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Borstiger Waldbewohner: Wildsauen können auf Wiesen schwere Schäden anrichten

Flurschäden durch Wildschweine

Uffinger Zaun-Streit: Landratsamt unterliegt

Das Landratsamt hat vor Gericht eine Niederlage erlitten. Dabei geht es um einen Zaun, mit dem ein Landwirt eine Wiese in Uffing vor Wildsauen schützen will. Ein Jagdpächter hatte dagegen geklagt. Jetzt bekam er Recht.

Uffing – In einem im Raum Uffing befindlichen Waldstück, wo sich normalerweise Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, war im Oktober eine gewisse Betriebsamkeit zu beobachten. Das Verwaltungsgericht München war zu einem Augenschein mit anschließender Verhandlung angereist. Der dortige Jagdpächter hatte nämlich gegen den Freistaat Bayern geklagt. Der Grund: Dem Mann passt ein rund ein Meter hoher Zaun nicht, den ein Landwirt errichtet hatte. Damit will der Bauer eine mehrere Hektar große Wiese vor Wildsauen schützen. 

Die Schwarzkittel hatten zuvor massive Wühlschäden angerichtet. 60 bis 70 Stunden Arbeit seien pro Jahr nötig gewesen, um sie zu beheben und die Graswasen einzutreten, schätzt der Landwirt, der von Helfern dabei unterstützt wurde. Irgendwann reichte es ihm, und er baute den Zaun. Auch wegen der Futterqualität. Fressen die Kühe verdrecktes Gras, können sie krank werden und auch Kälber verwerfen. „Tierwohl steht bei uns an erster Stelle“, betont der Landwirt. Er vertritt die Meinung: Solche „Krisengebiete“ muss man vor den Sauen schützen dürfen.

Der Jagdpächter will hingegen verhindern, dass mit dem Zaun ein Präzedenzfall geschaffen wird. „Wenn das Schule macht, haben wir hier in Oberbayern ein Problem“, hatte er bereits im Herbst betont. Er fühlt sich in der Ausübung der Jagd behindert und verweist zudem auf das Recht auf freies Betreten der Natur, das eingeschränkt werde. Ferner beklagt er, dass die Biodiversität in Mitleidenschaft gezogen werde, weil das Wild nicht mehr auf die Wiese gelangen könne. Das Landratsamt und auch der Landwirt sagen hingegen, dass die Tiere sehr wohl in der Lage seien, das Drahtgeflecht zu übersteigen. Kurzum: Der Kläger wollte den Abbau der Zäune erreichen. Er begehrte, wie es im Juristendeutsch heißt, ein naturschutzrechtliches Einschreiten des Landratsamts.

Es hatte sich bereits beim Vor-Ort-Termin angedeutet. Nun hat das Gericht pro Jagdpächter entschieden und dessen Klage stattgegeben. Die Kreisbehörde muss nach Angaben von Gerichtssprecher Dr. Claus Fischer erneut über den Antrag des Klägers entscheiden. Das Landratsamt habe dabei „allerdings die Rechtsauffassung des Gerichts zu beachten“. Laut Fischer dürfte es bei einer erneuten Entscheidung der Kreisbehörde „eher schwierig werden, ein naturschutzrechtliches Einschreiten hinsichtlich der zumindest teilweisen Beseitigung der Zäune (Durchgänge) abzulehnen“.

Das Landratsamt wird Sprecher Stephan Scharf zufolge „den Sachverhalt unter Beachtung der vom Gericht geäußerten Rechtsauffassung neu bewerten und gegebenenfalls benötigte Informationen einholen“. Danach werde man über das beantragte Einschreiten neu entscheiden. 

Dr. Michael Jobst, Rechtsbeistand des Klägers, ist schon gespannt, wie es weiter geht. „Klar ist, dass der Zaun so nicht stehen bleiben kann.“ Für seinen Mandanten sei wichtig, dass die Ausübung der Jagd „nicht zunichte gemacht wird“. Mit dem Zaun werde das Problem nur verschoben. „Denn das Rehwild bleibt im Wald, was den Verbiss erhöht.“ Für diese Schäden wie auch für die, die auf Wiesen durch Wildsauen entstehen, muss der Jagdpächter aufkommen. Jobst betont: „Der Zaun muss von der Höhe her so sein, dass Rehwild ihn problemlos überwinden kann.“

Roland Lory

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