Mobiles Eigentum: Sechs dieser kleinen Minihäuser von Manuela Schädle und Bernd Klöpper werden an der Hofstadelstraße in Unterammergau aufgestellt. 
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Mobiles Eigentum: Sechs dieser kleinen Minihäuser von Manuela Schädle und Bernd Klöpper werden an der Hofstadelstraße in Unterammergau aufgestellt. 

Leben auf 20 Quadratmetern

Kampf gegen überteuerten Wohnraum: Pilotprojekt in Oberbayern startet - mit „Ortsviertel“ nur aus Tinyhouses

  • Josef Hornsteiner
    VonJosef Hornsteiner
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Gerade einmal 20 Quadratmeter. Mehr braucht es nicht zum Glücklichsein, da sind sich Bernd Klöpper und Manuela Schädle sicher. Sie wollen Tinyhouses im Landkreis Garmisch-Partenkirchen salonfähig machen. In Unterammergau startet jetzt ein Pilotprojekt.

Unterammergau – Es riecht nach frisch gebrühtem Kaffee, die Semmeln stehen auf dem Tisch, eine Kerze brennt. Claudia Böhner sitzt auf dem blauen Sofa. Ihr Partner kommt aus dem Schlafzimmer, geht ins Bad, dann in die Küche – all das passiert auf nicht einmal 20 Quadratmeter Wohnfläche. Die beiden sind in einem Haus, das kleiner ist als eine Einzelgarage.

Tinyhäuser in Bayern: Paar baut seit zwei Jahren Minihäuser - und startet Pilotprojekt

Doch fehlt ihnen an nichts. Dank Manuela Schädle und Bernd Klöpper. Die Unterammergauerin und der Nartumer bauen seit zwei Jahren Minihäuser, sogenannte Tinyhouses. Nun starten sie im Ammertal ein Pilotprojekt: Ein „Ortsviertel“ rein aus Minihäusern. Die Gemeinde hat zugestimmt – das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen zuletzt auch.

Am Roßanger steht ihr Prototyp. Ein „Loft-Süd“. Schädle vermietet es an Touristen wie Claudia Böhner. Sie kommt aus Dortmund, lebt dort in einer Innenstadt-Wohnung. „Die ist nicht sonderlich größer“, sagt sie. „Aber nicht so schön.“ Zum ersten Mal nächtigen sie und ihr Freund in einem Miniaturhaus. Ob sie in einem fest leben könnte?

Gemütlichkeit und Geborgenheit auf nicht einmal 20 Quadratmetern Wohnfläche. 

„Natürlich“, sagt sie. „Das kann ich mir sogar gut vorstellen.“ Denn im Gegensatz zur City hat sie hier eine Terrasse, einen Garten, viele Fenster mit massig Licht – schlicht und einfach Eigentum. „Es gehört einem einfach“, sagt Schädle. „Man kann sich damit den Traum der eigenen vier Wände erfüllen.“

Im Vergleich zum Immobilienmarkt in Garmisch-Partenkirchen: Tinyhäuser kosten nur einen Bruchteil

Ein Wunsch, der für viele im Landkreis mittlerweile astronomisch weit entfernt liegt. Bis zu 1,2 Millionen Euro darf gut und gerne für ein Einfamilienhaus in Garmisch-Partenkirchen hingeblättert werden. Schädles Minihäuser sind für einen Bruchteil zu erwerben. Um die 70 000 Euro kostet eines – voll ausgestattet und möbliert, samt aller elektronischer Haushaltsgeräte wie Backofen oder Herd.

Aus reinen Naturmaterialien konzipiert werden die Häuschen von Schädles Lebensgefährten Bernd Klöpper in einer Werkhalle in Unterammergau. Die Zimmerei Gaida übernimmt die Fertigung der Grundgestelle, den Innenausbau setzt in Kooperation die Schreinerei Huber um. Die sieben auf drei Meter kleinen Gebäude verkleidet der Schreiner mit Lärchenholzschindeln in der Loft-Süd-Version. Für den Norden – in Klöppers Heimat stehen ebenfalls schon seine Tinyhäuser – ist die „Loft- Nord“ aus Tannenholz in etwas dunkleren Pastellfarben gehalten.

Tinyhouses werden direkt in Unterammergau konzipiert und hergestellt

Sie alle sind mobil, transportierbar von A nach B. Zudem gibt es eine dritte Variante, die vom Prinzip her wie ein Wohnmobil funktioniert und auf einem Anhänger als Ladung steht. „Diese autarke Version ist ohne Genehmigung an vielen Orten aufzustellen“, sagt Klöpper. In wenigen Wochen Bauzeit macht Klöpper sie einzugsfertig. Jedes Haus ist individuell. Ein wenig wie bei Lego: Die Ausstattungsbausteine können Käufer nach belieben selbst zusammenstecken. Auch Solar- und Fotovoltaik-Anlagen sind möglich.

Jeden Zentimeter sinnvoll zu nutzen, ist das Ziel von Schreiner Klöpper. Hier das Bett und Stauflächen.

Auf die Idee kam das Paar vor zwei Jahren im Urlaub. Dort wohnte es in einem Holziglu. „Es war so gemütlich“, erinnert sich Schädle. Die Begeisterung schlug schnell in Tatendrang um. Die beiden wollten selbst Minihäuser bauen. Doch nicht nur für die Ferien, sondern als festen Wohnsitz. Mit der Idee kam auch die Erkenntnis, dass damit einem großen Problem im Landkreis Garmisch-Partenkirchen entgegengesteuert werden kann. „Wohnraum ist hier knapp und teuer.“

Die Tinyhäuser könnten dem Abhilfe schaffen. „Vor allem haben sie Potenzial für die Nachverdichtung“, sagt Klöpper. Deshalb stellten die Initiatoren einen entsprechenden Bauantrag an die Gemeinde Unterammergau und ans Landratsamt. Ein Grundstück an der Hofstadelstraße soll zum neuen Minihaus-Viertel werden.

Gemeinderat und Landratsamt geben grünes Licht für Minihäuser in Unterammergau

Sie haben grünes Licht bekommen. Sechs Stück mit Terrasse und kleinem Garten entstehen dort in Kürze. Vier sind schon jetzt verkauft. „Die Nachfrage ist groß.“ Die Eigentümer erwerben die Häuschen und müssen lediglich Pacht an den Grundbesitzer zahlen. Das bedeutet: Wer mit seinem Gebäude umziehen will, kann das ohne weiteres.

Dann baut Klöpper wieder ein neues und bietet es zum Kauf an. Ergänzt wird das Areal um einen Gemeinschaftsraum. Ein regulärer Hausanschluss ist für die Häuser vorgesehen. Mit Arthur Böhme im Vertrieb, hat die Firma „Tiny-Wohn-T-Raum“ mittlerweile auch ein Büro in der Oberammergauer Pfarrgasse.

Der Gemeinderat war angetan und stimmte dem Vorhaben mit 12:1 zu. „Uns ist nur wichtig, dass die Häuschen nicht touristisch, sondern als Wohnanlage genutzt werden“, sagte Bürgermeister Robert Stumpfecker (FUZ). Dass daraus Zweitwohnungen entstehen könnten, lasse sich leider nicht verhindern. „Doch wir hoffen, dass die Häuser von jenen erworben werden, die sie wirklich brauchen: Menschen, die sich sonst kein Eigentum leisten könnten.“

Inzwischen ist auch ein Schweizer TV-Lokalsender auf das Duo aufmerksam geworden. „Wir haben ein autarkes Tinyhaus im Schweizerischen Unterengadin.“ Der Beitrag über alternatives, nachhaltiges und kleines Wohnen wird in der Sommer-Senderreihe in der gesamten Schweiz ausgestrahlt.

Tausende Unternehmen weltweit sind betroffen. Die Cyberattacke auf die Kaseya-Software gehört zu den größten Hackerangriffen. Ein Opfer: die Gemeinde Grainau. Noch mehr Nachrichten aus der Region Garmisch-Partenkirchen lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen GAP-Newsletter.

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