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Am Restaurant Hieronymus steht das knapp 33 Meter hohe Kunstobjekt von Christian Zott.

Erst für drei Monate genehmigt, dann für sechs und jetzt für immer?

Stahlturm im Unterammergauer Weiherfeld soll stehenbleiben

Wird es das neue Wahrzeichen von Unterammergau? Die Rede ist von dem riesigen Stahlturm im Ortsteil Au, ein Kunstobjekt von Christian Zott. 

Unterammergau – 70,4 begehbare Tonnen Stahl, 32,4 Meter hoch. Von da oben, knapp unter Kirchturmhöhe, hat man bestimmt eine grandiose Sicht. Deshalb auch der Name „Sichtung III“: Der Skulpturengarten der neuen mSE-Kunsthalle in Unterammergau ist nach München und Reithofen der dritte Standort des Kolosses von Hildegard Rasthofer und Christian Neumaier. Wenn es nach Christian Zott geht, für immer. „Er ergänzt das Ensemble“, schwärmt der künstlerische Direktor von Zott Artspace, Andreas Klement.

Anwohnerin entsetzt: „Rostiger Stengel“

Ursprünglich zur Eröffnung im Weiherfeld als sogenannter „fliegender Bau“ für drei Monate errichtet und rechtlich mit einem Bierzelt vergleichbar, wurde die Erlaubnis noch um weitere drei Monate verlängert. Am 15. April ist die Frist nun abgelaufen – und der Turm steht immer noch. Damit sind nicht alle Anwohner glücklich. Vom Wohn- und Arbeitszimmer der Unternehmerin Petra Zoller aus steht er mitten im Blickfeld, nur gut hundert Meter entfernt. „Voller Entsetzen“ verfolgte sie die Errichtung dieses „rostigen Stengels“. Andreas Klement findet: „Gerade der Rost macht ihn ja auch lebendig.“ Es sei eine begehbare Raum-Klang-Skulptur, von der aus man ständig neue Ansichten auf die Landschaft bekomme. „Postkartenbilder“ für Klement.

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Zollers Interpretation dagegen ist weniger schmeichelhaft. „Ein riesiger Phallus“, findet sie. Außerdem brauche Unterammergau doch gar keinen Aussichtsturm. Wofür denn auch? „Da muss man doch einfach nur auf die Romanshöhe rauf.“ Ihr ist die eigenartige neue „Skyline“ des Dorfs ein Dorn im Auge. Noch dazu in der jetzigen Zeit. Sie würde ja gerne den Protest organisieren, ein Bürgerbegehren auf den Weg bringen. Doch „Unterschriften sammeln“ gilt derzeit nicht als dringlicher Grund, um seine Wohnung verlassen zu dürfen. Online dürfte sie schon eine Petition starten, hat ihr das Landratsamt beschieden – doch das hält sie für wenig aussichtsreich.

Bürgermeister: Kein Gemauschel

Auf Tagblatt-Nachfrage bestätigt Unterammergaus scheidender Bürgermeister Michael Gansler, dass Zott einen Bauantrag für dauerhaften Verbleib gestellt habe. Nur brandschutzrechtliche Formalitäten müssen noch nachgereicht werden, dann würde der Gemeinderat voraussichtlich Ende Mai darüber entscheiden. Gansler selbst ist dann schon nicht mehr zuständig, er übergibt sein Amt Anfang Mai an Robert Stumpfecker. Doch er betont, dass wegen der Corona-Situation nichts gemauschelt werde. „Da wird kein Bauantrag bevorzugt, die müssen alle gleich lang warten.“

Dass Christian Zott die Lage ausnutze, möchte Petra Zoller nicht unterstellen. „Aber es kommt ihnen schon sehr entgegen. Wir haben in diesem luftleeren Raum gerade nicht mal die Möglichkeit, uns zu wehren“, beklagt sie. Klement verwahrt sich gegen den Vorwurf der Corona-Vorteilsnahme. „Das Gegenteil ist der Fall. Die Verzögerungen und Unsicherheiten betreffen uns doch genauso.“ Er ist überrascht, überhaupt negative Stimmen zu hören. „Bisher haben wir eigentlich nur Zuspruch erhalten.“ Sehr gerne würde man den „Turm“ dauerhaft in die Sammlung aufnehmen.

Übrigens würde man die Skulptur weiter verleihen. Sie ist ja in einem halben Tag abgebaut. Immer wieder temporär neue Standorte zu bereichern, das sei auch die Intention der Künstler. Kritiker möchte er, sobald es denn wieder möglich ist, zu Führungen einladen. „Natürlich darf man über Kunst geteilter Meinung sein und das auch äußern. Ein Kunstwerk ist doch immer ein Angebot zur Kommunikation.“

Eva Klaehn

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