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Aus allen Nähten platzte das Pürschlinghaus bei der Almbegehung: Das Wetter ließ keinen Terrassenbetrieb zu.

Politiker auf der Alm 

Almbegehung in Unterammergau: Bauern fordern wolffreie Zone 

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Das Auftauchen eines Bären im Mai 2006 im Graswangtal ist den Bauern Warnung genug. Er riss damals im Landkreis mehrere Schafe. Jetzt ist der Wolf ins Visier geraten. Gestern bei der Almbegehung in Unterammergau wurde Klartext geredet. Florian Streibl brachte es auf den Punkt: „Wir brauchen hier keinen Wolf und wir wollen hier keinen Wolf.“

Unterammergau – Kommen 50 Leute, 100 oder doch mehr? Mit sorgenvollen Mienen blickten in den vergangenen Tagen die beiden Vorsitzenden der Weidenschaft Unterammergau, Andreas Gassenhuber und Klaus Solleder, zum Himmel. Für die diesjährige Almbegehung ins Pürschlinggebiet hatte Petrus vor allem eines vorausgesagt – Regen! Gestern dann, nach einer Nacht mit Dauer-Niederschlag, leichte Entwarnung – es nieselte nur leicht. So waren es am Ende doch rund 180 Landwirte, Jungbauern und Freunde der Almwirtschaft, die sich zu dieser traditionellen Veranstaltung der Kreisgruppe im Bauernverband einfanden. Dieser Wolken-Regen-Mix hatte für den Stellvertretenden Kreisobmann, Alois Kramer aus Krün, auch sein Gutes: „Dann versaam’ ma wenigstens dahoam ned so vui.“ Zur Begrüßung würdigte er nochmal die Verdienste des zum Ehrenkreisobmann gekürten Nikolaus Onnich aus Bad Kohlgrub: „Mia san jetzt im Jahr 1 nach Onnich. Geht des überhaupt...?“

Für den Zwischenstopp im Langtal bei der neuen Hirtenhütte hatten die rührigen Organisatoren von der Weidenschaft ein schützendes Zelt aufgebaut. Orts-Bürgermeister Michael Gansler hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Landrat Anton Speer mit seinem Auto dorthin hinaufchauffiert. Für die beiden Lokalpolitiker stand am Nachmittag noch ein trauriger Anlass im Terminkalender, nämlich die Beerdigung des plötzlich verstorbenen Spatzenhausener Bürgermeisters Georg Wagner. Gansler stellte zunächst kurz seine Gemeinde vor, ehe Robert Stumpfecker von der örtlichen Privatwaldgemeinschaft mit 230 Eigentümern informierte, dass jährlich rund 7000 Festmeter Holz von den Mitgliedern in Eigenarbeit eingeschlagen würden.

Minister Dobrindt brachte als Erster das Thema Wolf aufs Tablett: „Es gibt Regionen bei uns, wo er seinen Platz nicht haben kann. Freiweideflächen auf den Almen müssen wolffreie Zonen bleiben“, brachte sich der Peißenberger in Position. Natürlich kam bei ihm auch der Straßenbau zur Sprache, hier speziell der Planfeststellungsbeschluss zum Kramer-Tunnel: „Wenn keiner klagt, könnte es mit der Mittelfreigabe der 200 Millionen Euro noch vor der Bundestagswahl was werden.“ Anton Speer, bekanntlich selbst Landwirt im Nebenerwerb, sprach sich ebenfalls vehement gegen „den Einzug der Wölfe“ und die Einrichtung eines Nationalparks im Ammergebirge aus: „Beides ist nicht vom Tisch, wir müssen da wachsam bleiben.“ Unterstützung fand er in Georg Mayr, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, der später nach dem Weitermarsch im Pürschlinghaus beklagte: „A bisserl Wolf geht halt ned. Die Politik hat kein Konzept, wenn es soweit kommt. Ist der Wolf erst mal da, ist’s mit der Almwirtschaft glei gor.“

Das letzte (Politiker-)Wort bei dieser Almbegehung hatte gestern Ulrike Müller, Abgeordnete der Freien Wähler im Europäischen Parlament und agrarpolitische Sprecherin der Fraktion mit Liberalen und Demokraten in Brüssel: Die Bergbäuerin aus dem Allgäu überzeugte mit hohem Sachverstand und Hintergrundwissen. Sie berichtete von einer von ihr initiierten Studie über den Wolf (die von der EU bezahlt wird), die klären soll, wie sich eine Ausbreitung des Beutegreifers auf Landschaft und Tourismus in einer Region auswirkt. Dieses aktuelle Thema spielte übrigens auch schon in frühen Zeiten in Unterammergau beim Weidebetrieb eine Rolle. Klaus Solleder erzählte, dass im 18. Jahrhundert sogar Prämien gezahlt wurden für das Erlegen von Bären, Luchsen und Wölfen.

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