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Wochenlang ein Zankapfel in der öffentlichen Diskussion - die Raum- und Klangskulptur im Unterammergauer Weiherfeld.

Unternehmer Christian Zott zieht Konsequenzen aus der wochenlangen Debatte

Kein Bürgerbegehren: Zukunft des Turms in Unterammergau steht fest

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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Der Turm in Unterammergau hat die Menschen bewegt. Die Wogen der öffentlichen Diskussion schlugen hoch in den vergangenen Wochen. Jetzt hat Unternehmer Christian Zott einen überraschenden Entschluss verkündet.

Unterammergau – Er hat viele, mehr oder weniger schmeichelhafte Namen bekommen: „Rostiger Stengel“, „Stahl-Ungetüm“, „Trutzburg“, „Eiffelturm-Verschnitt“, „Leuchtturmprojekt“, „Luftschloss“ und sogar „Phallus“. Jetzt zieht Christian Zott (60), Unternehmer und Bauherr des Ensembles aus Hotel, Restaurant und Kunsthalle im Unterammergauer Weiherfeld Konsequenzen: Das umstrittene, 32 Meter hohe Bau- und Kunstwerk der begehbaren Raum- und Klangskulptur „Sichtung III“ wird abgebaut – der Turm kommt weg. „Es ist in den letzten Wochen soviel passiert, was mit dem eigentlichen Thema eigentlich nichts zu tun hat. Ich will Menschen von außerhalb keine Plattform bieten, bei mir ihre Geschichten auszutragen. Außerdem möchte ich Unterammergau nicht entzweien und niemand damit provozieren.“ Indes stellt der 60-Jährige auch fest: „Die Skulptur ist und bleibt mein Kunstwerk, das ist es mir nicht wert.“

Antrag auf Bürgerbegehren zurückgezogen

Gleichzeitig zieht Zott seinen Antrag auf Bürgerentscheid mit sofortiger Wirkung zurück. Man werde, argumentiert der Unternehmer, sämtliche Anstrengungen, eine Genehmigung für den Verbleib des Turms auf dem Hotelgelände zu bekommen, einstellen. Im Vorfeld hatten 170 Unterammergauer den Antrag unterschrieben und einen Bürgerentscheid befürwortet.

Was passiert nun? Der im Dorf aufgewachsene Kunstfreund hofft, dass ihm Landrat Anton Speer „ein bisschen Zeit einräumt“, das Objekt abzubauen. Christian Zott erwartet in Kürze vier Geschäftsfreunde aus Basel, die eventuell Interesse an der stählernen Skulptur haben. „Ein Traum“ wäre es für den 60-Jährigen, den Turm einmal auf der Internationalen Kunstausstellung Biennale in Venedig aufzustellen.

„Wichtig, mit Leuten im Dorf gut auszukommen“

Hauptgrund, das Bürgerbegehren zurückzuziehen, war für Dr. Andreas Klement, Leiter der msE-Kunsthalle im Weiherfeld, dass die Regierung von Oberbayern Bedenken an der Zulässigkeit des Antrags aufgrund der Fragestellung geäußert habe. „Im übrigen“, so Klement, „hat sich ja auch schon der Gemeinderat mehrheitlich gegen eine Änderung des Bebauungsplans ausgesprochen“. Zu guter Letzt betont der Geschäftsführer, dass ein Bürgerentscheid für die Gemeinde einen hohen Verwaltungsaufwand und Kosten bedeutet hätte: „Gemessen an der Bedeutung der Sache erschien uns dies letztlich nicht gerechtfertigt.“ Man solle und könne immer über Kunst diskutieren und streiten, es dürfe aber bestimmte Grenzen nicht überschreiten. Dr. Andreas Klement abschließend: „Es ist für uns sehr wichtig, dass wir mit den Menschen hier im Dorf gut auskommen und kein Keil zwischen beide Seiten getrieben wird.“

Demütig und friedvoll auch der Schlusskommentar von Christian Zott: „Ich hege keinen Groll, gegen niemand. Das Leben geht weiter.“

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