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Ehrenbürger Hitler: In Uffing stehen Zeichen auf Distanzierung

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Von: Roland Lory

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Die Ehrenbürger der Gemeinde Uffing in der Empfangshalle im Rathaus, links groß die Büste von Klaus Bahlsen, Fabrikant und Philantrop.
Die Ehrenbürger der Gemeinde Uffing in der Empfangshalle im Rathaus, links groß die Büste von Klaus Bahlsen, Fabrikant und Philantrop. © Mayr

Es deutet sich an, dass sich die Gemeinde Uffing vom Ehrenbürger Hitler distanziert. Für Donnerstag war geplant, im Gemeinderat nichtöffentlich über das Thema zu beraten. Ob es so kommt, blieb am Dienstag offen.

Uffing – Die Gemeinde Uffing ist nicht der erste Ort, in dem die Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers Thema ist. Man muss nur nach Babenhausen schauen. Die Volksvertreter der südhessischen Kleinstadt haben dem Diktator heuer die Ehrenbürgerschaft aberkannt. Ein solcher Schritt deutet sich auch in Uffing an. Bürgermeister Andreas Weiß (parteilos) findet: „Die Gemeinde soll sich distanzieren und mit einer Mahntafel auf die Ehrenbürgerschaft hinweisen.“ Diese sollte seiner Meinung nach aber nicht die gleiche Optik haben wie die Tafeln für die tatsächlichen Ehrenbürger.

Der Journalist Claus Biegert hatte beantragt, Hitler nachträglich die Ehrenbürgerwürde abzuerkennen. Diese war ihm 1933 verliehen worden. Biegert sprach im Gemeinderat über Erinnerungskultur – und überraschte dann das Gremium mit seinem Vorstoß.

Hinter verschlossenen Türen

Bemerkenswert: Nach Tagblatt-Informationen sollte am morgigen Donnerstagabend im Gemeinderat hinter verschlossenen Türen über das Thema gesprochen werden. Die Einladung unterzeichnete Vizebürgermeister Josef Diepold (WGU). Rathauschef Weiß, der zuletzt ein paar Tage nicht in Uffing weilte, sieht allerdings keinen Grund dafür, die Bevölkerung auszuschließen. „Das ist für mich ein öffentlicher Tagesordnungspunkt.“ Weiß wollte am Dienstag noch das Gespräch mit seinem Stellvertreter suchen. Diepold wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. Laut Bayerischer Gemeindeordnung sind die Sitzungen öffentlich, „soweit nicht Rücksichten auf das Wohl der Allgemeinheit oder auf berechtigte Ansprüche einzelner entgegenstehen“.

Wie auch immer, der Gemeinderat ist gefordert. Wolfgang Hirschvogel (WIR) sagt: „Ich habe nicht gewusst, dass Hitler Ehrenbürger war.“ Andernfalls hätte er „schon lange beantragt, dass man es rückwirkend aberkennt“. Er sei sich sicher, „dass es die anderen Gemeinderäte auch nicht gewusst haben“, betont Hirschvogel.

Gretschmann: Symbolisch distanzieren

Michael Gretschmann (WGS) war Hitlers Ehrenbürgerschaft zumindest neu. „Ich hatte von der Sache noch nichts gehört.“ Der Schöffauer, der auch Vorsitzender des dortigen Veteranenvereins ist, stellt klar, dass Hitler „nicht das Recht hat, Ehrenbürger zu sein“. Man sollte sich symbolisch distanzieren, findet er. Marcus von Bechtolsheim (WGU) möchte der Debatte nicht vorgreifen. Aber: „Ich nehme an, dass es eine Art Distanzierung geben wird.“ Bechtolsheim ist Biegert dankbar, dass er das Thema „angesprochen hat“.

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