Ortstermin: Die Freie-Wähler-Landtagsabgeordneten Eva Gottstein und Florian Streibl (4. u. 5.v.r.) hören sich die Nöte der Klaiser an. Zum Termin hat Gemeinderat Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählervereinigung, 3.v.l.) gebeten. foto: Freie wähler landtagsfraktion/fkn

Umfahrung Klais: Bürger schöpfen Hoffnung

Klais - Landtagsabgeordneter Florian Streibl will für die Klaiser und ihre Umfahrung kämpfen. Damit gießt er Öl ins Feuer einer heißen Debatte im Ort. Nicht alle sind von Streibls Vormarsch begeistert...

Die Diskussionen sind noch lange nicht beendet, es brodelt noch immer in Klais. Denn die Stimmen zahlreicher Anwohner, die eine Umfahrung des Ortsteils sowie weitere Baumaßnahmen vor dem G8-Gipfel fordern, werden nicht leiser. Neue Schubkraft verleiht nun Landtagsabgeordneter Florian Streibl (Freie Wähler) dieser Debatte.

Der Gipfel und die Bauarbeiten „betreffen die Bürger von Klais in ihrer ganz persönlichen Lebenssphäre in ungeahntem Ausmaß“, schreibt er in einem Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Dazu sah sich der Oberammergauer bemüßigt, nachdem er sich auf Bestreben von Gemeinderat Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft) ein Bild von der Situation vor Ort gemacht hatte. Seine Forderung: „Die Verkehrssituation auf dem Weg zur Tagungsstätte zur Chefsache zu machen.“

Den „unerträglichen Dauerverkehrslärm“ hat er am eigenen Leib erfahren. Denn beim Weißwurstessen mit rund 20 Klaisern im Garten von Anwohnern am Elmauer Weg „mussten wir das Gespräch teilweise unterbrechen, weil man kein Wort verstanden hat“, berichtet Anliegerin Michaela Höck. Besser hätte es für die Klaiser nicht laufen können. „Er hat hautnah mitbekommen, wie wir derzeit leben müssen.“

Für Streibl steht nun fest: Es muss eine Umfahrung geben. „Ich sehe für diese Straße noch immer eine Chance.“ Dieser Satz ist Wasser auf die Mühlen der Klaiser. Für sie ist die Ausweichroute die zentrale Forderung. Diese hatte auch die Gemeinde auf ihre Wunschliste für die Projekte im Vorfeld des G8-Gipfels gesetzt. Doch die Behörden lehnten ab: die Variante über den Quicken aus Naturschutzgründen, die Trasse West vom Schützenhaus über eine alte Forst- bis zur Mautstraße aus Zeitmangel (wir berichteten). Diese Entscheidung hatte in Klais für großen Ärger gesorgt, die Bewohner fühlen sich im Stich gelassen.

Auch Streibl lässt die Argumente nicht gelten. Für ihn war es „ein gravierender Fehler“, nicht den Forstweg vom Schützenhaus zu nutzen, „der um lediglich 900 Meter auszubauen wäre und eine Umfahrung ermöglichen würde“. Der Landtagsabgeordnete ist sich ebenso sicher, dass „sich Ihr Haus mit der Bahn einig geworden wäre, um den bestehenden, ohnehin umzubauenden Bahnübergang etwas vorzuverlegen“, schreibt er an Dobrindt.

Daran hat Zweiter Bürgermeister Klaus Koppe (Freie Wähler), der ebenfalls beim Termin in seiner Heimat dabei war, allerdings große Zweifel. „Ich bin sehr für eine Umfahrung, der Verkehr ist derzeit ungeheuerlich. Ich sehe aber die Durchführbarkeit nicht.“ Koppe musste sich ebenso wie Rathauschef Thomas Schwarzenberger (CSU) massive Kritik einiger Klaiser gefallen lassen. Ihr Vorwurf: Die Gemeinde-Vertreter setzen sich nicht genug für die Anliegen der Ortsteil-Bewohner ein. Nur der Hauptort Krün und die anderen beiden Isartal-Gemeinden würden vom Gipfel profitieren. Koppe weiß um die „aufgeheizte Stimmung“. Richtig verstimmt ist Bürgermeister Schwarzenberger nach Streibls Termin in Klais. „Sehr verwundert“ zeigt er sich, dass „Herr Streibl aktiv wird, sich aber noch nicht einmal über den Gipfel bei uns in der Gemeinde erkundigt und das Gespräch gesucht hat“. Vielmehr glaubt er, dass er ganz bewusst beim Ortstermin „nicht erwünscht war“. Dabei „hätten wir vieles vorher klären können“. Darüber hinaus irritiert den Rathauschef, der Adressat von Streibls Biref. „Der Bund ist in keiner Weise für diese Straße zuständig und in die Entscheidung über eine Umgehungsstraße eingebunden“, unterstreicht er. Es handelt sich um eine Gemeinde- und keine Bundesstraße. Schwarzenberger stellt sich nach dem Besuch des Abgeordneten die Frage, „ob wirklich die Sachlösung im Vordergrund steht oder das Engagement nicht eher politisch motiviert ist.“

Doch in Klais hat der Freie Wähler Hoffnung gesät. „Wir haben wieder ein bisschen Mut gefasst“, sagt Höck. „Und wir hoffen, dass die Umfahrung doch noch nicht ganz vom Tisch ist.“ Vor allem, weil nun auch der Bundesverkehrsminister die Nöte der Anwohner kennt - und eine klare Aufforderung bekommen hat: Nämlich „nun persönlich nach Klais zu kommen, um Abhilfe zu schaffen“, schreibt Streibl. Dort würde er sicher herzlich empfangen.

(nine)

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