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Ein imposanter Gebäudekomplex, der da gerade in Unterammergau entsteht - vorne das Restaurant, in der Mitte das Hotel und hinten das Innovationszentrum mit der Kunsthalle.

Zott setzt ein Ausrufezeichen in seiner Heimat

Richtfest für Großprojekt: In Unterammergau entsteht ein Innovationszentrum mit Hotel und Restaurant

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Kultur, Kulinarik, Natur - diesen Dreiklang verbindet ein Großprojekt, das gerade in Unterammergau entsteht.

Unterammergau – In der Wiese nebenan grasen friedlich die Kälber mit ihren Glöckchen, die Herbstsonne entsendet ihre gold’nen Strahlen, vom Dorf herauf hört man das Pfeifen der Lokalbahn. Ländliche Idylle pur. Derweil drehen zwei Spanferkel auf dem Grill ihre letzten Runden. Alles ist vorbereitet für einen besonderen Moment, für ein Millionenprojekt. Zehn Jahre lang blieb das 7000 Quadratmeter große Grundstück im Weiherfeld östlich von Unterammergau, das der Unternehmer Christian Zott Mitte der 2000er Jahre von der Gemeinde erworben hatte, verwaist. Heuer nun im Frühjahr ging plötzlich alles ganz schnell ging – Spatenstich für gleich drei Gebäude: Innovationszentrum mit Kunsthalle, Hotel und Restaurant. Nach gerade sieben Monaten Bauzeit konnte nun am Donnerstag Nachmittag Richtfest mit über 100 geladenen Gästen gefeiert werden.

Für Zott, der in Unterammergau aufgewachsen ist, war dieser Augenblick auch „ein Heimkommen, eine Rückkehr in die Heimat“. Nach 30 Jahren, in denen er berufsbedingt über 25 Länder bereiste. Erinnerungen mit seiner Kindheit verbindet der heute 58-Jährige noch einige: Zum Beispiel, „als meine Eltern ein kleines Haus am Kappelweg bauten, meinem Vater aber damals die Baugrube riesig vorgekommen ist“. Drei große Häuser sind’s geworden, das lässt sich jetzt sagen, die der Sohnemann, inzwischen selbst im gesetzten Alter, aus dem Boden gestampft hat. Zunächst das Entwicklungszentrum für sein international tätiges Beratungs- und Software-Unternehmen mSE (1987 gegründet), das Boutique-Hotel Lartor mit zwölf Zimmern (Lartor ist eine Kombination aus den Vornamen der beiden Kinder von Zott, Larissa und Hector), das Restaurant Hieronymus (so hieß der leibhaftige Stier, den der Geschäftsmann zu seinem 50. Geburtstag von der Gemeinde geschenkt bekommen hat) sowie eine Kunsthalle mit einem Skulpturengarten.

Es sei „aller Ehren wert“, rief Zimmerer Andreas Grasegger jr. bei seinem Richtspruch vom Giebel des Hauptgebäudes, dass Bauherr Christian Zott so ein Projekt für Unterammergau realisiere. Anschließend lud der Chef zum Feste, begrüßte seine Gäste und hob dann auch hervor, „dass in erster Linie die Handwerker es verdient haben, für ihre großartige Arbeit mit einer Feier belohnt zu werden“, wobei auch diverse lokale und regionale Betriebe der beteiligten 35 Firmen mit Aufträgen bedacht worden sind. Mit dem Ensemble, das hier am Entstehen sei – „Hoffentlich bleibt der Wettergott uns weiter so gesinnt“ – will Zott Visionen verwirklichen und „Kunst den Menschen näherbringen“. Klaus Imping, Verantwortlicher für das operative Geschäft bei mSE, beschrieb das Projekt als „Ausrufezeichen, Herausforderung und Selbstverpflichtung“, und blickte „ein wenig neidisch auf die Handwerker, die stets mit Stolz auf konkrete Ergebnisse ihres Schaffens blicken können, während wir nur Prozessoptimierungen, Supply-Chain-Management und andere komische Dinge im Kopf haben“. Dennoch aber sei Innovation heute im Business der absolute Gradmesser für den Erfolg. „Und wir bei mSE bleiben innovativ.“

Dr. Andreas Klement, seines Zeichens Kurator beim Unternehmen, ergänzte, dass mSE heute in 53 Ländern aktiv sei, und wenn dessen Gründer heute nach über 30 Jahren in die Heimat zurückkehre, „ist das nur konsequent“. Die Planung des Großprojekts liegt in den Händen des renommierten Züricher Büros Wild Bär Heule. Architekt Thomas Wild hob hervor, dass sich dieses Ensemble mit seiner zeitgenössischen Sprache klar zur regionalen Heimat mit ihrem großartigen Naturraum bekenne: „Das äußere Erscheinungsbild der modernen Skelettbauten aus Beton und Glas wird von einer luftigen Fassade aus Holz geprägt. Dabei stellt der vorgesetzte Zierbund, der auch die großen Vordächer abstützt, den Bezug zur traditionellen Bauweise in der Region her.“

Bis Ende November sollen nach Angaben des Oberauer Bauleiters Georg Kuba die Arbeiten an den Fassaden abgeschlossen und der Baukörper dann dicht sein, so dass es während der Wintermonate mit dem Innenausbau weitergehen kann. Mit der Fertigstellung rechnet Bauherr Christian Zott im Herbst 2019. Auf welche Summe sich bis dahin die Gesamtkosten summiert haben werden, vermag Zott zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sagen: „Ich rede immer von fünf Millionen Euro, aber es wird wohl mehr werden . . .“

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