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Erst jetzt wird so richtig klar, wie dramatisch die Augenblicke vor dem Unfall waren.

Ermittlungen jetzt abgeschlossen

Unfall an Olympiaschanze: So kam der Lkw auf das Gleis

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Garmisch-Partenkirchen - Die Bilder ließen Schlimmes vermuten: Der Laster, der vor dem Neujahrsspringen in GAP von einem Zug erfasst wurde, war völlig zerstört. Die Ermittlungen sind nun abgeschlossen und offenbaren Dramatisches.

Die Reste des völlig zerstörten Lkw lassen erahnen, mit welcher Wucht ihn der Zug erfasst hat. Trotz der Notbremsung, die der Lokführer eingeleitet hat. Und die Rettungskräfte an der Unfallstelle sprachen von einem Wunder, dass der Fahrer mit leichten Verletzungen aus dem Wrack klettern konnte. Am Freitag, zum Ende der Ermittlungen der Polizei, wird klar, wie dramatisch die Augenblicke vor dem Unfall am Dienstag gegen 5.50 Uhr am Bahnübergang beim Olympia-Skistadion waren: Der 47-jährige Italiener konnte sich in aller letzter Sekunde retten. „Er hatte großes Glück“, sagt Thomas Holzer, Stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen.

Nach den Befragungen der Beteiligten steht fest: Ein Italiener fuhr mit dem Übertragungswagen für das Neujahrsspringen zügig über den Bahnübergang. Dahinter folgte der 47-Jährige – er ging davon aus, die Gleise ebenfalls zügig passieren zu können. Doch plötzlich stoppte der Vordermann, weil er nicht wusste, wohin er fahren sollte. In dem Moment stand der Fahrer des Rüstwagens mit der Kabine auf den Gleisen. Damit nahm das Unheil seinen Lauf.

Die Signale für die Verkehrsteilnehmer zeigen plötzlich rot. Die Schranken senken sich, schlagen auf dem Lkw auf. Der Italiener will reagieren: Zurückstoßen kann er nicht, weil hinter ihm ein dritter Lkw steht. Nach vorne ist ihm der Weg durch den Übertragungswagen versperrt. Er hupt, blendet auf. In dem Moment naht von links die Werdenfelsbahn. Der Zug rollt direkt auf das Fahrerhaus, auf den Italiener zu. Der 47-Jährige lässt den tonnenschweren Lastwagen mit der Kupplung nach vorne springen. „Zwei Meter“, schildert Holzer. Die entscheidenden zwei Meter. „Direkt hinter der Kabine hat der Zug eingeschlagen.“ Danach schleift er den Lastwagen noch 50 Meter mit.

Den Sachschaden gibt die Polizei mit rund zwei Millionen Euro an. Allein die Bahn mache zwischen 450 000 und 500 000 Euro geltend für den demolierten Triebwagen, den zerstörten Oberleitungsmasten, die Bergungs- und Reparaturarbeiten sowie die Zugausfälle. Den Schaden am Lkw, an den geladenen Kameras für die Internationale Vierschanzentournee und weiterer Technik gibt die Polizei mit rund 1,5 Millionen Euro an. Hinzu kommen die Kosten für die Einsätze der Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks.

Bahnunfall an Olympiaschanze in Garmisch: Bilder

Den Lkw-Fahrer erwartet derweil ein Strafverfahren wegen „gefährlichen Eingriffs“ in den Straßenverkehr. Holzer appelliert eindringlich an die Verkehrsteilnehmer, nur dann Bahnübergänge zu befahren, wenn sie sicher passiert werden können. „Ich erlebe das zum Beispiel immer wieder bei Klais.“ Dort würden Autofahrer auf den Gleisen warten, obwohl die Vorderleute nicht in die B2 einbiegen könnten.

matt

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