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Umstrittener Turm kehrt nach Unterammergau zurück

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Von: Josef Hornsteiner

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Beliebtes Exponat in Flossenbürg: Von der Spitze der „Sichtung“ aus ist nicht nur die KZ-Gedenkstätte zu sehen, sondern auch der kleine gleichnamige Ort. Kunst darf nie belanglos sein. Andreas Klement
Beliebtes Exponat in Flossenbürg: Von der Spitze der „Sichtung“ aus ist nicht nur die KZ-Gedenkstätte zu sehen, sondern auch der kleine gleichnamige Ort. Kunst darf nie belanglos sein. Andreas Klement © Andreas Baumann

Umstrittenes Kunstobjekt kommt wieder nach Unterammergau – Skulpturenweg eröffnet am Freitag, 13. Mai.

Unterammergau – Von dort droben sind sie zu sehen, die Umrisse der Häftlingsbaracken, die Wachtürme der SS, das Krematorium, in dem die meisten der rund 30 000 Toten regelrecht „entsorgt“ wurden. Hier im Konzentrationslager Flossenbürg in Nordostbayern hat einst die SS zwischen 1938 und 1945 in noch nie dagewesener Form die fabrikmäßige Vernichtung von Menschen mit Zwangsarbeit im Steinbruch, Hunger, Willkür und Schikane organisiert. Von der obersten Plattform der „Sichtung“ überblickt Andreas Klement das gesamte Areal. Auf der Spitze des einst so umstrittenen Unterammergauer Turms. Am Freitag, 13. Mai, kehrt er zurück ins Ammertal. Im Rahmen eines Skulpturenwegs, der begleitend zur Passion von der Kunsthalle bis zur Unterammergauer Pfarrkirche St. Nikolaus führt.

Vor zwei Tagen ist er an der KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg abgebaut worden. Seit gut einem halben Jahr stand er dort und verhalf den Besuchern, das ehemalige Lager aus einer ungewohnten Perspektive zu betrachten – von oben. Die „Sichtung“ erfüllt hier in der Gedenkstätte aber nicht nur eine praktische Aufgabe als Aussichtspunkt, sondern auch eine sehr symbolträchtige, erklärt Klement. „Unten, bei den ersten Stufen, sieht man nur Wald. Je höher man steigt, desto lichter wird er. Es öffnet sich der Blick.“ Verbrechen würden verblassen, wenn man sie nicht in Erinnerung behält. „Die Zeit wächst einfach darüber.“ Wie der Wald am Fuße der „Sichtung“. „Und erst, wenn man nach oben steigt, hat man freie Sicht.“

Eine Faszination, wie sie dem Direktor auch schon in Unterammergau gefallen hat. Natürlich erinnert sich Klement zurück an die Diskussionen vor zwei Jahren, die das Kunstwerk im Ammertal auslöste. Als „rostiger Nagel“ und mit vielen weiteren unschönen Beinamen ist der Turm geschmückt worden. Eine recht hitzige überregionale Debatte entbrannte. Doch das gehört für Klement dazu: „Kunst darf nie belanglos sein“, meint er. „Es ist absolut in Ordnung, zu sagen: Das gefällt mir nicht.“ Doch erhielt er auch massig positives Feedback. „Es ist ein Kunstwerk, das nicht nur für eine elitäre Gruppe ist, sondern für alle. Alle können hinaufsteigen, es anfassen, mit allen Sinnen erleben.“

Am 13. Mai ist es wieder soweit: Der Turm wird dann an der mSE-Kunsthalle aufgebaut. Auf dem Fundament, das nach wie vor steht. Mit erneuten Debatten rechnet Klement nicht. Schließlich ist jetzt schon sicher, dass die Sichtung nur für sechs Monate in Unterammergau bleiben wird, bis sie wieder weiter- zieht zum nächsten Ausstellungsort. Genau darum drehte sich 2020 der Streit: Einige wollten den Turm nicht dauerhaft dastehen haben.

Doch ist das Kunstwerk nicht das einzige, das ab heute in Unterammergau zu sehen ist. Über 1,1 Kilometer lang, von der Kunsthalle bis zur Pfarrkirche St. Nikolaus, erstreckt sich der Skulpturenweg mit über 14 Exponaten von zehn namhaften Künstlern. Er ist begleitend zur Passion, weshalb er auch den Namen „Passion im Tal“ trägt. Ursprünglich hätte er vom Unterammergauer Turm bis zum Oberammergauer Passionstheater verlaufen sollen. „Doch gab es da wegen der Sperrzone rund ums Passionshaus Probleme“, sagt Klement.

Alle Ausstellungsstücke haben in irgendeiner Form mit dem Gelübdespiel zu tun. Hölzerne Nägel am Weiherweg mit einer Höhe von bis zu 2,80 Metern zum Beispiel, kreiert von Hans Panschar. Oder eine ganze „verpackte Kirche“ von Bruno Wank und Torsten Mühlbacher. In vielen Kisten sind klassische Ornamente eines Gotteshauses zu erahnen. Am Vorplatz der Kunsthalle wird das Exponat „Triptychon“, ein dreigeteiltes Kunstwerk, von Lois Anvidalfarei gezeigt. Ein weiterer Künstler arbeitet rein mit Moor, bildet daraus Skulpturen und abstrakte Gemälde. Es gibt viel zu entdecken, wie das berühmte Barlach-Kruzifix an der Pfarrkirche St. Nikolaus.

Eröffnung Skulpturenweg

Der Unterammergauer Skulpturenweg öffnet am Freitag, 13. Mai, einen Tag vor der großen Passionspremiere in Oberammergau. Um 16 Uhr ist eine kleine Feier an der Unterammergauer mSE-Kunsthalle geplant, an der auch die Künstler teilnehmen. Die Exponate werden dann bis zur letzten Aufführung des Gelübdespiels im Oktober zu sehen sein.

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