Vor acht Jahren hat der Gemeinderat die kommunale Gärtnerei (Bild oben) aufgelöst. Seither befinden sich die Gebäude aus den 1970er Jahren im Dornröschenschlaf. Hans Reicherl möchte die Liegenschaft für den König-Ludwig-Lauf nutzen. . Foto: stöckerl

Umzug in die alte Gärtnerei

Oberammergau - Der Verein, der alljährlich den König-Ludwig-Lauf stemmt, braucht dringend ein zentrales Lager und überhaupt mehr Platz für das Mega-Spektakel. Jetzt scheint Abhilfe in Sicht. Mit dem Umzug in die ehemalige Gemeindegärtnerei könnte die ärgste Raumnot behoben werden.

Oberammergau - Seit 35 Jahren organisiert Hans Reicherl den internationalen LoipenWettbewerb. Er brennt für das Rennen. Am Montagabend erläuterte der Vorsitzende des König-Ludwig-Laufs e. V. im Bauausschuss, dass allein schon wegen des wachsenden Andrangs der Medien die Platzprobleme immer gravierender werden. „Wir haben schon wieder 1200 Meldungen.“ Der Vertrag mit dem schwedischen Fernsehen ist unter Dach und Fach, Intersport hat sechs halbstündige Fernsehsendungen zugesagt, mit dem Bayerischen Fernsehen ist er im Gespräch. „Die Übertragungswagen sind schon ab Dienstag da, jeder so lang wie ein Sattelzug. Wo sollen sie hin?“

Hinzu kommt, dass Reicherl nicht mehr weiß, wo er die Ausrüstung und das Material für den Lauf deponieren soll. Die kleine Holzhütte am Passionstheater quillt über von Postkisten voller zehnsprachiger Broschüren, Preisen für den kommenden Lauf, Zeitabnahmegeräten und Stößen von Startnummern. Auch die Bestuhlung für 500 Leute muss untergebracht werden. Vor jeder Veranstaltung werden 40 000 Trinkbecher angeliefert, dazu jede Menge Getränke und Lebensmittel. So werden zehn Zentner Kässpatzen ausgegeben.

In dieser Situation ist Reicherl auf die alte Gärtnerei gekommen. Das Bauamt hat sich zusammen mit dem Verein im August die Liegenschaft angeschaut. Der Leiter des Bauausschusses, Zweiter Bürgermeister Karl-Heinz Götz, ist ein Befürworter dieser Idee: „Das Gebäude bietet sich dafür geradezu an, zumal es an das Sportgelände angrenzt.“ So würde es einer sinnvollen Nutzung zugeführt, aber im Besitz der Gemeinde bleiben. Für einen Abriss sei die Substanz des Gebäudes zu gut. „Wenn man nichts macht, verkommt es total.“ Das vom Bauamt erarbeitete Konzept sieht vor, dass die Gemeinde das Haus mit 130 Quadratmetern Nutzfläche saniert und an den Veranstalter des Ludwig-Laufs verpachtet. „Könntet Ihr 600 Euro Miete zahlen?“ fragte Götz Reicherl unverblümt. Der konterte: „500 Euro müssten drin sein. Wir wollen nichts geschenkt.“ Außerdem könne der Verein die Elektroarbeiten übernehmen.

Mit 9:0 Stimmen empfiehlt der Ausschuss dem Gemeinderat, das Gebäude umzurüsten und künftig für den Skilanglauf zu nutzen. Das Bauamt soll allerdings prüfen, ob es bei den geschätzten Kosten von 100 000 Euro für die Renovierung bleibt.

Reicherl wünscht sich für den Lauf so viel Platz wie möglich. Dass sein Verein für die Gärtnerei zahlen müsste, ist klar: „Wir berappen ja auch am jetzigen Standort monatlich 250 Euro.“ Er hat das Rechnen gelernt. Denn jeder Lauf kostet eine Viertelmillion, und die will erst erwirtschaftet und erbettelt werden. Aber immerhin kann der Veranstalter jeden der 22 Vereine und Gruppierungen, die mitarbeiten, mit 500 Euro belohnen. Von Eva Stöckerl

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