberg in den Gemeinderat ein. Ohne die Hilfe seiner Frau Jutta wäre das nie gegangen, betont er. „Sie hat die Tätigkeit gestützt und unterstützt. Und sie leidet mit, wenn im Freundschaftskreis ein Thema hochkocht.“

Einsatz im Sommer

Die beiden machten es auch möglich, dass Uffings Bürgermeister praktisch den ganzen Sommer für ihren Urlaub verplanen konnten. Für die Diepolds geht es bereits Ende Mai/Anfang Juni nach La Pineda, Spanien, 100 Kilometer westlich von Barcelona. Seit zwölf Jahren treffen sie dort auch einen früheren Austauschschüler, den sie getrennt voneinander kennen gelernt haben. Zwischen den Dreien ist eine Freundschaft entstanden. Der Spanier Gaspar flog unter anderem zu Diepolds 70. Geburtstag aus Barcelona ein. Ansonsten genießen die beiden einen „Faulenzerurlaub“ mit Sonne, Strand, Büchern und kalten Getränken. In diesem Jahr fällt er allerdings zum zweiten Mal wegen der Coronapandemie aus. 2022 wollen sie wieder nach Spanien. Der Blick voraus gehört für den pensionierten Wohnbauchef mit 72 dazu. Stand jetzt sagt er: „Ich werde das in fünf Jahren sicher beenden.“ Mit „das“ sind die Posten als Gemeinderat und Zweiter Bürgermeister gemeint. Es habe wenig Sinn, mit über 80 Jahren noch im Gremium zu sitzen, findet er.

Eine Nachfolgerin hat Diepold bereits im Blick, auch wenn er sich die natürlich nicht aussuchen kann. Michaela Mück, aktuell Dritte Bürgermeisterin, könnte er sich gut vorstellen. Dann wäre endlich auch einmal eine Frau in dieser Position angekommen. Das würde einer fortschrittlichen Gemeinde wie Uffing gar nicht schlecht zu Gesicht stehen.

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