Langer Fußmarsch: Um des Gleis zwei – hier fährt gerade ein ICE aus – zu erreichen, müssen künftig am Ohlstädter Bahnhof rund 600 Meter zurückgelegt werden. Foto: Herpen

Umstrittener Bahnhofsumbau: Ohlstadt gibt klein bei

Ohlstadt - Die Gemeinde Ohlstadt wird nicht gegen den Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahn-Bundesamtes klagen, der die Genehmigung des umstrittenen Bahnhofsumbaus darstellt. Der Gemeinderat hat sich mit einer Mehrheit von zehn zu sieben Stimmen für diese Lösung entschieden.

Den Gremiumsmitgliedern stand dabei der Gutachter Johannes Rünzi vom Münchner Ingenieurbüro Vössing, der die Kommune in dieser Sache begleitet, Rede und Antwort. Dabei ging es vor allem um das Gleis zwei, das aus Sicht des Eisenbahn-Bundesamtes künftig nur von Zügen bei Verspätungen angefahren werden soll. Um den Bahnsteig dieses Gleises zu erreichen, ist allerdings ein Fußmarsch von etwa 600 Metern erforderlich (wir berichteten).

„Die Planung ist aus meiner Sicht in manchen Dingen verbesserungsfähig“, sagte Rünzi, „grundsätzlich muss man aber sagen, dass der Planfeststellungsbeschluss eine Lösung darstellt, bei der viele Interessen abgewogen wurden - sowohl jene von der Gemeinde, dem Freistaat, der Deutschen Bahn, den Betroffenen, Behörden und Trägern der öffentlichen Belange.“ Somit stelle diese einen Kompromiss dar, mit dem sich nach Möglichkeit alle Beteiligten arrangieren könnten. Gleichwohl werde es weiterhin kritische Einzelstimmen geben.

Eine davon gehörte dem Seniorenbeauftragten der Gemeinde, Michael Dieringer (NLO): „Wenn die Pläne so umgesetzt werden, müssen die Leute 600 Meter weit gehen, um das Gleis zwei zu erreichen“, bemängelte er. „Das ist für Senioren und Gehbehinderte sehr schlecht, sie würden dadurch teilweise sogar ausgegrenzt“, erklärte er.

„Sie haben grundsätzlich Recht“, entgegnete ihm Rünzi, „die Grundlage für diese Entscheidung ist aber, dass an diesem Gleis nur sehr selten ausgestiegen werden wird.“

Ex-Bürgermeister Anton Fischer (NLO) meinte, dass „in fünf oder zehn Jahren alles ganz anders sein“ könne und das Gleis dann vielleicht öfters angefahren werde. „Das kann ich nicht ausräumen“, bestätigte der Gutachter. Peter Steigenberger (NLO) ging sogar davon aus, dass „das Gleis zwei irgendwann als vollwertiges Gleis genutzt wird.“

Eine Befürchtung ganz anderer Art hatte Franz Gaisreiter (CSU): „Alle Bedenken, die hier vorgetragen wurden, sind zwar richtig, aber wenn wir gegen den Beschluss klagen, setzen wir viel aufs Spiel“, sagte er. „Die Gelder für den Umbau sind bis 2016 eingeplant, aber es kann passieren, dass dann gar nichts mehr gebaut wird. Zum Schluss sperren sie uns den Bahnhof ganz zu. Die Bahn sitzt einfach am längeren Hebel.“ Diese Gefahr sah auch Simon Sagmeister (BVO), der zumindest zeitliche Verzögerungen bei der Umsetzung des Projekts befürchtete.

Richard Frombeck (CSU) wollte von Rünzi wissen, ob es Beispiele gebe, bei denen die Bahn Ortschaften „den Hahn zugedreht“ habe. Dieser verneinte: „Die Grundversorgung der Gemeinden ist gesetzlich geregelt.“

Gegen eine Klage sprach sich Rathauschef Christian Scheuerer (parteilos) aus. „Der Bürgermeister und die Gemeinde haben die Aufgabe, Schaden von der Gemeinde anzuwenden“, betonte er. „Unser Anwalt räumt einer Klage nur sehr geringe Chancen ein. Ich habe zudem die Sorge, dass wir dann auch mit sehr großen Nachteilen zu kämpfen haben. Ich werde dagegen stimmen - auch wenn es mir schwer fällt.“ Überdies versprach er, bei künftigen Verhandlungen mit der Deutschen Bahn „so viel wie möglich herauszuholen. (her)

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