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Grenzenlose Freundschaft: Unterammergau schließt Gemeindepartnerschaft mit italienischem Ort

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Von: Manuela Schauer

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Mit Aufklebern des Unterammergauer Wappens drücken die italienischen Freunde ihre Freude aus, nachdem sie vom positiven Beschluss gehört haben.
Mit Aufklebern des Unterammergauer Wappens drücken die italienischen Freunde um Nihre Freude aus, nachdem sie vom positiven Beschluss gehört haben. © privat

Der Beschluss fiel einstimmig: Die Kommune Unterammergau geht eine Gemeindepartnerschaft mit Pradalunga ein. Beide Orte verfolgen damit klare Ziele.

Unterammergau – 434 Kilometer trennt sie voneinander. Knapp fünf Autostunden und in der Regel ein paar Grade auf dem Thermometer. Und trotzdem wächst und gedeiht die Freundschaft zwischen Unterammergau und Pradalunga. Jetzt soll daraus eine echte Fernbeziehung entstehen. Un amore grande – im besten Fall. Beide sind bereit, den nächsten Schritt zu gehen und sich auf eine enge Partnerschaft einzulassen.

Die Zuneigung kommt nicht von ungefähr. Die Tradition der Wetzsteinmacherei verbindet die Gemeinden. Ist dieses Handwerk im Ammertal nach dem Zweiten Weltkrieg zum Erliegen gekommen, so werden in Pradalunga (übersetzt „Wetzstein“) bis dato Natur-, Wetz- und Abziehsteine hergestellt. Während eines Urlaubs im Jahr 2016 in Unterammergau kurbelte Natalina Valoti, der Bürgermeisterin der norditalienischen Kommune, gegenseitige Besuche an. Corona war es schließlich, das noch engere Bande knüpfte. Das Virus hatte das 4500-Seelen-Dorf, das rund zehn Kilometer von Bergamo entfernt liegt, in den Anfängen der Pandemie schwer gebeutelt. Unterm Pürschling sah man nicht tatenlos zu, Spenden flossen. Hilfsbereitschaft, die Valoti hoch einstuft. „Im Moment größter Angst und Sorge hat diese Unterstützung erwiesen, wie wichtig länderübergreifende Solidarität ist“, heißt es in einem Schreiben an die Gemeinde.

Intensiver Gedanken- und Besucheraustausch

Beides, die gemeinsame Geschichte sowie die Krise, bewegten die Bürgermeisterin dazu, die Gründung einer Gemeindepartnerschaft vorzuschlagen. Ein Konzept lieferte sie gleich mit. „Die Kollegin hat sich wahnsinnig viel Mühe gemacht“, lobte Robert Stumpfecker (FUZ) in der Gemeinderatssitzung ihren Einsatz. Ein intensiver Gedanken- und Besucheraustausch wären Säulen des Projekts. Ebenso visiert Valoti an, Treffen unter Vereinen und Verbänden zu organisieren, vor allem in den Bereichen Bildung, Schule, Musik, Kultur, Sport und Umweltschutz. Außerdem ermögliche die Partnerschaft es den jungen Generationen, „Besonderheiten und Berührungspunkte unterschiedlicher Lebensrealitäten mit anderen Augen zu sehen“. Die Ziele liegen auf der Hand. Dazu zählt, die Erinnerung an ein altes Handwerk lebendig zu halten, das europäische Gemeinschaftsgefühl zu stärken sowie kommunalpolitische Erfahrungen auszutauschen.

Der Gemeinde Pradalunga kann es gar nicht schnell genug gehen, um das Miteinander voranzutreiben. Einen groben Zeitplan erstellte die Rathauschefin als Orientierungshilfe, freilich ganz unverbindlich. Aber schließlich soll sich das Ganze zu keiner Brieffreundschaft entwickeln. Im Februar 2022 peilt sie eine Präsentation des Projekts innerhalb des EU-Förderungsprogrammes „Europe for citizens: Town Twinning“ an, im Sommer beraumt sie einen Besuch der Unterammergauer Blaskapelle in Pradalunga an. Samt Konzert auf dem Dorfplatz und „Bayerischem Tag“. Im Oktober steht dann die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags auf Ammertaler Boden an.

„Ein ganz wichtiges Signal“

Zwar muss sich Unterammergau noch über eine geeignete Organisationsstruktur Gedanken machen, das Ansinnen der italienischen Lokalpolitikerin stieß aber auf Gegenliebe. Vor allem bei Michael Spindler (CSU) vom Historischen Arbeitskreis, der mit Cornelia Mitterer das Verhältnis bislang pflegte. „Die nehmen uns mit offenen Armen und Herzen auf“, betonte er und signalisierte, dass der Verein der Gemeinde Arbeit, die durch die Verbindung entsteht, abnehmen wird. Hinter dieser steht prinzipiell auch Vize-Bürgermeister Michael Buchwieser (FDU). Nur gab er zu bedenken, dass die andere Partnerschaft mit Ermershausen dadurch nicht leiden dürfe. Schließlich wurde dieser Zusammenschluss wegen der Pandemie noch nicht einmal gemeinsam gefeiert. „Ich fände es komisch, wenn wir nächstes Jahr aber gleich nach Pradalunga fahren.“ An diesem Punkt ist die Kommune aber noch nicht. Jetzt geht’s darum, die Vorbereitungen für die Liaison zu treffen. Das wollten alle – für Stumpfecker „ein ganz wichtiges Signal“.

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